Extremtour am Ende: Deutschland-Wanderer muss ins Krankenhaus
Schon vor der Halbzeit ist für den Extremwanderer Dennis Bettin Schluss. Mit einem Freund wollte er Deutschland von der Nordsee bis zur Zugspitze durchwandern - ohne Geld und ohne Zelt. Doch bei Fulda endete die Tour im Krankenhaus.
Wermelskirchen/Fulda - Noch bevor die Hälfte der geplanten Strecke geschafft war, ist sein Versuch der Deutschland-Durchquerung gescheitert: Der 24-jährige Dennis Bettin aus Wermelskirchen sei am Sonntag mit einer Nierenentzündung in eine Klinik in Fulda eingeliefert worden. "Ich hatte schon den ganzen Tag Seitenstiche", sagte Bettin am Montag. Sein Begleiter Marco Storsberg, 22, sei offenbar weiter unterwegs. "Ich kann ihn aber nicht erreichen."
Bettin war kurz vor Fulda von Passanten ins Krankenhaus geschickt worden. Dort sei die Nierenentzündung und eine Entzündung der Fußgelenke diagnostiziert worden. Die beiden Männer hatten in gut 16 Tagen ohne Geld von Wilhelmshaven zur Zugspitze wandern wollen - also knapp 900 Kilometer weit. Sie waren am 16. September gestartet.
Trotz Schmerzen, Hunger und Kälte hatte das Duo täglich mehr als 50 Kilometer hinter sich gebracht. Schon nach fünf Tagen hatte der Marathon aber deutliche Spuren hinterlassen. Ihre Füße wollten die beiden bereits am vergangenen Donnerstag nicht zeigen. "Ich habe richtige Monsterblasen", sagte Storsberg. "Da nützen auch die guten Schuhe und die beste Creme nichts."
Wanderdiät: Zwölf Kilo in sieben Tagen
Von der Landschaft und Sehenswürdigkeiten an der Strecke bekam das Duo wenig mit. Auch für ein Schwätzchen am Wegesrand hatten die beiden Wanderer mit den blauen Rucksäcken keine Zeit. Da die beiden kein Geld mitgenommen hatten und nicht betteln wollten, mussten sie das essen, was sie am Wegesrand fanden.
"Äpfel, Birnen und Futtermais", zählte Storsberg auf. "Ich kann's nicht mehr sehen", sagt Bettin. Außerdem klaubten sich die Wanderer ein wenig Nahrung aus Mülleimern. "Als wir das erste Mal ein paar Pflaumen pflücken konnten, das war gut", beschreibt Storsberg einen Höhepunkt der ersten Tage.
Schlimmer als das Loch im Bauch waren die Nächte. "Eiskalt, das war wirklich bitterkalt", sagte der 22-Jährige. Geschlafen haben die jungen Männer auf einer Wiese oder unter einem Carport und in der ersten Nacht am Bahnhof in Oldenburg. "Tiefschlaf war nicht drin, immer wieder kamen Züge", sagte Storsberg. "Ich würde lieber noch zehn Tage auf vernünftiges Essen verzichten und dafür gut schlafen", fügte sein Begleiter an.
"Ich habe zwölf Kilo abgenommen", sagte Bettin am Montag nach einer Woche Wanderung. Ob sein Begleiter die Tour allein beenden will, weiß er nicht. "Ich glaube, er will es zumindest versuchen."
Storsberg und Bettin sind nicht die Ersten, die unter extremen Bedingungen durch Deutschland wanderten. Vor zwei Jahren bewältigte Ausdauersportler Joey Kelly die Strecke in 17 Tagen und 23 Stunden. 1981 hatte der Survival-Experte Rüdiger Nehberg Deutschland ebenfalls zu Fuß durchquert und sich nur von dem ernährt, was die Natur hergegeben hatte.
abl/dpa
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