Interflug-Maschinen: Vogelnest im Triebwerk

Wo fliegen sie denn? 18 Jahre nach der Liquidierung der einstigen DDR-Staatsfluggesellschaft Interflug sind ihre Iljuschins, Tupolews und Airbusse über die Welt verteilt. Einige stehen jedoch noch im Dienste der Bundesrepublik - und viele werden als Museumsobjekte am Boden erhalten.

Interflug: Tupolew und Iljuschin am Boden Fotos
ddp

Leipzig - Vogelgezwitscher dröhnt aus den mächtigen Triebwerken. Und auch an den ausgeblichenen Rümpfen sind die Hinterlassenschaften des Brutgeschäfts nicht zu übersehen. Drei Maschinen der Typen Iljuschin-62, Iljuschin-18 und Tupolew-134 der ehemaligen DDR-Fluggesellschaft Interflug stehen verlassen im Sicherheitsbereich am Airport Leipzig/Halle in Schkeuditz, für Besucher nicht zu erreichen.

Zumindest die IL-18 hat jetzt eine neue Lackierung erhalten und parkt in der Bemalung der einstigen Lufthansa-Ost, die erst später zur Interflug wurde, vor einer Triebwerkstesthalle. Der Flughafen hat sich nach Angaben seines Sprechers Uwe Schuhart kurzfristig für die äußerliche Aufarbeitung entschlossen. Die Kosten dafür will er nicht nennen.

Doch nicht alle Interflug-Maschinen stehen so verlassen wie in Schkeuditz, wissen einstige Mitarbeiter der DDR-Staatsfluggesellschaft. Nach ihren Recherchen gehen noch knapp 30 Passagiermaschinen der Interflug in Ländern wie Russland, Kuba und Angola in die Luft. Weitere 19 Flugzeuge sind zwar erhalten geblieben, fliegen aber nicht mehr. Sie stehen in Deutschland, eine befindet sich in den Niederlanden

Nach der Abwicklung der Interflug wenige Monate nach der Wiedervereinigung hat es die Belegschaft in alle Welt verschlagen. Flugkapitän Gerd Ritter zum Beispiel sitzt jetzt seit fast 15 Jahren im Cockpit bei der EVA AIR aus Taiwan und fliegt Jumbo-Jets. Thomas Funke arbeitet inzwischen beim Flugtraining der Cargolux Airlines International in Luxemburg. Im Internet halten sie und einige Mitstreiter die Erinnerung an ihren einstigen Arbeitgeber lebendig. Dabei versuchen die Luftfahrt-Experten allerlei Missverständnisse, Legenden und Gerüchte um den Nationalcarrier der DDR aufzuklären.

IL-18 in Angola bis Kuba

Natürlich behalten die Crews im weltweiten Datennetz auch "ihre" ehemaligen DDR-Flugzeuge im Blick. Zwei Iljuschin IL-62 und 16 Tupolew TU-134 fliegen in Russland, zwei TU-134 in Kasachstan. Zwei dieser Tupolews wurden früher von der Staatssicherheit betrieben und flogen keine Passagiere für die Interflug, obwohl der Schriftzug der Airline am Rumpf stand.

In Kirgistan, Somalia, Angola und auf Kuba sind noch vier IL-18 aus der Interflug-Flotte stationiert, drei Maschinen wurden zu Frachtern umgerüstet. Wegen strenger Lärmrichtlinien kommen IL-62, IL-18 und TU-134 nicht mehr planmäßig auf Flughäfen der Europäischen Union zum Einsatz. Den Angaben zufolge soll auch die Ende Juli in Iran verunglückte IL-62 früher zum Bestand der DDR-Airline gehört haben.

Die drei Interflug-Airbusse A 310 werden von der Flugbereitschaft der Bundesregierung betrieben und fliegen als einzige frühere Interflug-Maschinen noch in Deutschland - vor allem ab Köln/Bonn und Berlin-Tegel. Kleinere Interflug-Maschinen der ehemaligen Betriebsteile Fernerkundung, Forschung- und Industrieflug (FIF) sowie Agrarflug (AF) heben noch regelmäßig in Deutschland, Nord- und Südamerika sowie Australien ab.

Die Flugzeuge außer Dienst, die vielerorts als Touristenattraktionen präsentierten werden, sehen die Luftfahrtfachleute nicht als dauerhaft gesichert an. "Alle im Freien abgestellten Museumsflugzeuge sind dem schleichenden Verfall preisgegeben, auch wenn sie äußerlich gut gepflegt erscheinen mögen oder sie gelegentlich einen neuen Anstrich erhalten", sagt Funke. Um das festzustellen, genüge ein Blick in den Fahrwerksschacht oder das Einatmen der meist muffigen Kabinenluft.

Der stillgelegte Flughafen Berlin-Tempelhof hätte aufgrund seiner einzigartigen Infrastruktur das mit großem Abstand beste Luftfahrtmuseum der Welt werden können, ist der Fachmann überzeugt und bedauert, dass derartige Pläne nicht umgesetzt werden.

Besucherpark in Leipzig geplant

Eine IL-14-Propellermaschinen ist im erzgebirgischen Cämmerswalde zu sehen. Sie ist in Privatbesitz und gehört zu einer Ausflugsgaststätte. Der IL-14P-Prototyp steht seit zehn Jahren in Heinsdorfergrund im Vogtland auf dem Gelände eines Autohauses. Zuvor war diese Maschine 30 Jahre lang als Gaststätte "Waldperle" in Langenbernsdorf bei Werdau genutzt worden. Am besten erhalten sein soll eine IL-14 auf dem Gelände der Elbe Flugzeugwerke in Dresden. Nach Einschätzung der Luftfahrtexperten ist das die einzige IL-14 der Interflug, die noch einmal flugfähig gemacht werden könnte.

Auf dem Dach des Oldtimermuseums "Da Capo" in Leipzig können Luftfahrtfans eine IL-18 bewundern. Von Frühjahr 1986 bis Sommer 2001 stand noch eine TU-134 in Bernsdorf bei Lichtenstein. Diese Maschine konnte von der Gemeinde nicht mehr erhalten werden, sie wechselte in den Luftfahrt- und Technik-Museums-Park nach Merseburg, wo noch mehr Interflug-Maschinen gezeigt werden.

Die drei Interflug-Maschinen in Schkeuditz sind im Besitz des Flughafens Leipzig/Halle und werden teilweise für Übungseinsätze der Flughafenfeuerwehr genutzt. Die Pläne für einen Besucherpark, wo die Maschinen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, würden nach wie vor verfolgt, sagt Airport-Sprecher Schuhart. Zu konkreten Terminen "können derzeit jedoch noch keine konkreten Angaben gemacht werden".

Nils-Eric Schumann, ddp

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