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Deutsche Mittelgebirge: Skispaß vor der Haustür

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Winterberg, Harz und Co. haben enorm aufgerüstet in den letzten Jahren: Wer ein paar schöne Ski- oder Snowboard-Tage erleben will, muss dafür nicht in die Alpen reisen. Wir stellen fünf Reviere vor, die wirklich gute Abfahrten bieten.

Deutsche Mittelgebirge: Fünf unterschätzte Skigebiete Fotos
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In den achtziger Jahren war die Welt noch in Ordnung: Aus dem Rheinland organisierte der Skiclub Wochenendfahrten für uns Kinder ins Sauerland, wann immer es die Schneelage zuließ. In Schmallenberg oder Winterberg verbrachten wir die Tage damit, uns in den Liftschlangen an Scharen von Holländern vorbeizudrängeln und bei den Clubmeisterschaften unsere überschaubaren Fähigkeiten im Slalom unter Beweis zu stellen.

Am nachhaltigsten aber sind mir die Ausflüge in die tiefverschneiten Waldstücke neben den eher flachen Pisten in Erinnerung geblieben. Ruppige, bis zum Wurzelwerk ausgefahrene Rennstrecken zwischen den dichtstehenden Bäumen - Steilkurven und Sprungschanzen inklusive - waren die Schauplätze des wirklich wichtigen Kräftemessens der Clubjugend. Ein Wunder, dass damals niemand zu Schaden kam.

Je älter ich wurde, desto seltener kamen die Touren ins nächste Mittelgebirge zustande. Der Klimawandel sorgte zunehmend für längere Wärmeperioden, in denen statt Schnee Regen fiel oder das vorhandene Weiß in kürzester Zeit dahinschmolz.

Mittlerweile sind fast 20 Jahre seit meiner letzten Jugendfahrt ins Sauerland vergangen. Entgegen aller Erwartungen hat man in Winterberg den düsteren Prognosen nicht nur getrotzt, sondern sie sogar ins Gegenteil verkehrt. Nun surren elf moderne Sessellifte und ebenso viele Schlepper auf den sechs bewaldeten Hügeln rund um den Kahlen Asten.

Möglich machten das vermeintliche Wunder Millioneninvestitionen in den vergangenen zehn Jahren. Einen Teil des Geldes investierten die Verantwortlichen in die Verknüpfung der Pisten und in die Modernisierung von Hütten und Hotels. Vor allem aber leisteten sich die Betreiber eine gigantische Beschneiungsanlage, so dass sie heute nur einige kühle Nächte benötigen, um den Großteil der Pisten komplett einzuschneien. Daher können sie auf der Website stolz verkünden, dass die Saison von Mitte Dezember bis in den März läuft - und das nur 90 Kilometer Luftlinie entfernt von Dortmund.

Doch nicht nur im Hochsauerland haben die Verantwortlichen aufgerüstet. Auch in anderen deutschen Mittelgebirgen finden Wintersportler in der kalten Jahreszeit bessere Bedingungen vor als vor 10 oder 15 Jahren. Momentan haben jedoch auch sie mit dem ungewöhnlich warmen Januarwetter zu kämpfen. SPIEGEL ONLINE stellt fünf empfehlenswerte Wintersportreviere vor, die quasi vor der Haustür liegen:

Winterberg im Sauerland

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Seit jeher eine Hochburg für allerlei Schneesportarten, hat sich Winterberg über die vergangenen zehn Jahre als größtes deutsches Skigebiet nördlich des Weißwurstäquators etabliert. Die massiv künstlich beschneiten Hänge unterhalb des Kahlen Astens ziehen mittlerweile Besucher aus ganz Westdeutschland und aus den Niederlanden an. Das Revier überzeugt mit einem gut durchorganisierten Pistenkarussell und modernen Liften, ein Manko ist jedoch der recht geringe Höhenunterschied.

Höhenlage: 630 bis 820 Meter
Pistenkilometer: 34 Abfahrten mit einer Gesamtlänge von gut 20 Kilometern (blau: 10, rot: 9, schwarz: 1,5)
Perfekt für: Technikbegeisterte Wintersportler und Liftjunkies
Das gibt's nur hier: Die größte Ansammlung von Schneekanonen im Norden Deutschlands.
Größte Überraschung: Die Ausmaße des Skigebiets, das fast an der Grenze zum Ruhrpott liegt.
Schönste Abfahrt: Der tiefschwarze FIS-Hang neben der Bobbahn - mutlose Mitfahrer können die Rampe auf blau und rot markierten Abfahrten umgehen.
Gemütlichste Hütte: Möppi's Hütte (Skihütte Poppenberg)
Infos: Skiliftkarussell Winterberg

Der Wurmberg im Harz

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Um Superlative ist Braunlage nicht verlegen, seitdem zur Saison 2013/14 massiv in den Ausbau des Skigebietes auf Niedersachsens höchstem Berg investiert wurde. Nun verfügt man nicht nur über die längste Abfahrt in Deutschlands Mittelgebirgen, sondern auch über den "Hexenritt" - nach eigenen Angaben "die schwerste Abfahrt nördlich der Alpen".

Höhenlage: 565 bis 970 Meter
Pistenkilometer: 6 Gondeln und Lifte erschließen 13 Pistenkilometer aller Schwierigkeitsgrade
Perfekt für: Frosttaugliche Nordlichter
Das gibt's nur hier: Einen tollen Blick vom höchsten Berg Niedersachsens auf den mythenbehafteten Brocken, dessen Gipfel in Sachsen-Anhalt liegt.
Größte Überraschung: Für den Hexenritt, ein steile Route durch eine Waldschneise, reichte die Kategorisierung als "schwer" (schwarz) nicht aus. Die Abfahrt ist als "sehr schwer" (orangefarbe) markiert.
Schönste Abfahrt: Die Wurmbergabfahrt zieht sich von der Bergstation bis an den Ortsrand von Braunlage hinab und ist mit 4,1 Kilometern die längste Piste in deutschen Mittelgebirgen.
Gemütlichste Hütte: Die Wurmberg-Alm liegt im Schatten der Skisprungschanze und wurde 1952 gegründet. Trotz ihres eher biederen Charmes macht das oft unwirtliche Gipfelklima eine Einkehr zum Muss.
Infos: Wurmberg-Seilbahn

Der Arber im Bayrischen Wald

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Fernab von jeglichem Trubel, nahe der deutsch-tschechischen Grenze, stellt sich die Gipfelkuppe des Großen Arbers Schneewolken und Eiswinden in den Weg. Winter für Winter ächzen die Bäume an den Flanken des höchsten Berges im Bayrischen Wald unter meterdicken Schneeverkrustungen. Die Skifahrer dagegen freuen sich über die weiße Pracht – und über einige anspruchsvolle Abfahrten.

Höhenlage: 1030 bis 1456 Meter
Pistenkilometer: Eine Gondel und zwei Sechser-Sessellifte erschließen 11 Pistenkilometer (schwarz: 4, rot: 4, blau: 3) und 5 Kilometer Skirouten
Perfekt für: Sportliche Skifahrer ohne Kälteaversion
Das gibt's nur hier: Zählt man die Skirouten dazu, so sind mehr als die Hälfte der Abfahrten am Arber Expertengelände.
Größte Überraschung: Als versteckte Perle führt eine Tourenabfahrt vom Arbergipfel über acht Kilometer und knapp 800 Höhenmeter nach Bodenmais - ein landschaftliches Erlebnis.
Schönste Abfahrt: Die Prachtstrecken am Arber sind der schwarz markierte Osthang vom Gipfel bis zur Talstation der Gondel und der noch anspruchsvollere Weltcup-Hang.
Gemütlichste Hütte: Arber Stadl an der Bergstation der Sonnenhang-Sesselbahn
Infos: Arber im Bayrischen Wald

Oberwiesenthal im Erzgebirge

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Der berühmteste Sohn der traditionsreichen Winterfrische Oberwiesenthal ist Jens Weißflog. In seinem Hotel empfängt die Skisprunglegende Gäste, die den knorrigen Charme und die Schneesicherheit des Ortes am Fuß des Fichtelbergs schätzen. Zwar weisen die Lifte und Pisten nur einen Höhenunterschied von maximal 300 Metern auf, doch dafür liegen bereits die Talstationen in schneesicheren Gefilden.

Höhenlage: 905 bis 1210 Meter
Pistenkilometer: Sechs Liftanlagen - darunter eine Seilschwebebahn und ein kuppelbarer Vierer-Sessellift - erschließen 15,5 Pistenkilometer aller Schwierigkeitsgrade.
Perfekt für: Wochenendurlauber, die Schneesicherheit suchen und von Plattenbauten am Pistenrand nicht abgeschreckt werden.
Das gibt's nur hier: Die Seilschwebebahn führt von 905 Metern am Ortsrand von Oberwiesenthal auf den Gipfel des Hohen Fichtelberg auf knapp 1210 Metern Seehöhe.
Größte Überraschung: Das Skigebiet hat einen Zwilling auf tschechischer Seite. Die Pisten am Klinovec/Keilberg bieten sich für die zweite Hälfte eines Skiwochenendes an.
Schönste Abfahrt: Wie in einer andere Welt fühlt man sich zwischen den "Schneegeistern" - eisig eingehüllten Tannen - auf der rot markierten Abfahrt Nummer 6 vom Kleinen Fichtelberg.
Gemütlichste Hütte: Prijut 12 - Après Ski in einer Holzblockhütte an der Rodelbahn
Infos: Fichtelberg Ski

Feldberg im Schwarzwald

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Am Feldberg im Hochschwarzwald, wo manche Abfahrt in Sachen Höhenmeter alpine Maßstäbe erreicht, blickt der Wintersport auf eine lange Tradition. Dafür, dass er auch eine Zukunft hat, sorgen mittlerweile Batterien von Schneekanonen. Fünf niedriger gelegene Pistenkilometer können bereits beschneit werden, weitere sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

Höhenlage: 945 bis 1448 Meter
Pistenkilometer: 14 Sessel- und Schlepplifte erschließen gut 20 Pistenkilometer (schwarz: 6,5, rot: 5,5, blau: 8)
Perfekt für: Sonnenanbeter und Verächter der nicht allzu fernen Alpen
Das gibt's nur hier: Bei guter Sicht kann man vom Gipfel des Seebuck - mit 1450 Metern der zweithöchste Berg im Schwarzwald - die Viertausender Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland erspähen. Wohl einmalig für ein deutsches Mittelgebirge.
Größte Überraschung: Die schwarz markierte Weltcup-Abfahrt am Rothaus-Sessellift ist auch für Könner ein echter Kracher. Eine entschärfte Alternative stellt die fast parallel verlaufende rote Nummer 12 dar.
Schönste Abfahrt: Von der Piste am Seebuck bietet sich ein toller Blick auf die Vogesen und das Rheintal.
Gemütlichste Hütte: Auf der Menzenschwander Hütte kommt in der Bauernstube zünftige Hausmannkost auf den Tisch. Derweil wärmt man sich an einem alten Bauernofen auf.
Infos: Liftverbund Feldberg

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insgesamt 48 Beiträge
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1. tut mir leid, aber das ist einfach grotesk
junkman 10.01.2014
der autor scheint hier selbst nicht so wirklich zu wissen, was das skifahrerherz begehrt. sicherlich wäre es vermessen, die genannten orte mit den ski-paradisen in den alpen zu vergleichen - aber "garantierten schnee" durch "kunstschnee-kanonen" kann nun wirklich nicht ihr ernst sein. auf kunstschnee kann man zwar fahren, aber der vorgebliche spass und die angeblich produzierte schneelandschaft die ihre bilder suggerieren, ist reinste bauernfängerei.
2. Garantiert nicht
anbue 10.01.2014
Zitat von sysopDPAWinterberg, Harz und Co. haben enorm aufgerüstet in den letzten Jahren: Wer ein paar schöne Ski- oder Snowboardtage erleben will, muss dafür nicht in die Alpen reisen. Wir stellen fünf Reviere vor, in denen garantiert Schnee liegt - und die wirklich gute Abfahrten bieten. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/harz-winterberg-feldberg-deutsche-skigebiete-a-942670.html
Ich habe versucht, die Qualität dieses Berichtes für den Harz zu überprüfen: http://wintersport.harzinfo.de/ Eine der beiden Webseiten hat nicht recht.
3. und das zu Zeiten von Schumacher und Merkel!
marrobbe 10.01.2014
Als ich diesen Artikel las dachte ich zuerst, ich traue nicht meinen Augen... das hier tatsächlich noch ernsthaft Werbung für Skiurlaub gemacht wird nach all den tränenerzeugenen Berichten über die Skiunfälle von Schumacher und Merkel -wow! Ich habe ersthaft gedacht, die Skirepublik Deutschland würde sich jetzt zu Hause verstecken und unser Skiruf wäre für immer vernichtet - nicht Umsonst haben doch unsere Skiadler bei diesjährigen Neujahrsspringen so schlecht abgeschnitten. Vielleicht bewirkt dieser Bericht doch wieder mehr Leute dazu nach draußen zu gehen und dass uns bloß beim Anblick von Schnee der Angst nicht mehr Ausbricht... ;)
4. Garantiert Schnee ?
Flix77 10.01.2014
Gut gemeint, aber aktuell leider doch nicht so schneesicher: Schneehöhen: Winterberg: Kahler Asten (841m) 0 cm Wurmberg: 0 cm Großer Arber (1446m): 30 cm Oberwiesenthal, Fichtelberg: 10 cm, Maschinenschnee, Zustand: Geschlossen Feldberg/Schwarzwald: 15 cm bis 30 cm Soviel zu den Ankündigungen: "Wir stellen fünf Reviere vor, in denen garantiert Schnee liegt" "SPIEGEL ONLINE stellt fünf schneesichere Wintersportreviere vor"
5.
w220 10.01.2014
... oder eine bewusste und bezahlte lüge, denn z.b. in oberwiesentahl gab es anfang januar zuletzt 2011 gute schneebedingungen, 2012 nicht und 2013 auch nicht und 2014 liegt dort gar nix, null komma null - 1 von 17 pistenkilometern geöffnet.
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