Tauchen in deutschen Bergwerken Schweben in der blauen Lagune

Bei Tauchen denken die meisten an bunte Fische, Korallen und ein türkisfarbenes Meer. Doch auch unter Tage lässt sich ins Wasser steigen: Bergwerkstauchen ist ein ganz spezielles Erlebnis. Die Warteliste dafür ist lang.

Der Trevpunkt / Preston Saunders / TMN

Schon der Weg zum Tauchplatz erinnert so gar nicht an Urlaubstauchen im Meer: Es ist dreckig, dunkel und laut. Über eine Strecke von rund 800 Metern rattert die Grubenbahn immer weiter in den Berg. Feucht-kalter Fahrtwind drückt ins Gesicht, die Tunnelwände rauschen vorbei.

Eine gute Gelegenheit, in sich zu gehen: Wie kommt man aus der Nummer jetzt wieder raus? War das wirklich eine so gute Idee, in einem Bergwerksstollen tauchen zu wollen, rund 90 Meter tief unter Tage?

Diese Frage erübrigt sich Minuten später: Wir stehen in der Kaverne, einem hallengroßen, schräg abfallenden Raum des Bergwerks. Den unteren Abschnitt hat das Grundwasser geflutet, nachdem die Pumpen abgeschaltet worden waren. Im Licht der installierten Scheinwerfer leuchtet es - so türkis, so rein und intensiv, dass Zweifel wie Seifenblasen platzen. Welcher Taucher will da eigentlich nicht rein?

Der Blaue Lagune genannte Untertagesee im Besucherbergwerk Kleinenbremen bei Porta Westfalica ist eines der klarsten Tauchgewässer Deutschlands. Wenn wochenlang kein Flossenschlag Sediment aufgewirbelt hat, keine Luftblasen Partikel von der Decke gelöst haben und selbst kleinste Schwebeteilchen zu Boden gesunken sind, ist das Wasser rein wie Mineralwasser. "Weit über hundert Meter kann man dann schauen", sagt Tauchlehrer Trevor Barritt, der seit 2009 Tauchgruppen in den Bergwerksstollen führt.

Andere Taucher scheinen darin wie im Nichts zu schweben. Sie erinnern an Astronauten im All. Das Licht ihrer Handlampen durchschneidet die Dunkelheit messerscharf, bis es nach 10 oder 20 Metern auf die rostfarbenen Wände trifft. Der Blick in einen nach unten führenden Abschnitt des Bergwerks verliert sich mit den Lichtstrahlen irgendwann in der Dunkelheit.

Tauchen im Besucherbergwerk Kleinenbremen
Der Trevpunkt / Patrick Döhler / TMN

Tauchen im Besucherbergwerk Kleinenbremen

Trotz dieser sensationellen Sichtweiten hat das Tauchen hier mit anfängerfreundlichem Tauchspaß nichts gemein: Die Temperatur des Wassers beträgt ganzjährig sieben bis acht Grad Celsius. "Wir achten sehr genau auf die Ausrüstung und den Ausbildungsstand der Taucher", sagt Trevor Barritt.

Wer keine kaltwassertaugliche Ausrüstung besitze und den Umgang mit einem Trockentauchanzug nicht sicher beherrsche, werde nicht zugelassen. Barritt verlangt auch, dass jeder Teilnehmer die Erfahrung von mindestens 50 Tauchgängen, eine ärztliche Bescheinigung und eine spezielle Unfallversicherung vorweisen kann.

Anders als im vorderen Bereich ist das Auftauchen in den hinteren Abschnitten der Blauen Lagune nicht möglich. Wer die Strecke durchschwimmt, einen etwa zweieinhalb Meter breiten, zwei Meter hohen Quergang, der in 20 Meter Tiefe unterhalb der Kaverne liegt, macht bereits Höhlentauchen. Sportler, die Erfahrung im Nacht- und Wracktauchen haben, sollten die 70 Meter lange Strecke aber problemlos schaffen können.

Eine Herausforderung anderer Art liegt darin, es überhaupt samt Ausrüstung bis hier unten zu schaffen: Weil nur einmal im Monat Taucher ins Bergwerk dürfen, ist die Warteliste lang. "Wer sich jetzt anmeldet, kann frühestens 2016 ins Wasser", sagt Barritt.

Zum Tauchen freigegebene Bergwerke in Deutschland:

Arnd Petry/dpa/tmn/beh

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.