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Mein Lieblingsstrand Region Angeln, die Abgeschiedene

Schleswig-Holstein: Strandidylle in Deutschlands Norden Fotos
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Außerhalb des Sommers verleiten die Strände Angelns Besucher zu dem Eindruck, den letzten Überlebenden der Art Homo sapiens anzugehören, so herrlich einsam ist es dort im Nordosten Schleswig-Holsteins. Die Straßen enden in kleinen Gehölzen hinterm Deich, die Bäume knarren und seufzen im Wind. Am Strand erstickt Sturm die Worte im Mund, also Schweigen, wunderbar.

Schnell das Segel aufs Surfbrett, ins Wasser stürzen und zu sich selbst zurückkehren. Im Süden blinkt der Leuchtturm von Schleimünde, das einzige Zeichen der Zivilisation.

Die Verlassenheit einer der schönsten Landschaften Deutschlands führen Einheimische auch auf eine historische Entscheidung zurück, die Verlassenheit eigentlich gerade verhindern sollte. Ende des 19. Jahrhunderts sollen die Stadtverwalter des traditionsreichen Fischerorts Kappeln darüber beraten haben, ob die Eisenbahnlinie Kiel-Flensburg künftig durch ihren schönen Ort laufen sollte. Kappeln mit seiner spätbarocken Kirche und den schmucken Häusern im dänischen Stil liegt als südlicher Ostsee-Vorposten in der Landschaft Angeln an der Schlei, einem schmalen Meeresarm, der tief ins Land greift.

Die Politiker des Städtchens lehnten das Angebot der Bahn ab, aus Sorge, ihre Kappler würden zum Einkaufsbummel nach Kiel oder Flensburg gondeln, anstatt ihr Geld zu Hause auszugeben. Zwar gingen die Kappler nun weiterhin zu ihrem Bäcker Tange, in die Buchhandlung Gosch und in die Fährschenke. Sie blieben aber meist unter sich. Von außerhalb kamen so wenig Leute wie eh und je, die Bahn brachte Touristen an andere Gestade - das hatten die Politiker nicht gewollt. Auch die Autobahn zieht im weiten Bogen um Angelns Küste.

Der Bahnhof wurde stattdessen in Süderbrarup gebaut, einem Bauernort im Westen. Von dort schlängelt sich die hügelige Bundesstraße durch Van-Gogh-Rapsfelder und kleine Wälder Richtung Ostsee. Mitten auf einem Feld kurz vor Kappeln stehen eng nebeneinander fünf alte Linden, die legendenumwobenen Hexenbäume.

Wer herumgetanzt ist, hat kein Hemd mehr an, so lautet einer der Mythen der Region. Es stimmt tatsächlich, aber auf andere Weise, als Touristen es sich vorstellen. Das Geheimnis darf aber nur mündlich verraten werden, man müsste also hinfahren. Auch wenn das gar nicht so einfach ist.

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Mein Lieblingsstrand: Sankt Peter-Ording, der Endlose


Im Blog hin und weg erzählen SPIEGEL-ONLINE-Redakteure und -Autoren von ihren Lieblingsstränden in Deutschland.

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5 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
goedeking1 29.07.2013
wrzbrm 29.07.2013
hilkethiele 29.07.2013
ridgleylisp 29.07.2013
CompressorBoy 29.07.2013
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