Transit am Flughafen Frankfurt Hotel im Niemandsland

Das My Cloud ist kein Hotel wie jedes andere: Mitarbeiter werden streng kontrolliert, in den Zimmern gibt es keine Schränke. Das erste deutsche Transithotel am Frankfurter Flughafen beherbergt Reisende ohne Visum.

DPA

Reservierungen für bestimmte Zimmer sind nicht möglich, Mitarbeiter müssen die höchste Sicherheitsstufe erfüllen, in den Zimmern gibt es keine Schränke - das My Cloud im Terminal 1 am Frankfurter Flughafen ist kein normales Hotel. Reisende ohne Visum können hier unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen im Transitbereich übernachten.

Interessant sind solche Transithotels für diejenigen, die nicht nach Deutschland einreisen dürfen oder wollen und nur auf ihren Weiterflug warten. An großen internationalen Flughäfen wie London Heathrow oder Singapur gehört so ein Angebot schon länger zum Standard, in Deutschland erst seit einem Jahr.

13.000 Gäste in einem Jahr

Am 6. März 2017 wurde das My Cloud in Frankfurt eröffnet. Seitdem seien rund 13.000 Gäste in den 59 Zimmern beherbergt worden, sagt Hotel-Chefin Michelle Richmond-Kreuz. Das sind im Schnitt 36 Gäste pro Tag, in der Anlaufzeit waren es noch deutlich weniger. Rund ein Drittel der Aufenthalte haben die Fluggesellschaften für ihre Kunden - etwa bei Verspätungen und verpassten Anschlussflügen - gezahlt, die übrigen Buchungen stammen von Reisenden selbst. Die größten Kundengruppen sind US-Amerikaner und Chinesen.

Die Preise für den Aufenthalt in den rund zehn Quadratmeter großen Zimmern werden stundenweise abgerechnet. Ein Aufenthalt kostet zwischen 79 Euro für drei Stunden im Einzelzimmer ohne Fenster und 295 Euro für 15 Stunden im Doppelzimmer mit Fenster. Neben allem Notwendigen für einen Kurzaufenthalt gibt es in den teureren Räumen auch einen Ausblick auf das Rollfeld. "Die meisten Gäste wollen aber ohnehin nur schlafen und dann noch duschen", sagt Richmond-Kreuz.

"Sauber und gecheckt"

Die 30-jährige Südafrikanerin sieht in dem Transithotel einen entscheidenden Vorteil für den Passagier: Er muss nicht für eine Übernachtung nach Deutschland und damit in den Schengen-Raum einreisen, sondern bleibt bis zur Weiterreise "sauber und gecheckt" im internationalen Niemandsland. Auch um das aufgegebene Gepäck muss er sich nicht kümmern, im Transithotel ist ohnehin nur Handgepäck erlaubt.

Ein Hotel im Sicherheitsbereich schien auch wegen des scharfen Frankfurter Nachtflugverbots sinnvoll, das immer wieder dazu führt, dass internationale Umsteiger im Flughafen stranden und ohne Schengen-Visum nicht in den üblichen Hotels am Flughafen untergebracht werden können.

Bis zur Eröffnung und auch beim Betrieb des My Cloud waren zahlreiche bürokratische Hürden zu nehmen - und nicht nur deutsche. Den eigentlichen Bauarbeiten in der früheren Tower-Lounge der Lufthansa seien umfangreiche Abstimmungen mit den Behörden vorausgegangen, sagt Fraport-Immobilien-Manager Patrick Schäfer. Da viele Frankfurter Gäste in die USA weiterreisen, hat auch der dortige Heimatschutz ein wichtiges Wort mitzureden. Unter anderem verlangen die US-Amerikaner von den eigentlich schon "sauberen" Transitgästen einen erneuten Dokumenten-Check, bevor sie in ein Flugzeug in die Vereinigten Staaten einsteigen dürfen.

Scharfe Sicherheitsvorschriften

In dem vom Baukonzern Hering betriebenen Hotel herrschen scharfe Sicherheitsvorschriften. Die 17 Angestellten und auch die Reinigungskräfte eines Dienstleisters müssen die höchste Sicherheitsstufe am Flughafen erfüllen, jede Warenlieferung muss durch den Zoll. Um Schmuggel zu verhindern, gibt es in den Zimmern nur offene Ablageflächen, aber keine Schränke und sonstige mögliche Verstecke. Auch Reservierungswünsche für bestimmte Zimmer werden nicht entgegengenommen, vielmehr werden die Räume vom Computer zufällig vergeben, sagt Richmond-Kreuz.

Allzu große Bewegungsfreiheit haben die Umsteiger ohne Visum in Frankfurt nicht: Den hermetisch abgeriegelten "Non-Schengen-Bereich" dürfen sie nicht verlassen, können sich dort aber immerhin in rund hundert Shops und Gastrobetrieben versorgen. Im Hotel selbst gibt es nur Getränke und Snacks aus dem Automaten. Noch kleiner wird das Bewegungsfeld in der Nacht: Dann dürfen sich die Reisenden nur noch in einem kleinen Bereich des Terminalbereichs B oder eben im My Cloud aufhalten.

Christian Ebner, dpa/bbr

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