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Geocaching: GPS-Schnitzeljagd verärgert Umweltschützer

Schatzsuche in Höhlen und an Kletterfelsen: Anhänger der GPS-Schnitzeljagd Geocaching sind ständig auf der Suche nach möglichst abgelegenen Orten - manchmal auch dort, wo gefährdete Tiere bislang ungestört waren.

Geocaching: Schatzsuche mit GPS-Gerät Fotos
DPA

Tübingen - Eine Schnitzeljagd im Wald ist eine spannende Sache. Aber seit dieses Spiel nun Geocaching heißt, technisch aufgemotzt wurde und Zehntausende von Menschen in seinen Bann zieht, sind Umweltschützer alles andere als begeistert. Immer häufiger zerstören schwarze Schafe unter den Geocachern Fledermausquartiere oder lassen achtlos ihren Müll in bislang von Menschen unberührten Höhlen liegen. Auch die Höhlenrettung beobachtet, dass Geocacher auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinschub immer waghalsigere Verstecke suchen.

Rund 25.000 Menschen machen sich inzwischen mit einem Satellitennavigationsgerät (GPS) auf die Suche nach Verstecken, schätzt Andreas Kramer, der als einer von 20 Experten in Deutschland die Cache-Koordinaten im Internet kontrolliert. Wer ein Versteck (englisch "cache") gefunden hat, findet dort eine Kleinigkeit, trägt sich in ein Logbuch ein und lässt selbst etwas für den nächsten Finder zurück. 100.000 solcher Verstecke soll es inzwischen bundesweit geben - und täglich werden es mehr.

Vor allem aber werden die Verstecke extremer. Immer häufiger muss man sich abseilen, schwimmen oder schwierige Kletterpassagen überwinden, um ans Ziel zu gelangen. Und immer öfter liegen gerade Verstecke der höchsten Schwierigkeitskategorie fünf an Orten, an denen die Natur sich selbst überlassen war, bis die Geocacher kamen.

Besonders die unterirdischen Caches üben bei den GPS-Schnitzeljagden großen Reiz aus. Alte Bunker, Bergwerksschächte oder Naturhöhlen sind beliebte Verstecke. Viele werden mehrmals wöchentlich aufgesucht.

Belastung für die Natur

Rund 1400 dieser "T5er" - also Verstecke, die aufgrund der Geländegegebenheiten extrem schwierig zu erreichen sind - soll es inzwischen in Deutschland geben, sagt der erfahrene Geocacher Erik Zenkner.

Allmählich werde das zu einer deutlichen Belastung für die Natur, sagen Kritiker. "Es ist erwiesen, dass sich die Fledermausquartiere durch Geocaching verändern", sagt Dieter Hoffmann vom baden-württembergischen Verband der Höhlen- und Karstforscher. "Leider werden viele Höhlen, in denen Fledermäuse hängen, auch während der Schutzzeiten im Winter aufgesucht." Er kenne sogar Beispiele, wo Fledermausquartiere von Geocachern verstopft wurden, indem dort Verstecke deponiert wurden.

Auch Sicherheitsexperten sehen die "T5er" mit wachsender Sorge. "Gerade die sogenannten Extrem- oder Hardcore-Cacher gehen erhebliche Risiken ein, wenn sie mit unzureichender Ausrüstung und wenig Erfahrung in alte Schächte und brüchige Stollen einsteigen", sagt Ingo Bauer, Leiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg. Damit brächten die Geocacher im Ernstfall auch die Rettungsmannschaft in Gefahr.

Cache rein, Müll raus

Bei den Geocachern, die sich vor allem in Internet organisieren, rückt deshalb der Naturschutz im Moment stärker in den Fokus. Unter dem Kürzel CITO für "cache in, trash out" (Versteck legen, Müll mitnehmen) rufen immer mehr Cacher zu umweltbewusstem Verhalten auf.

In der Gutenberger Schauhöhle bei Lenningen (Kreis Esslingen) haben Geocacher und Naturschützer kürzlich demonstrativ gemeinsam aufgeräumt. "Wir möchten den Geocachern auf diese Weise die Empfindlichkeit von unterirdischen Ökosystemen nahebringen", sagt Höhlenrettungs-Chef Bauer. Die große Mehrheit der Geocacher gehe auch verantwortungsbewusst mit der Natur um, meint er.

Die Deutsche Wanderjugend sieht derzeit noch kein Umweltproblem durch die modernen Schnitzeljagden. Der Verband nutzt Geocaching sogar für naturpädagogische Ziele. Durch die GPS-Geräte ließen sich technikbegeisterte Kinder und Jugendliche viel leichter zu einer Wanderung in der Natur motivieren, heißt es dort.

Alexander Maier, dpa

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