Sachsens Burgen und Schlösser: Im Verlies des Kerkermeisters

Frivole Ritterspiele, Folterkeller und schwere Rüstungen für wahre Männer: In Sachsens Burgen und Schlössern können Besucher das Mittelalter hautnah erleben - und kommen dabei manchmal ins Gruseln.

Sachsen: Die schönsten Burgen und Schlösser Fotos
TMN

Dunkel ist es. Die Verliese und Folterkammern von Schloss Rochlitz bekommen dadurch einen ganz besonderen Reiz. Wenn dann noch der Kerkermeister seine Geschichten von Gaunern, Mördern und Dirnen erzählt, rücken die Besucher der Gemäuer etwas dichter zusammen. Die zweistündige Erlebnisführung "Unterwegs mit dem Kerkermeister" zeigt die eher düstere Geschichte der Burganlage. Vor 500 Jahren wurden hier die Gefangenen mit Folterinstrumenten wie Daumenschrauben und Streckleitern gequält - die Apparaturen sind noch heute zu sehen.

Heiter und frivol geht es dagegen bei verschiedenen anderen Veranstaltungen wie Ritterspielen oder dem Hofball zu. "Tanz war einst ein wichtiger Teil des höfischen Lebens", erzählt der Museumsführer. "Beim Hofball knüpfen wir an diese Tradition an. Dann treten die Torgauer Renaissancetänzer in ihren prächtigen Kostümen auf, ein Zeremonienmeister gibt Spannendes aus dem höfischen Leben zum Besten. Dazu wird nach alter Sitte getafelt."

Die Mauern des Schlosses Rochlitz mit seinen beiden wuchtigen Türmen erzählen von einer tausendjährigen wechselvollen Geschichte. Das hoch über dem Fluss Mulde gelegene Schloss ist nur eines von rund tausend Burgen, Schlössern und Herrenhäusern in Sachsen. Viele dieser steinernen Zeugen einer langen Historie sind in den Jahren seit der Wende mit neuem Glanz versehen worden.

Burg Kriebstein zum Beispiel ist für viele Burgenfans eine der schönsten wehrhaften Anlagen in ganz Deutschland. Vollständig renoviert liegt sie auf einem Bergsporn. Unten tief im Tal, gesäumt von grünen Buchenwäldern, schäumt die Zschopau über ein Wehr. Der wilde Fluss umfängt die imposante Burg von drei Seiten und machte sie im Mittelalter nahezu uneinnehmbar.

Viel Geld für die Restaurierung

Besucher erreichen die Ritterburg über die mit 25 Prozent Steigung wohl steilste Straße Sachsens. Im Burginnern zu entdecken gibt es die Gotische Halle, das Schatzgewölbe, die Kapelle mit wertvollen Wandmalereien sowie den Rittersaal. Nur im Rahmen von Sonderführungen lässt sich das Kriebsteinzimmer besichtigen. Es befindet sich im 45 Meter hohen Wohnturm und beeindruckt mit seinen vollständig erhaltenen, farbigen Malereien aus dem 14. Jahrhundert.

Nur ein paar Kilometer weiter liegt am Rande der beschaulichen Kleinstadt Leisnig mit der Burg Mildenstein ein weiteres mittelalterliches Machtsymbol aus Stein. Auf einem Rundgang erfahren die Besucher, dass der Name der Burg erstmals im Jahr 1046 erwähnt wurde. Nacheinander hielten hier Salierkönige, die Staufer unter Kaiser Barbarossa und später die wettinischen Markgrafen Hof.

Viel Geld ist in die Restaurierung der auf einem Felsen über der Freiberger Mulde gelegenen Burg geflossen, doch es ist noch viel zu tun. Zu lange wurde die alte Bausubstanz vernachlässigt. Der historische Kornhausboden mit seiner einmaligen Dachstuhlkonstruktion aus dem Jahre 1380 ist bereits wieder hergerichtet worden. Der große Raum, den Holzbalken wie ein filigranes Gewölbe überspannen, wird für wechselnde Ausstellungen genutzt.

Ausführlich erklärt der Museumsführer, wie zum Beispiel die ausgestellten Ritterrüstungen hergestellt wurden. Die Kinder bestaunen die massigen Schutzkleider und wollen wissen, ob die nicht viel zu schwer zum Tragen sind. "Nein", lacht der Museumsführer, "damals gab es noch richtig starke Männer, und die hatten unter der Rüstung sogar noch Kettenhemden an."

Begeistert sind die Kleinen auch vom Riesenstiefel. Der Name kommt nicht von ungefähr. Es müsste wirklich schon ein wahrer Riese daherkommen, um den Lederstiefel mit der Schuhgröße 330 anziehen zu können. In Würdigung der jahrhundertelangen Handwerkstradition fertigten 1996 zwei Leisniger Schuhmachermeister einen fast fünf Meter hohen Stulpenstiefel an.

Schloss für Motorrad-Freaks

Viel zu sehen gibt es auch im Schloss Augustusburg. "Krone des Erzgebirges" wird das ganz in der Nähe von Chemnitz gelegene Schloss genannt. "Dieser Name kommt von den vier Spitzdächern auf den Eckhäusern", sagt Führerin Carmen Ehrlich bei einem Rundgang. "Der sächsische Kurfürst August I. wollte sich hier ein Denkmal setzen und ließ ab 1568 ein monumentales Jagd- und Lustschloss errichten."

Heute beherbergt die weitläufige Anlage mehrere Museen und ist vor allem für Biker ein Anziehungspunkt. Auf Schloss Augustusburg gibt es ein Motorradmuseum mit einer der umfangreichsten Zweiradsammlungen in Europa. Die Biker treffen sich regelmäßig, bestaunen museale Raritäten und sind stolz auf ihre chromblitzenden Motorräder.


Burgen und Schlösser in Sachsen

Anreise: Die meisten Burgen liegen im Städtedreieck zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Bequemer ist die Anreise mit dem Auto.

Schlösserland-Karte: Die Schlösserland-Karte bietet freien Eintritt in die angeschlossenen Burgen sowie weitere Vergünstigungen. Sie kostet für zehn Tage 20 Euro, für ein Jahr 40 Euro und gilt für einen Erwachsenen und zwei Kinder.

Detlef Berg, dpa

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1.
Der Leser123 17.03.2012
Zitat von sysopFrivole Ritterspiele, Folterkeller und schwere Rüstungen für wahre Männer: In Sachsens Burgen und Schlössern können Besucher das Mittelalter hautnah erleben - und kommen dabei manchmal ins Gruseln. Sachsens Burgen und Schlösser: Im Verlies des Kerkermeisters - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,821706,00.html)
Ein sehr schöner Artikel über Sachsens Burgen und Schlösser. Bloss in der Bildergalerie ist mir ein Fehler aufgefallen. Bild sechs ist nicht Augustusburg im Erzgebirge (Sachsen) sondern das Schloss Augustusburg in Bühl im Rheinland. Damit hat auch das sächsische Augustusburg (noch) keinen Unesco-Weltkulturerbe-Titel. Das Ergebirge bewirbt sich nur als ganzes für den Weltkulturerbetitel. Die folgenden Bilder von Augustusburg sind korrekt.
2.
Cotti 17.03.2012
Oh Schloss Rochlitz - dort war früher der Kinderhort ansässig. Ich glaube, ich muss mal wieder dort hin.
3.
abcyuchee 17.03.2012
Zitat von Der Leser123Ein sehr schöner Artikel über Sachsens Burgen und Schlösser. Bloss in der Bildergalerie ist mir ein Fehler aufgefallen. Bild sechs ist nicht Augustusburg im Erzgebirge (Sachsen) sondern das Schloss Augustusburg in Bühl im Rheinland. Damit hat auch das sächsische Augustusburg (noch) keinen Unesco-Weltkulturerbe-Titel. Das Ergebirge bewirbt sich nur als ganzes für den Weltkulturerbetitel. Die folgenden Bilder von Augustusburg sind korrekt.
Ich weiß nicht ob von Spiegel schon ein Bild getauscht wurde, aber jetzt ist das 6. Foto definitiv auf auf dem Jagdschloss Augustusburg!
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