Radtouren zu Prachtbauten Schlossspurt

Radfahrer brauchen Ziele. Wie wär's denn mal mit Schlössern, Burgen und damit deutscher Historie? Hier sind sechs herrschaftliche Touren - von der Mecklenburgischen Schweiz bis ins Allgäu.

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Sie sind trutzig oder elegant, gedrungen oder hoch aufragend: die 15.000 Schlösser, Burgen, Adels- und Herrenhäuser in Deutschland. Und immer ist ihre Geschichte verwoben mit ihrer Region. Manche können besichtigt, die meisten nur von außen bestaunt werden - doch einen Besuch lohnen sie allemal.

In manchen Gegenden gibt es so viele der herrschaftlichen Gebäude, dass Radler auf einer Tour mehrere ansteuern können. Auf dem Burgenstraßen-Radweg ab Mannheim zum Beispiel sind es allein in Deutschland 70 Schlösser und Burgen. Besonders beliebt sind auch die 100-Schlösser-Routen im Münsterland, bei dem viele Wasserburgen auf dem Weg liegen.

Hier sind sechs Routen in Deutschland, die entlang einer Vielzahl an Schlössern führen - von Nord nach Süd.

Mecklenburgische Schweiz
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Mecklenburgische Schweiz

Schlösserrundweg: durch die Hügel der Mecklenburgischen Schweiz

In der Mecklenburgischen Schweiz versteckt sich ein Schloss neben dem anderen. Ihre gepflegten Landschaftsparks gehen oft nahtlos in die Natur über. Allein in dieser Region tragen zehn Anlagen die Handschrift des bedeutendsten Gartenarchitekten des Klassizismus, Peter Joseph Lenné, zum Beispiel die Parks in Basedow und Remplin.

Viele dieser ehemaligen Schlösser und Herrensitze beherbergen heute Hotels oder Konzertsäle. Die größten Perlen des Rundweges sind die Schlösser Teschow, Prebberede, Lelkendorf und Burg Schlitz. Hinzu kommen Dutzende Gutshäuser, in fast jedem Dorf eines.

Aber nicht nur Prachtarchitektur können Radtouristen erkunden. Mehrere Hügelgräber aus der Steinzeit und der slawische Ringwall auf einer Insel im Teterower See zeugen von der frühen Besiedlung dieser Region. Der Naturpark Mecklenburgische Schweiz beherbergt seltene Pflanzen und Tiere. See-, Fisch- und Schreiadler brüten hier, mit etwas Glück entdeckt man Fischotter und Biber.

Der 140-Kilometer-Schlösserrundweg lässt sich in zwei Tagesetappen bewältigen. Wer aber mehr von Natur und Kultur haben will, legt eine Etappe zusätzlich ein.

Gutshof Sauen
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Gutshof Sauen

Märkische Schlössertour: Preußens Glanz und Gloria im Osten Berlins

Es ist schon erstaunlich, welche Fülle und Vielfalt an Herrensitzen und Adelshäusern sich in Fontanes Wanderwelt im Speckgürtel Berlins konzentriert. Start und Ziel der 180 Kilometer langen Märkischen Schlössertour liegen in Beeskow in Brandenburg. Hier befindet sich auch die ehemalige Wasserburg, die schon 1272 erstmals erwähnt wurde und nun die Kulisse für den Tourauftakt bildet.

Die Schlössertour lässt sich gut in drei Tagesetappen bewältigen. Wer jedoch die vielen interessanten Bauwerke, wie das Barockschloss Kossenblatt, das Gutshaus Sauen und die Komturei Lietzen, einen ehemaligen Rittersitz des Templerordens, näher betrachten möchte, sollte eventuell etwas mehr Zeit einplanen. Die große Schleife wartet mit keinen großen sportlichen Herausforderungen auf, sondern verläuft weitgehend flach auf Radwegen und ruhigen Nebenstraßen und kann problemlos in beide Richtungen befahren werden.

Neben Kultur satt warten zudem schöne Naturlandschaften wie das Schlaubetal, der Scharmützelsee, das Oderbruch und der Naturpark Märkische Schweiz auf den Tourenradler.

Burg Vischering in Lüdinghausen
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Burg Vischering in Lüdinghausen

100-Schlösserroute Südkurs: durch die Heimat der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff

Der Name der Tour deutet es bereits an: Es geht von Schloss zu Schloss durchs Münsterland im Süden der Stadt Münster. Start der 200-Kilometer-Runde ist in Deutschlands Fahrradhauptstadt, die allein schon eine ausgiebige Rundfahrt lohnt - nicht nur wegen der großartigen Schlossanlage.

Richtung Süden liegen architektonische Highlights, wie das "Versailles Westfalens", das Schloss Nordkirchen und die Burg Vischering mit dem Münsterland Museum. Es gibt aber auch kleinere Schätze wie das Haus Rüschhaus mit seinem Barockgarten in Nienberge-Havixbeck. Hier verbrachte die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff einen Großteil ihres Lebens. Geboren wurde sie in der Nähe auf der Wasserburg Hülshoff, wo sich auch das Droste-Museum zur Geschichte des Münsteraner Adelsgeschlechts befindet.

Ins Schwitzen kommen die Radler auf dem Südkurs höchstens angesichts der vielen Schlösser und Herrensitze, die Rad- und Wirtschaftswege verlaufen meistens topfeben abseits des Straßenverkehrs. Das weiße Zeichen mit der grünen Burg weist dabei den Weg. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann von Münster aus auch die anderen Rundkurse der 100-Schlösser-Route in Angriff nehmen.

Hessisches Landesgestüt in Dillenburg
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Hessisches Landesgestüt in Dillenburg

Oranier-Fahrrad-Route: ein Adelsgeschlecht, drei Bundesländer

Die knapp 400 Kilometer lange Route verläuft durch Städte und Regionen, die seit Jahrhunderten mit dem Fürstenhaus Oranien-Nassau verbunden sind. Architektonisch stechen dabei neben den Schlössern und Burgen vor allem die historischen Stadtzentren von Nassau, Diez, Braunfels, Dillenburg und Bad Arolsen heraus.

Die Wiege des niederländischen Königshauses steht übrigens in Dillenburg - dort, auf dem Schloss, erblickte Wilhelm I. von Oranien das Licht der Welt. Wilhelm I. wird in den Niederlanden auch als "Vater des Vaterlandes" bezeichnet. Die durchgängig beschilderte und 2006 entwickelte Oranier-Fahrrad-Route verläuft bis auf die Ortsdurchfahrten meist abseits des Straßenverkehrs auf Rad- und Wirtschaftswegen.

Während entlang der Lahn, der Eder mit dem Ederstausee oder dem Twistesee die Räder gemütlich dahinrollen, warten in den Mittelgebirgsregionen von Taunus und Westerwald und danach im Siegerland und Westerwald immer wieder recht sportliche Anstiege. Die Oranier-Route mit mindestens sieben Etappen lässt sich auch in der Gegenrichtung von Bad Arolsen nach Nassau gut befahren.

        Schloss Hohenschwangau
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Schloss Hohenschwangau

Von Hohenschwangau nach Herrenchiemsee: auf den Spuren König Ludwigs II.

Ludwig wusste, wo es schön ist. Immerhin ist er im Schloss Hohenschwangau bei Füssen direkt am Alpenrand mit Blick aufs liebliche Vorland aufgewachsen. Für sich wollte er dann ein eigenes Schloss: Neuschwanstein, das er in Sichtweite auf einem Felssporn errichten ließ. Wer sich nicht in die Besucherschlange am Schloss einreihen möchte, sollte hier zumindest noch einen Abstecher zum traumhaft gelegenen Alpsee machen.

Dann geht es auf dem Bodensee-Königssee-Radweg gen Nordosten. Dort liegt in den Hügeln nicht nur eine Bilderbuch-hübsche bayerische Landschaft, sondern auch das Unesco-Weltkulturerbe Wieskirche. Die Radroute verläuft übrigens auf dem sogenannten Königsstraßerl, weil hier einst Ludwig II. zwischen Neuschwanstein und Linderhof mit der Kutsche fuhr.

Zum Schloss Linderhof schwenken die Radler bei Altenau auf den Ammer-Amper-Radweg ein und biegen dann ins Graswangtal ab: Am Fluss entlang führt die Route tief in die Bergwelt zum Märchenschloss. Wieder zurück geht es auf und ab zur Seenparade, das heißt über Kochelsee, Tegernsee, Schliersee zum Ziel Chiemsee.

Bei der Bootsfahrt nach Herrenchiemsee muss das Fahrrad allerdings in Prien zurückbleiben. Auf der Insel mit dem herrschaftlichen Schloss nach Versailler Vorbild ist Radfahren leider nicht erlaubt.

Burgenstraßen-Radweg: quer durch Deutschlands Süden

Das ist schon eine Riesenauswahl an Schlössern und Burgen an einer Radroute. Zwischen Mannheim und Bayreuth steuern die Radfahrer mehr als 70 Adelshäuser aus den unterschiedlichsten Epochen an: von der Romanik um 1000 nach Christus bis zum Historismus Ende des 19. Jahrhunderts. Fast klingt das aber schon wenig angesichts der Tatsache, dass es im Mittelalter im deutschsprachigen Europa mehr als 25.000 Burgen gab.

Der durchweg mit einem roten Schild gekennzeichnete Radweg verläuft bis zur tschechischen Grenze fast ausschließlich auf asphaltierten Wirtschaftswegen und ausgebauten Radwegen, teilweise auf geschotterten Abschnitten. Mit Steigungen muss man vor allem in Hohenlohe, Franken und im Fichtelgebirge rechnen.

Wer an der tschechischen Grenze noch nicht genug hat, der kann auf ruhigen Nebenstraßen bis Prag weiterradeln. An der Strecke liegen dann auf etwas mehr als 400 Kilometern noch rund 15 weitere Schlösser und Burgen. Abschließende Höhepunkte bilden schließlich die Kaiserburg Karlstejn und die Prager Burg Hradschin mit ihren faszinierenden Palastgärten.

Armin Herb, srt

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Papazaca 19.06.2017
1. Schöne Vorschläge, große Unterschiede
Erstmal: Ich habe mich über die Vorschläge gefreut. da ist für jeden was dabei. Eine Tour kostet Körner und ist für mich die klar schönste, von Hohenschwangau nach Herrenchiemsee ( Lindau-Berchtesgarden bin ich als MTB-Tour gefahren, 9 Tage). Andere sind sicher auch schön, aber eher ideal für Flachlandtiroler. Die Schlösser, Burgen und sonstigen Sehenswürdigkeiten sind für mich in diesem Fall mehr Beiwerk. In erster Linie fährt man durch tolle Landschaften, kann in einem Biergarten ein Weizen trinken und vielleicht mit anderen netten Radlern eine Zeit zusammen fahren. Deutschland hat schon schöne Ecken.
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