Experten-Tipps fürs Oktoberfest Der Dirndl-Code

Was sagt die Schleife an der Schürze über die Dirndl-Trägerin aus? Wie ergattert man einen Platz im Bierzelt? Und was hat mehr Kalorien: Brezn oder Brathendl? Eine Oktoberfest-Expertin beantwortet die wichtigsten Fragen zu Münchens Supersause, die am Wochenende beginnt.

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Der Duft von gebrannten Mandeln, das dumpfe Klingen der Bierkrüge, Blasmusik, die aus den Zelten scheppert: Am Wochenende beginnt das Oktoberfest. Viele waschechte Münchner stellen dann auf Autopilot und lassen sich über einen Zeitraum von zwei Wochen von Bier und bajuwarischer Lebensart berauschen.

Für Wiesn-Touristen aus dem Rest der Republik stellt das Volksfest auf der Theresienwiese jedoch eine Herausforderung dar. In welchem der Festzelte ist die beste Stimmung? Ist man ohne Tracht und Dirndl hoffnungslos underdressed? Muss man sich Sorgen machen, wenn in einer Zauberbude noch die "Enthauptung einer lebendigen Person mittels Guillotine" zelebriert wird?

In ihrem Reiseführer "Wiesn 2013" klärt die Münchner Journalistin Sonja Still über alle Facetten des Oktoberfests auf. Über gutes Benehmen auf der Bierbank ("zusammenrücken, anstoßen und miteinander feiern!"). Über die wichtigste Wiesn-App (ein Schimpfwort-Übersetzer vom Bayerischen ins Hochdeutsche). Und über Details wie den Studentenjob von Albert Einstein. Der spätere Nobelpreisträger arbeitete einst als Glühbirneneinschrauber auf dem Oktoberfest. "Wenn der das heutige Funkelmeer aus LED-Leuchten sehen könnte!", sagt Still im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Ihr 128 Seiten dicker Oktoberfest-Begleiter liefert aber auch ganz praktische Tipps für einen Wiesn-Besuch. Hier eine Auswahl:

Sie haben keinen Tisch reserviert? So kommen Sie trotzdem an einen Platz im Bierzelt.

Überfüllte Zelte sind der Graus eines jeden Oktoberfestbesuchers. Dieses Jahr gibt es jedoch Hoffnung für alle, die die Reservierung verschwitzt haben. Die Stadt München hat dafür gesorgt, dass es dieses Mal 150.000 zusätzliche Plätze in den Zelten gibt, die nicht reserviert werden können. Am Wochenende bleibt immerhin die Hälfte der Plätze bis 15 Uhr reservierungsfrei, danach sind es 35 Prozent.

"Man will damit verhindern, dass das Volksfest zu einer geschlossenen Veranstaltung verkommt", sagt Still. "Natürlich gibt es vereinzelt Stammgäste, die sich darüber echauffieren, aber die sind in der Minderheit."

Wer es nicht darauf ankommen lassen will, sollte sich fix noch um eine Reservierung bemühen - zumindest, wenn er in einer größeren Gruppe anreist. "Es kann sich lohnen, bei den Festzelten direkt anzufragen", sagt Still, "auch spontan." Es gebe immer wieder Firmen, die ihre Buchungen zurückziehen. "Da braucht es dann einfach ein bisschen Glück." Anfragen richten Interessierte am besten per E-Mail oder Fax an die Festwirte.

Wie teuer ist eine Tischreservierung?

Wer bei den Festwirten direkt reserviert, zahlt gar keine Gebühren, verpflichtet sich aber zu einem Mindestverzehr. "Der gilt meistens für zehn Personen an einem Tisch und liegt in der Regel bei einer Summe zwischen 400 und 500 Euro", sagt Still. "Pro Gast entspricht das dem Preis für zwei Maß Bier und ein Hendl."

Im Internet gibt es einen Haufen Agenturen, die angeblich Reservierungen garantieren - und dafür viel Geld verlangen: bis zu 1600 Euro pro Tisch. "Darauf sollte man sich nicht einlassen", warnt die Expertin. "Wenn die Wirte mitkriegen, dass von ihnen ausgestellte Reservierungen zu Wucherpreisen vermakelt werden, stornieren sie diese möglichweise. Und dann steht der Käufer später vor einem verschlossenen Zelt."

Welches der vielen Zelte ist das richtige für mich?

"Es muss nicht immer eins der großen Brauereizelte mit 10.000 Plätzen sein", sagt Sonja Still. "Ein Besuch in einem der kleineren Zelte ist reizvoll, weil alle unterschiedliche Schwerpunkte haben." Die Wildstuben? Bieten vom Balkon aus einen sagenhaften Blick über die Wiesn. Das Bodos? Da mixen die Barkeeper abends leckere Cocktails. Und während die Band im Café Kaiserschmarrn beim Musizieren über einen Laufsteg spaziert, steigt im Mohrenkopf laut Sonja Still die wildeste Singleparty - auch wenn sie niemand als solche bezeichnet.

Beim Flirten gilt auf den Wiesn der sogenannte Dirndl-Code. Was müssen Männer beachten?

"Frauen, die ihr Schürzenband auf der rechten Seite knoten, signalisieren damit, dass sie bereits vergeben sind", erklärt Sonja Still. "Sitzt das Schleiferl auf der linken Seite, heißt das 'Ich bin noch zu haben'." Eine vergessene Tradition? "Nein, heute schaut man genauer drauf als je zuvor."

Wer schneidert die schönsten Dirndl?

Es gibt einige junge Modeschöpfer, die sich auf Trachten und Dirndl spezialisiert haben. Eine von ihnen ist Julia Trentini. "Ihr Kreationen sind fesch und verspielt, sie setzt auf Rüschen, Glasknöpfe und Blütenstickereien", sagt Still. An den Kleidern der Designerin Eva Violetta schätzt sie die Eleganz. Für Schürze und Bluse muss frau allerdings schnell mehrere hundert Euro berappen.

"Wer auf Last-Minute-Shopping aus ist und nicht zu viel Geld ausgeben will, der wird bei einem Bummel durchs Westend, im Schlachthofviertel oder in der Lindwurmstraße fündig", sagt Still. Doch eine Wiesn-Touristin aus Berlin oder Bielefeld will sich vielleicht gar kein Dirndl kaufen - schlicht, weil sie es an den restlichen 364 Tagen im Jahr nicht tragen würde. "Es gibt viele Wege, fesch und sauber durch die Wiesn zu kommen", sagt Still. Zum Beispiel, in dem man sich für 24 Stunden ein komplettes Oktoberfest-Outfit im Kostümverleih borgt.

Das kostet ab 100 Euro für die Herren - Hemd, Halstuch, Bundlederhose mit Hosenträgern, Strümpfe, Schuhe und Hut inklusive. Für die Damen werden bei einer Ausstattung aus Dirndl, Bluse, Schürze und Kropfband 60 Euro Leihgebühr fällig.

Was sind die schlimmsten Kalorienbomben unter den Wiesn-Leckerbissen?

Bratwurst mit Semmel: 560 Kilokalorien. Eine Portion Obazda: 480 Kilokalorien. Eine große Brezn: 625 Kilokalorien. In ihrem "Wiesn 2013"-Reiseführer thematisiert Still in einem Kapitel den Energiegehalt der beliebtesten Speisen.

"Ich war total entsetzt, als ich erfuhr, wie viele Kalorien ein halbes Hendl hat", sagt Still. "650!" Wenn man die knusprige Haut weglasse, könne man den Brennwert zwar reduzieren - "aber wer verzichtet schon auf das Beste am Essen?" Stills Tipp: "Auf dem Oktoberfest reinhauen und wenn alles vorbei ist, lieber mal eine Runde mehr durch den Park joggen."



insgesamt 118 Beiträge
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Pango 17.09.2013
1. Münchner Arbeiter?
Wie sieht dieser ominöse Typus aus? Seit dem Wandel zur Informations- und Dienstleisutngsgesellschaft, dürfte er sich gut genährt in der Mittelschicht wiederfinden. In einer Hochpreis-Stadt wie München, ist das Oktoberfest bestimmt keine bessere Armenspeisung ...
nummer50 17.09.2013
2. Preise
Also wenn sich die Preise auf dem Oktoberfest niemand mehr leisten könnte, dann wären die Zelte nicht so voll und die Wirte müssten die Preise reduzieren, aber warum sollten Sie....es ist doch jeden Tag brechend voll. Und ich persönlich finde jetzt eine Maß mit 10 Euro nicht überteuert, trinken Sie doch mal ein Weissbier in Dresden oder am Marienplatz, da kostet der halbe Liter auch fast 5 Euro!
vinzenz 17.09.2013
3. Wiesn =
faschingsveranstaltung mit besoffenen Preussen in pseudobairischer Tracht - 360 Tage im Jahr wird über die Seppln aus Bayern gelästert, aber dann will man selbst einer sein,... is det jemüüütlich hier, icke finds janz doll , det haben wir nüschd..
c_c 17.09.2013
4. Tja
es gibt ja auch nix Wichtigeres in der Welt als dieses oberflächliche Vergnügen, das in Wahrheit nichtmal eins ist...
B.F.Skinner 17.09.2013
5. Nicht alle Münchener...
Sind restlos begeisterte Wies'n - Fans... Zwei Wochen Ausnahmezustand, der für die sonstige Bevölkerung nicht immer angenehm ist. Viele Besucher überschätzen ihre Alkoholtoleranz und legen dann eher unangenehmes Verhalten an den Tag, bzw. gefährden sich und andere.
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