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Altes Land bei Hamburg: Ein Herz für Äpfel

Altes Land bei Hamburg: Äpfel, Pflaumen, Obstbauern Fotos
TMN

Apfelbäume, so weit das Auge reicht. Das Alte Land vor Hamburg ist Europas größtes geschlossenes Obstanbaugebiet. Wo die Bauern arbeiten, radeln Hanseaten gern durch die idyllische Gartenkulisse - und durch Himbeeren, Kirschen und Pflaumen.

"Das wird eine gute Ernte!" Zufrieden begutachtet Apfelbauer Volker Schönn die prallvollen Bäume auf seiner Plantage in Steinkirchen im Alten Land. Rubens heißt seine Spezialsorte, ein saftiger und süßer Apfel, der aus einer Kreuzung von Gala und Elstar entstanden ist. "Wer den einmal gegessen hat, will keinen anderen mehr", sagt Schönn.

Allerdings sei der Rubens im Anbau nicht ganz einfach. Häufiger als bei anderen Sorten muss der Obstbauer die Bäume schneiden und auf eine gute Baumgesundheit achten.

Schönn ist einer von rund 450 Erzeugern, die in der Region vor den Toren Hamburgs Obst anbauen. Rund 1200 Quadratkilometer groß ist das Gebiet zwischen dem Fluss Schwinge im Westen und der Süderelbe im Osten. Im größten geschlossenen Obstanbaugebiet Europas leben knapp 200.000 Einwohner, die meisten in Stade und Buxtehude. Als heimliche Hauptstadt des Alten Lands gilt Jork, wo auch die meisten Apfelbauern ihre Höfe haben.

Radwege schlängeln sich durch die Apfel- und Pflaumenbäume

Rund 300.000 Tonnen Äpfel ernten sie jedes Jahr, hinzu kommen Birnen, Kirschen, Pflaumen, Himbeeren und Erdbeeren. Mit diesem Angebot lockt das Alte Land immer mehr Besucher an. Zahlreiche Radwege schlängeln sich durch die Baumreihen, Ecken wie die strahlend weiße Hogendiekbrücke in Steinkirchen, die Anfang August erneuert wurde, liefern postkartenreife Motive. Dort fließt die Lühe durch die Obstbaumfelder, bevor sie in die Elbe mündet.

Durchzogen sind die Apfelplantagen von einem ausgeklügelten Be- und Entwässerungssystem, das auf die Zeit vor rund 600 Jahren zurückgeht, als die Holländer das Gebiet trockenlegten. Alle 16 Meter verlaufen Wettern genannte Gräben. "Wasser speichert Wärme, daher ließ man früher die Wettern vor dem Frost volllaufen und sorgte so für höhere Temperaturen in den Plantagen", erläutert Obstbauer Axel Schuback aus Jork. Auch heute noch sorgen die Bauern mit Wasser für den Frostschutz, aber mit speziellen Beregnungsanlagen, die in kalten Frühjahrsnächten einen feinen Eispanzer auf die Blüten zaubern.

Die Kanäle, Seitenarme und Flüsse dienten früher als Transportwege. "Kleinere historische Häfen wie jener in Borstel an der Mühle waren damals die Hauptumschlagplätze für Waren", erläutert Jens Anderson von Elbe-Obst. Die Erzeugerorganisation vermarktet einen Großteil des Obstes und lagert die Äpfel in acht über das Alte Land verteilten sauerstoffarmen Kammern nach der Ernte ein. Dort werden die Äpfel über Monate frisch gehalten und über das ganze Jahr hinweg an den Einzelhandel verschickt.

Rund 15 Prozent gehen ins Ausland. "Unser Red Prince wird bis nach Sibirien verkauft", sagt Anderson. Normalerweise. Denn solange Russland seine Sanktionen und damit das Importverbot von Obst aus der EU aufrechterhält, werden die Äpfel sich nicht auf diesen weiten Weg machen können.

Der Apfel Red Prince wird bis nach Sibirien verkauft

Die Zahl der Sorten geht in die Hunderte, vor allem Elstar und Jonagold stehen ganz oben auf der Liste der meistangebauten Äpfel. "Diese beiden Sorten machen rund zwei Drittel unserer Ernte aus, insgesamt stellen zwölf Hauptsorten etwa 90 Prozent der Menge", erläutert Anderson. Das besondere Markenzeichen der Äpfel aus dem Alten Land ist ihr sattes Rot.

Wann ein Apfel letztendlich reif ist, überlassen die Obstbauern nicht dem Zufall. Neben Erfahrung und Instinkt entscheidet meist ein sogenannter Jod-Stärke-Test darüber, ab wann gepflückt werden kann. Bei dieser Methode wird ein Apfel aufgeschnitten, die Schnittflächen werden mit einer Jod-Lösung besprüht. Die Dunkel-Färbung gibt Aufschluss über den Stärkegehalt und damit den Reifegrad.

Besuchern bietet das Alte Land die Äpfel in nahezu allen erdenklichen Variationen: Apfelschnaps, Marmelade und andere haltbare Apfelerzeugnisse gibt es das ganze Jahr über. Spätestens wenn die Erntezeit beginnt, stehen Apfelkuchen, Apfelaufläufe, deftige Apfelpfannen oder Apfel-Cordon-Bleu auf vielen Speisekarten regionaler Restaurants und Cafés. Daneben werden in den Hofläden Apfelchips, Apfelgummibärchen und frischer Apfelsaft angeboten.

Herzen auf Obst

Wem das noch nicht reicht, der kann beispielsweise bei Axel Schuback eine Baumpatenschaft übernehmen: Gegen einen Festpreis pro Jahr garantiert Schuback den Paten mindestens 20 Kilo Äpfel, die im September und Oktober abgeerntet werden können. Die Idee sei ihm gekommen, weil viele Kunden nach einem eigenen Baum fragten. Inzwischen hängt an über 1500 Apfelbäumen das Schild eines Paten. "Wir haben sogar einen Baumpaten in Australien, der kommt jedes Jahr zum Pflücken nach Jork", erzählt Schuback. Zwischendurch könnten die Paten via Webcam das Wachstum ihres Baums im Internet verfolgen.

Auch Obstbauer Hein Lühs setzt auf die persönliche Apfel-Mensch-Beziehung. Eher zufällig erfand er vor mehr als zehn Jahren den Herzapfel - heute sein Markenzeichen. "Mir fiel irgendwann mal ein Apfel in die Hände, auf dem sich ein Blatt festgeklebt hatte. Als ich es abmachte, war die Form des Blatts wie aufgemalt auf dem Apfel zu sehen."

So kam er auf die Idee, Herzen auf die fast reifen Äpfel zu kleben. Nach der Ernte entfernte er die Schablonen wieder. Die Kunden waren begeistert. Lühs entwickelte die Idee weiter und bringt heute mit speziellen Lasern nahezu jede gewünschte Form oder Schrift auf die Äpfel. "Die ungewöhnlichste Anfrage kam von einem Kunden aus Dortmund: Der wollte den Text '14 schöne Jahre und was nun?' auf einem Apfel verewigt haben." Lühs erfüllte ihm den Wunsch.

Claudius Lüder/dpa/jkö

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1. Dass der Boden
professorA 15.08.2014
Zitat von sysopTMNApfelbäume, so weit das Auge reicht. Das Alte Land vor Hamburg ist Europas größtes geschlossenes Obstanbaugebiet. Wo die Bauern arbeiten, radeln Hanseaten gern durch die idyllische Gartenkulisse - und durch Himbeeren, Kirschen und Pflaumen. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/hamburg-die-apfel-und-obstplantagen-im-alten-land-a-986223.html
zunehmend mit dem nicht abbaubaren Schwermetall Kupfer infolge "Bio-Schädlingsbekämpfung" kontaminiert wird sehen ja die Radler nicht. Aber: was ich nicht weiß (oder wissen will), macht mich nicht heiß.
2. Voll mit Pestiziden, Fungiziden und Chemie
mischpot 15.08.2014
Wenn die Äpfel im Alten Land strahlen dann sind Sie voll mit Pestiziden , Fungiziden und sonstiger Chemie. Die Bauern fahren entweder spätabends oder frühmorgens mit Ihren Chemiekeulen durch die Plantagen und versprühen diese Gifte auf das Obst, damit es von Schädlingen nicht heimgesucht wird. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass selbst geringe Mengen davon sogar eine Genveränderung beim Menschen hervorrufen können. Und was die Radwege betrifft so sind die in einem sehr schlechten Zustand. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/pestizide-im-obst-die-taegliche-ration-gift-1515193.html xxx http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide/pestizide-raus-aus-obst-und-gemuese
3.
parmesanides 15.08.2014
Zitat von mischpotWenn die Äpfel im Alten Land strahlen dann sind Sie voll mit Pestiziden , Fungiziden und sonstiger Chemie. Die Bauern fahren entweder spätabends oder frühmorgens mit Ihren Chemiekeulen durch die Plantagen und versprühen diese Gifte auf das Obst, damit es von Schädlingen nicht heimgesucht wird. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass selbst geringe Mengen davon sogar eine Genveränderung beim Menschen hervorrufen können. Und was die Radwege betrifft so sind die in einem sehr schlechten Zustand. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/pestizide-im-obst-die-taegliche-ration-gift-1515193.html xxx http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide/pestizide-raus-aus-obst-und-gemuese
Pestizide hin oder her.. Ich finde es lobenswert, wenn Menschen auch mal ihre direkte Umgebung erkunden und es nicht immer sofort für ein Wochenende nach Thailand oder Paris gehen muss.. Immerhin hat man hier ein Naherholungsgebiet, dass per S-bahn und Fahrrad zu erreichen ist. Und wenn wir von der Umweltbelastung sprechen, ist das auf jeden Fall sofort mit jedem Flug oder sonstiger Anreise aufzurechnen. Ich finde Angebote in der unmittelbaren Umgebung (http://www.sonnengut.de/angebote/day-spa-special/) sollten viel mehr Aufmerksamkeit erfahren, damit mehr Menschen verstehen, dass es kein Rückschritt ist, nicht in die Ferne zu fliegen. Vielen dank dafür SpOn. Auch ein mehrtägiger Urlaub in MeckPomm oder dem Harz ist mindestens genauso spannend und erholsam, wie Mallorca oder ähnliches..
4.
TooSmart 15.08.2014
Ganz starker Spruch von parmesanides
5.
pihalbe 15.08.2014
Das Alte Land ist bekannt für seine Apfelbäume und die hervorragenden Früchte. Aus Äpfeln lassen sich ohnehin feine Dinge produzieren - auch ohne Pestizide und Pflanzenschutzmittel. Es gibt mittlerweile Plattformen für solche Genüsse, wie z.B. Apfel im Glas (www.apfel-im-glas.de). Diese Plattform ist recht neu, aber verspricht ein feines Sortiment! Es ist in der Tat schön zu erfahren, daß immer mehr Menschen die eigenen Biotope erhalten: Lebensqualität vor der Haustür.
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