Grenzorte Teilrepublik Deutschland

Die Berliner Mauer ist längst gefallen, doch Deutschlands Grenzen teilen immer noch manche Städte entzwei. Mancherorts gehen sie sogar mitten durch ein Haus. SPIEGEL ONLINE stellt zehn getrennte Orte vor.

Von Martin Cyris

Gemeinde Kleinblittersdorf

Rheinfelden (Baden-Württemberg) und Rheinfelden (Schweiz)

Am Hochrhein - zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg - beschert der sagenumwobene Rhein idyllische Postkartenmotive en masse. Sagenhaft schmeckt auch ein cremiger Schweizer Schümlikaffee, wenn an einem lauen Herbsttag die Sonne die Altstadt Rheinfeldens in warmes Licht taucht, die Boote auf dem Strom vorüberziehen und am Ufer Laissez-faire-Feeling Einzug hält. Etwa auf der Terrasse des Restaurants Schiff auf der Schweizer Seite von Rheinfelden.

Blickt man über den Rhein auf die andere Uferseite, blickt man auf einen Ort, der ebenfalls Rheinfelden heißt, aber zu Deutschland gehört. Das Gebiet, auf dem heute die deutsche Gemeinde wohnt, war vor fast 200 Jahren noch nahezu unbebaut. Erst als der Rhein Anfang des Jahrhunderts als Grenze zwischen Baden und der Schweiz festgelegt wurde, kam Bewegung ins rechtsrheinische und damit deutsche Rheinfelden.

Davor bestand es lange Zeit nur aus einem bescheidenen Zollhäuschen. Es gehörte zum historischen, zum schweizerischen Rheinfelden, das die älteste Stadt des Kantons Aargau ist. Sehenswert ist ihre halbkreisförmige, relativ unversehrte Altstadt. Ein Teil der Wehrmauer ist erhalten, ebenso uralte Türme. Populär wie eh und je sind Schifffahrtstouren auf dem Rhein. Etwa nach Basel.

Obwohl das deutsche Rheinfelden deutlich jünger ist, zählt es heute fast dreimal so viele Einwohner wie das schweizerische. Es ist Zwischenetappe auf dem über 1300 Kilometer langen Rhein-Radweg, der bis zur Nordsee führt. Und besitzt damit auch überregionale touristische Bedeutung.

Ob linksrheinisch oder rechtsrheinisch, deutsch oder schweizerisch: Beide Rheinfeldens kooperieren eifrig. Sei es kommunalpolitisch, bei Rhein-Schwimmwettbewerben, einem Gitarrenfestival oder bei der alljährlichen Silvesterfeier. Die wird auf deutscher Seite gerne direkt an der Rheinbrücke begangen, die beide Städte miteinander verbindet. Hier steht das Ristorante "I Fratelli". Zu Deutsch: die Brüder.

Internet: www.rheinfelden.de, www.rheinfelden.ch

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
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dunkeldraußen 30.09.2010
1. Zwillbrock? Suderwick?
Was ist mit Guben (20000 Einwohner)? Oder Görlitz (56000 Einwohner)? Ich hätte gern mal was über diese Städte gelesen. Ein kurzer Flug über die Wikipedia-Artikel sagt mir, dass diese Städte sicher etwas mehr Geschichte, Kultur und Tourismus zu bieten gehabt hätten. Oder Harrislee/Fröslee als kleine Ergänzung zu Bollendorf? Aber immerhin vielen Dank für die Konzession an Frankfurt/Oder.
delta058 30.09.2010
2. Görlitz
Zitat von sysopDie Berliner Mauer ist längst gefallen. Doch Deutschlands Grenzen teilen immer noch manche Städte entzwei - mancherorts gehen sie sogar mitten durch ein Haus. SPIEGEL ONLINE stellt zehn getrennte Orte vor. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,720270,00.html
Und wo bleibt hier Görlitz oder Zittau? An Letztere Grenzen 2 Länder und kommt jetzt nicht mit der Ausrede wegen der Flut. Gerade unter solchen Bedingungen erkennt man nämlich wie sehr es die Menschen wirklich ernst meinen mit der Partnerschaft, wenn es einem gut geht kann man leicht solche Töne spucken.
jocurt1 30.09.2010
3. Sie geht auch nach 20 Jahren durch Berlin
Zitat von sysopDie Berliner Mauer ist längst gefallen. Doch Deutschlands Grenzen teilen immer noch manche Städte entzwei - mancherorts gehen sie sogar mitten durch ein Haus. SPIEGEL ONLINE stellt zehn getrennte Orte vor. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,720270,00.html
wie der Flughafenstreit wieder gezeigt hat. Als "die im Osten" sich über den idiotischen Standort Schönefeld beklagt haben, hat es die (West)Berliner Regierung, insbesonders Hr. Wowereit nicht interessiert. Als jetzt klar wurde, dass auch "Gutbürgerliche West-Bezirk" in mehr als 3000 m Höhe überflogen werden, brach ein Proteststurn einiger Zenhlendorfer und Steglitzer durch und der wurde sofort von Senat und Wowereit gehört.Man verpsrach Abhilfe, Kümmern, Lösungen. Und das nach 20 Jahren in Berlin. Es ist zum Kotzen, wir im Osten sind längst mit der Einheit durch. Im Westen hat sie noch nicht mal begonnen. 2 Bürgergruppen, 2 Interessenlagen, 2 Reaktionen der Regierung, die nicht unterschiedlicher sein konnten. Die Mauer steht noch. Ein launiger Satz eines Westberliners auf einem gemeinsamen Forum hieß O-Ton dazu : " Jetzt sollen die aus er DDR mal ruhig sein, jetzt sind wir mal dran". Woher bloß diese (Vor)urteile kommen.
flusser, 30.09.2010
4. Lektoren
Daß der Spiegel sich keine Lektoren mehr leisten kann um die Qualität der Rechtschreibung zu erhalten ist klar. Ein Rechtschreibprogramm sollte aber schon noch drin sein oder? Vermutlich können Spiegelautoren mangels Ausbildung ein solches nicht mehr bedienen, sonst würden Worte wie "Luxenburg" in Ihren Texten nicht auftauchen.
1895olé 30.09.2010
5. Grenze?
Zumindest zwischen dem Niederrhein, dem Westmünsterland, Limburg und dem Gelderland sind doch die Grenzen seit mehr als 20 Jahren nur noch virtueller Natur. Wenn ich als Kind mit Freunden aus dem Kreis Kleve auf den Äckern Feldmäuse jagen war, hatte ich mich Anfangs noch gewundert, warum die Kinder vom Nachbarhof so einen komischen Dialekt sprechen. Bis mir dann 'mal jemand sagte, dass da schon "Holland" sei. Düsseldorfer und Duisburger fahren seit Ewigkeiten, wenn sie "was zu rauchen" oder Kaffee brauchen, nach Venlo oder Roermond. Auf den deutschen Weihnachtsmärkten ist niederländisch die meistgesprochene Sprache. Der Arbeitsmarkt ist auch nicht mehr so wirklich geteilt. Wo war noch 'mal diese ominöse Grenze?
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