Golf in Mecklenburg-Vorpommern Ein Platz, um sie alle zu knechten

Gnadenlose Mondlandschaften, furchteinflößende Abschläge: Eine Runde auf dem Golfplatz Winston Links in Mecklenburg-Vorpommern kann schnell zum Desaster werden. Die Anlage ist einer der härtesten Kurse Deutschlands - und einer der schönsten.

Von Denis Krick

Stefan von Stengel

Schon die kurze Fahrt zum schicken Clubhaus von Winston Golf hat etwas Unwirkliches. Der Weg führt vorbei an meterhohen Sandbergen und gibt vereinzelt den Blick frei auf eine grüne Mondlandschaft, die sich dahinter verbirgt. Ein Golfplatz soll das sein. Einer der besten in ganz Deutschland, sagen die einen. Eine Zumutung, sagen die anderen. Winston Links heißt der Kurs, der nicht nur polarisiert, sondern auch jede Menge Neugierige in das Dörfchen Vorbeck nach Mecklenburg-Vorpommern lockt.

Vor fast einem Jahr wurde der Winston Links feierlich eröffnet. Es regnete, der Wind kannte kein Erbarmen und vier Dudelsäcke spielten auf. Passender ging es eigentlich nicht, schließlich soll der 18-Loch-Platz eine Reminiszenz an die Anfänge des Golfsports auf den britischen Inseln und die großen Linksplätze Schottlands sein. "Das Dach vom Clubhaus war noch nicht fertig", sagt Jenny Elshout, Geschäftsführerin von Winston Golf. "Während der Party regnete es die ganze Zeit durch."

Echte Linksplätze sind in Deutschland rar gesät. Windanfällig sollen diese per Definition sein, auf Sandboden gebaut, nur spärlich bewachsen, einen natürlichen Charakter müssen sie haben und direkt an der Küste liegen. Nicht alle dieser Kriterien erfüllt Winston Links: Die Ostsee ist zwar nur eine knappe Stunde mit dem Auto entfernt, aber als Küstennähe geht das nun wirklich nicht durch. Und auch mit dem natürlichen Charakter haben so manche ihre Schwierigkeiten.

Fracksausen am ersten Abschlag

Bis zu zehn Meter hohe Sandberge begrenzen die Bahnen. Architekt David Krause durfte sich hier austoben und bewegte mit schwerem Gerät rund eine Million Kubikmeter Erde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, hat aber mit einem schottischen Linkskurs nur wenig gemein. Die Landschaft wirkt künstlich, aber faszinierend zugleich. Phantasiegestalten wie Hobbits, Orks und Zauberer samt Balrog würden sich in ihr bestimmt wohlfühlen. Und wer zum ersten Mal am Abschlag von Bahn 1 steht, der hört im Gedanken das leicht abgewandelte "Herr der Ringe"-Zitat: "Ein Platz, um sie alle zu knechten." Denn der erste Blick vom Tee ist furchteinflößend.

Das extrem hügelige Fairway macht die Suche nach einer geeigneten Landezone für den Drive zu einem Glückspiel. Dazu kommen noch ein paar gemeine Bunker, die für Fracksausen sorgen, und ständige Höhenunterschiede. Spieler sollten sich jedoch schnell an diesen Anblick gewöhnen, denn so geht es weiter bis zum letzten Loch.

Der Winston Links ist für geübte Golfer eine Herausforderung - und für Anfänger völlig ungeeignet. Sie werden erst gar nicht auf den Platz gelassen. Nur wer ein Handicap von -28 oder besser vorweisen kann, darf sich an dem schwierigen Kurs versuchen. Für diese Spieler hat Course Manager Andy Matzner einen guten Tipp: "Den Driver am Abschlag stecken lassen!"

Warten auf Bernhard Langer

Glücklicherweise ist der Winston Links nicht der einzige Platz der Anlage. Mit dem Winston Kranich und dem Winston Open stehen noch ein 9-Loch- und ein 18-Loch-Kurs zur Verfügung. Und gerade der Open ist das perfekte Gegenstück zum Links.

Der klassische Parkland-Course fügt sich nahtlos in die wunderschöne Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns ein. Die Bahnen führen durch Wälder, Wiesen und an Seen vorbei. Zwar pfeift der Wind einem an manchen Löchern auch hier zügig um die Ohren, doch so schwierig und unberechenbar wie auf dem Links gestaltet sich das Spiel hier nicht.

Bei Winston Golf ist man sichtlich stolz auf die Plätze. Zu Recht. Der Links wurde vom "Golf Magazin" in 2011 noch vor der offiziellen Eröffnung zum besten neuen Platz Deutschlands gekürt. "Die Bahnen waren zu dem Zeitpunkt schon voll bespielbar, und auch Turniere wurden hier veranstaltet", erklärt Elshout das merkwürdige Timing. "Die Jury konnte sich also vorab ein Bild machen."

Dem Open wird Anfang September eine große Ehre zu teil. Die European Senior Tour, die Ü50 des europäischen Profigolfs, macht dann Halt in Mecklenburg-Vorpommern und veranstaltet hier ein großes Turnier - die Pon Senior Open. Welche bekannten Namen dann an den Start gehen, ist noch nicht bekannt. Gerüchten zufolge bemühen sich die Veranstalter jedoch um die deutsche Golf-Legende Bernhard Langer.

Nachhaltigkeit statt chemischer Keule

Eine Platzrunde ist bei Winston Golf kein günstiges Vergnügen. Die Greenfee liegt bei 75 Euro für den Open, für den Links werden gar 120 Euro verlangt. Solvente Gäste von außerhalb sind die Zielgruppe. Die Anlage ist ganz auf die Greenfee-Spieler ausgerichtet, der Club selber hat nur knapp 500 Mitglieder - und von denen kommt ein großer Teil nicht einmal aus der näheren Umgebung.

Der Preispolitik ist es wohl zu verdanken, dass die Plätze nicht überlaufen sind. Es herrscht angenehme Ruhe bei Winston Golf. Den Druck, auf Teufel komm raus Gewinn zu erwirtschaften, spüren die Verantwortlichen nicht. Die Anlage gehört dem niederländischen Milliardär Wijnand Pon und dessen Familie und ist eine Herzensangelegenheit. "Das heißt allerdings nicht, dass wir hier keine Budgetplanung einhalten müssen", sagt Elshout.

Trotzdem wird bei Winston Golf an fast nichts gespart. Davon profitieren insbesondere die Plätze. Course Manager Matzner darf hier eine Greenkeeping-Philosophie anwenden, die auf deutschen Golfplätzen noch immer eine Seltenheit ist: Nachhaltigkeit. "Statt auf chemische Keulen und Kunstdünger setzen wir auf natürliche Stoffe und neue Belüftungsechniken", sagt der 33-Jährige. Zum Beispiel schwört Matzner auf Extrakte aus Algen, um den Rasen zum Wachsen zu bringen.

Milliardär Pon ist mit seinem Platz wohl ziemlich zufrieden. Regelmäßig kommt der Single-Handicapper für eine Runde Golf nach Vorbeck. Ganz privat und für Mitglieder und Angestellte immer für einen Schnack zu haben. Ob auch ihn der Links schon zur Verzweiflung gebracht hat, ist nicht bekannt.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
MrStoneStupid 14.06.2012
1. Entwicklung eines Golfroboters gewünscht, ...
... der selbstverständlich den Ball korrekt wie ein Mensch mit einem handelsüblichen Golfschläger schlagen muss aber sonst sind alle Hilfen erlaubt (GPS, hochauflösende 3D-Karte, etc.), solange das Teil den Rasen nicht kaputt macht. (imho)
distel60 14.06.2012
2.
"Die Anlage ist einer der härtesten Kurse Deutschlands - und einer der schönsten." Ersteres glaube ich aufs Wort, wie man jedoch auf Letzteres kommen kann ist mir schleierhaft. Der Platz sieht aus wie Verdun.
Ferienhaus ImBirkenweg 14.06.2012
3. ob hier Zauberrei im Spiel ist
"Das Gebäude ist modern eingerichtet. Sogar die Eingangstür öffnet sich automatisch wie von Geisterhand." Der Satz ist echt klasse. Da bin ich schon mächtig beeindruckt.
Vanagas 14.06.2012
4. Make Fußballplätze . . .
Zitat von sysopStefan von StengelGnadenlose Mondlandschaften, furchteinflößende Abschläge: Eine Runde auf dem Golfplatz Winston Links in Mecklenburg-Vorpommern kann schnell zum Desaster werden. Die Anlage ist einer der härtesten Kurse Deutschlands - und einer der schönsten. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,838625,00.html
. . . not Golfplätze !
Tom_Taler 14.06.2012
5.
Bei mir in der Stadt hat vor einiger Zeit ein Laden mit Golfequipment geschlossen. In den leerstehenden Laden zieht nun ein KIK ein. Wegweisend würde ich sagen...
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