Gefängnishotels in Deutschland Voll vergittert

Wer will schon in einer Zelle landen? Die Gäste umgebauter Gefängnisse! In einigen deutschen Städten wurden die geschichtsträchtigen Gebäude liebevoll renoviert - Sträflingskleidung wird hier freiwillig getragen.

TMN/ Roland Abé

Dick sind die Wände, die Fenster klein und noch dazu vergittert. Die Fronfeste ist ein Teil der historischen Amberger Stadtmauer - die Stadt in der Oberpfalz galt einst als "festeste Fürstenstadt", weil sie komplett von eben jener Mauer umgeben war, die insgesamt hundert Türme hatte. Noch heute sind große Teile der Stadtmauer erhalten - und aus dem früheren Gefängnis ist ein schickes Hotel geworden.

Bis dahin war es ein langer Weg, wie Geschäftsführer Gerald Stelzer erzählt. "Früher wurden hier die Verbrecher in Gewahrsam genommen, auch gefoltert wurde in der Fronfeste." Eine Dunkelzelle ist noch erhalten, auch als Erinnerung daran, wie es früher hier war: kein Licht, kein Fenster, alle drei Tage nur Wasser und Brot. Das sah die Verschärfung von Arreststrafen laut Strafgesetzbuch für das Königreich Bayern vor, verfasst im Jahr 1861.

In den anderen Zellen auf dem langen Gang kann man heute die schweren Holztüren auf- und zusperren - mit dem eigenen Schlüssel. Zehn Quadratmeter ist eine Einzelzelle groß, schick eingerichtet und mit einem gläsernen Bad versehen. Zelle 12 allerdings ist nichts für schwache Nerven - hier sind das Waschbecken und die Toilette aus Stahl, und die Dusche wird durch einen Vorhang abgetrennt, auf dem es scheint, die Zahl der abgesessenen Tage sei mit Blut aufgemalt.

Knastessen mit saurer Gurke

Bedrückend allerdings ist es in allen Zellen auf diesem Gang, vor allem, wenn draußen die Sonne scheint. Zwar sind die Decken recht hoch, aber die kleinen Fensterchen auch. "Für Menschen mit Platzangst ist das nichts", sagt Stelzer.

Für die gibt es allerdings noch die Zimmer im ersten Stock - die sind nicht nur größer, sondern haben auch richtige Fenster. Dort gibt es Suiten und Themenzimmer, die mit entsprechendem Mobiliar ausgestattet sind, darunter die Zimmer "Arzt" und "Kapelle". Die Direktoren-Suite ist die größte Räumlichkeit im Gebäude: zwei Zimmer, 33 Quadratmeter. "Hier lebte früher der Gefängnisdirektor mit der ganzen Familie", erzählt Stelzer. Einmal am Tag drehte er eine Runde durch den Knast und sah den Gefangenen zu, wenn sie im Innenhof eine Stunde im Kreis gehen mussten.

Die Amberger Fronfeste ist nicht das einzige Hotel, das hinter den Mauern eines früheren Knasts untergebracht ist. Im thüringischen Meiningen gibt es sogar ein Hotel gleichen Namens, die Fronveste. Das Gefängnis wurde im Jahr 1845 gebaut, aber schon ein paar Jahre später reichte die Kapazität nicht mehr. Ein Anbau aus Backstein kam hinzu, der Knast wurde dann auch als Amtsgerichts- und Landgerichtsgefängnis genutzt. Bis 1963 war er in Betrieb, zuletzt als Kommandantur und Untersuchungsgefängnis der Russen in Meiningen.

Vor rund einem Jahrzehnt begann der Umbau zu einem Hotel. Die Wände von Zellen wurden durchbrochen, damit größere Räume entstehen. Es gibt 39 Zimmer, alle modern eingerichtet. In der Fronveste finden zahlreiche Veranstaltungen statt - zum Beispiel ein Knastessen mit Sträflingsanzügen, bei dem die Gäste ihr Menü mit sauren Gurken, Wasser und Brot beginnen.

Honeckers Seehotel

Im Osten Berlins liegt Das andere Haus VIII - heute ein Hotel mit fünf minimalistisch eingerichteten Zimmern. Vor fast 140 Jahren wurde der Bau als "Arresthaus für männliche Corrigenden" errichtet, zu DDR-Zeiten war es die Krankenstation des Gefängnisses Rummelsburg.

Seehotel nannte man das Haus einst spöttisch, denn der gesamte Komplex liegt an der Rummelsburger Bucht mit Blick auf die Halbinsel Stralau. Zu den letzten kurzfristigen Insassen des Gefängnisses gehörten die SED-Größen Erich Honecker und Erich Mielke. Zwischen 2005 und 2007 wurde das Haus renoviert, seither werden fünf frühere Zellen vermietet - allerdings ohne Gitter vor den Fenstern.

Auch im niedersächsischen Petershagen können Besucher im alten Gefängnis schlafen. "Vier Zweierzellen und eine Sechserzelle warten auf müde Touristen", sagt Annette Schumann, Vorsitzende des Vereins Rast im Knast, der das Hotel betreibt. Das Gebäude ist mehr als 100 Jahre alt, bis 1978 saßen hier noch Verbrecher ein. "Aber nur kleine Jungs, keine schweren." Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, die Zellentüren sind noch original, und die Einrichtung ist fast so wie früher. Frühstück bekommen die "Insassen" in der Gaststätte "Zur freien Zelle", die sich im Gebäude des Alten Amtsgerichtes befindet.

In Sträflingskleidung zu Bett

In Hillesheim in der Vulkaneifel gibt es noch schwere, eisenbeschlagene Türen und wuchtige Mauern: Dort ist das Knasthotel im früheren "Königlich Preußischen Amtsgericht zu Trier in Hillesheim" untergebracht, das im Jahr 1860 erbaut und 107 Jahre später zumHotel Zum Amtsrichter wurde.

In Kaiserslautern hat ein Hotel eine Anleihe am Namen eines der berühmtesten Gefängnisse der Welt genommen: Das Hotel Alcatraz ist in der einst maroden Justizvollzugsanstalt neben dem Japanischen Garten entstanden. 57 Zimmer gibt es in dem Hotel, darunter 36 Zellen mit schweren Eisentüren, Gittern vor den Fenstern und Waschbecken und Toilette im Zelleneck - ohne Abtrennung.

Es geht auch gemütlicher, 20 Räume sind als Komfortzimmer oder Suiten eingerichtet. Man kann sich sogar mit einem ausrangierten Gefangenenbus vom Flughafen oder Bahnhof abholen lassen und bekommt echte Sträflingskleidung. Die Geschäftsführer des Hotels sind übrigens zwei Rechtsanwälte.

Verena Wolff, dpa/abl

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