Sicheres Radfahren: Trockenhaube? Nein, Fahrradhelm

Von Holger Dambeck

Helme machen das Radfahren sicherer - aber, so das Vorurteil, sie sind klobig und hässlich. Irrtum: Wer den Kopf schützen möchte, kann mittlerweile unter vielen Formen und Materialien wählen. Es gibt sogar eine unsichtbare Variante.

www.pd-f.de / hovding.de / sportimport.de

Wie hältst du's mit dem Helm? Das ist für einige Radfahrer die Gretchenfrage schlechthin. Viel spricht für den Helm, schließlich schützt er den Kopf bei einem harten Aufprall. Aber es gibt auch gute Argumente dagegen. Vor allem eine immer mal wieder diskutierte Helmpflicht könnte negative Folgen haben. In den Niederlanden, wo der Drahtesel quasi Teil der nationalen DNA ist, bilden Helmträger eine kleine Minderheit. Trotzdem ist das Verletzungsrisiko für Radler gering.

Wer sich aber dazu entschlossen hat, einen Kopfschutz zu tragen, kann unter immer mehr Formen, Farben und Materialien wählen. Wem klassische Styropormodelle nicht gefallen, der kann beispielsweise zu einem Skater-Helm greifen. Die sind zwar wegen ihrer Bauweise nicht so gut belüftet - doch bei den eher kurzen Fahrten in der Stadt sollte das kaum Probleme bereiten. Helme im Skaterdesign gibt es unter anderem von Bell, Uvex, Giro, TSG oder O'Neal.

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Fahrradhelme: Nicht auf den Kopf gefallen

Beim Helmkauf gilt: Die Haube muss gut sitzen. Die meisten Helme lassen sich leicht an den Kopfumfang anpassen - entweder mit einem Drehrad oder - wie oft bei Skater-Helmen zu sehen - mit unterschiedlich dicken Polstern. Doch Schädel sind verschieden geformt, deshalb passt nicht jeder Helm auf jeden Kopf. Probieren Sie am besten möglichst viele unterschiedliche Modelle aus, damit Sie das richtige finden.

Klobiges Design

Interessant für Helmmuffel sind sicher auch all die Modelle, denen man ihre Funktion gar nicht ansieht. Der dänische Hersteller Yakkay beispielsweise kombiniert alle seine Modelle mit auswechselbaren Stoffüberzügen. Die Helme sehen dann aus wie ein cooles Basecap oder ein eleganter Hut. Auch Abus hat inzwischen solche schicken Hauben im Programm.

Ob Rennrad-, Skater- oder City-Helm mit Stoffüberzug - all diese Modelle erfüllen die Fahrradhelm-Norm EN 1078. Diese sieht unter anderem einen Aufprall auf eine Bordsteinkante mit 16,5 km/h vor. Damit der Schädel einen solchen Crash unbeschadet übersteht, muss der Helm mit einer relativ dicken Styroporschicht gepolstert werden. Die ist letztlich verantwortlich für das häufig klobige Design.

Es gibt jedoch einige Hersteller, die bewusst auf das Einhalten der Fahrradhelm-Norm verzichten, um ein schlankere Form hinzubekommen. Dazu gehört die Schweizer Firma Ribcap. Sie stellt keine Helme her, sondern Mützen mit integrierten Schockabsorbern. Der Vorteil: Die Schutzhauben sind leicht, man kann sie sogar zusammenfalten. Und auch wenn sie nicht die gleiche Schutzwirkung bieten wie ein Norm-Helm, so können sie bei vielen Stürzen schwere Verletzungen verhindern. Einziger Nachteil: Im Hochsommer wird es warm unter einem Ripcap.

Auch die deutsche Firma helt-pro weicht bewusst von der EN-Norm ab, um eine schlanke Bauform zu erreichen. Die Modelle bestehen aus einer Hartschale, die mit Stoffüberzügen kombiniert wird - ähnlich wie bei Yakkay.

Airbag für Radfahrer

Rechtlich ist das Tragen eines solchen Helms, der die EN-Norm nicht erfüllt, übrigens kein Problem. "Grundsätzlich kann ich mir aufsetzen, was ich will: Mütze, Stahlhelm oder gar keine Kopfbedeckung", sagt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Allerdings empfiehlt er zumindest Rennradfahrern, einen Norm-Helm zu tragen, weil Gerichte im Falle eines Unfalls unter Umständen ein Mitverschulden an erlittenen Kopfverletzungen sehen könnten.

Wer partout keinen Helm aufsetzen möchte, aber seinen Schädel schützen will, kann zu Hövding greifen. Das ist ein quasi unsichtbarer Helm aus Schweden, den man sich wie einen Schal um den Hals legt. In dem Stoffkragen sind Sensoren und ein Airbag versteckt. Sobald die Sensoren einen Sturz registrieren, öffnet sich der Airbag und umschließt den Kopf - das Gesicht bleibt dabei frei. Wie das funktioniert, zeigt das Video oben. Der unsichtbare Schutz kostet allerdings 400 Euro - deutlich mehr als die 50 bis 100 Euro, die man für einen normalen Helm bezahlen muss.

Eine Helmpflicht für Radfahrer gibt es in Deutschland nicht - und das wird sich in den kommenden Jahren wohl auch nicht ändern. Anders ist das bei Elektrofahrrädern, deren Motor bis 45 km/h beschleunigt. Bei diesen sogenannten schnellen Pedelecs unterstützt der Motor den Fahrer, solange er in die Pedale tritt.

Für normale Pedelecs - fast alle verkauften E-Bikes fallen in diese Kategorie - gilt hingegen wie bei Fahrrädern keine Helmpflicht. Bei Pedelecs darf der Motor allerdings auch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h helfen.

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insgesamt 165 Beiträge
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1. Hört endlich mit dem Fahrradhelmquatsch auf!
3-plus-1 30.04.2013
Ich trage einen richtig teuren Schuberth-Helm ... auf dem Motorrad, dass an die 200 km/h fährt! Wer auf dem Rad Downhill fährt, wird ebenfalls Schutzkleidung anlegen. Keine Frage. Wobei hier der Helm unwichtiger ist als die ganzen Protektoren. Aber bei beiden Dingen werden GANZ ANDERE Geschwindigkeiten gefahren als beim üblichen Radbummeln, dass SELTENST die Geschwindigkeit eines 100-Meter-Läufers übersteigt ... und so weit, dass wir unter dem Druck der Versicherungen auch Fußgängern einen Helmzwang verpassen wollen, sind wir hoffentlich noch nicht, oder? Wie so oft bei Medienpropaganda, ist hier schon längst die Risikoabschätzung völlig aus dem Ruder gelaufen. Wenn ich die ganzen Radhelmträger in Altagsklamotten sehe, die keine 15 km/h fahren und auch keine Handschuhe tragen, weiß ich, die wurden nur bange gemacht. Wo man sich im seltenen (!!!) Falle eines Sturzes dann wirklich verletzt, haben die in der Jugendzeit mal gewusst, aber längst vergessen. Links? Hab ich, hier wäre mal einer: Der Radhelm (http://www.wort-und-satz.de/radhelm.htm) Also alle Macht gegen dieses Behütungsdenken (vor allem für andere). Wenn erst mal auf dem Rad Helm, Schutzkleidung, Erste-Hilfe-Koffer, Kennzeichen, TÜV-Abnahme und vielleicht sogar OBU Pflicht sind, haben die radhassenden Nur-Auto-Fahrer die gesunde und parkplatzsparende Fortbewegungsalternative mit dem Rad restlos kaputt gemacht. Das dürfen wir nicht zulassen!
2. Schlecht recherchierter Beitrag
gelbzahn 30.04.2013
Fahrradhelme werden hauptsächlich nicht getragen, weil sie dem geordneten Sitz der Haare nachträglich schaden und nicht weil sie wenig zieren.
3.
carlomundo 30.04.2013
Dieser Fahrradhelm wurde doch schon vor einiger Zeit im Spiegel vorgestellt. Was soll diese Werbung bitte? Ich hoffe, das die neue Führung solche Auswüchse endliche unterbindet. Manchmal kommt man sich hier vor, wie bei diesen Dauerwerbesendungen.
4. Das Video beweist das der Helm nicht funktioniert.
maximillian64 30.04.2013
Komisch das niemand sieht, das beim Aufprall auf die Laterne oder den Baum der Helm erst hinter dem Hinterniss aufgeblasen ist. Würde in der Flugbahn der Baum oder die gusseiserne Laterne liegen wäre der Aufprall ungeschützt. Gute Idee aber noch nicht ausgereift.
5. Heinzelmann
derbochumerjunge 30.04.2013
Sieht aus wie die Trockenhaube, die bei Loriot eine Komponente des Saugblasers Heinzelmann ist.
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