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04. März 2012, 07:13 Uhr

Jubiläum in Potsdam

Alles neu für den Alten Fritz

In Berlin fühlte er sich nie zu Hause, in Potsdam umso mehr: Friedrich der Große hat die Stadt wie kein anderer geprägt. Zum 300. Geburtstag des Alten Fritz erstrahlt in Brandenburg nicht nur das Schloss Sanssouci in neuem Glanz.

Am frühen Morgen ist es im Park von Sanssouci noch ruhig. Vögel zwitschern, ein Specht lässt sein rhythmisches Klopfen hören, Besucher gibt es kaum. Die Touristenmassen rollen erst später an. In diesem Jahr werden besonders viele kommen. Denn Potsdam feiert den 300. Geburtstag seines Vorzeigekönigs Friedrich des Großen. Der Termin war zwar schon am 24. Januar, aber er bestimmt in der brandenburgischen Landeshauptstadt das ganze Jahr 2012.

Mit keinem anderen Herrscher ist Sanssouci so verbunden wie mit Friedrich II.: Schließlich hat er sich hier seine Sommerresidenz bauen lassen, in der er Querflöte spielte, mit Voltaire über Philosophie plauderte und durch die Gärten mit den Weinterrassen spazierte. Regiert und Kriege geplant hat er in seinem Sommerschloss natürlich auch. "In Berlin, wo er geboren wurde, hat er sich nie zu Hause gefühlt", sagt Stadtführerin Christine Blümer - in Potsdam umso mehr: "Das Sommerschloss liebte er."

Friedrich II. hat es sich ab 1745 bauen lassen - in der Rekordzeit von nur zwei Jahren. Seit 1991 ist Friedrich neben dem Schloss begraben, so, wie er es sich immer gewünscht hatte. Heute gibt es in der Parkanlage, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört und zum Schönsten, was Brandenburg zu bieten hat, fünf Schlösser und ein Wegenetz für ausführliche Spaziergänge mit 76 Kilometern Länge. Allein hier könnte man also Tage verbringen.

Und im Laufe des Jahres gibt es noch viel mehr zu sehen als sonst, vor allem im Neuen Palais, dem Protz-Schloss, das sich der Alte Fritz bauen ließ, nachdem er den Siebenjährigen Krieg gewonnen hatte. Das Schlossgebäude im Rokoko-Stil, 220 Meter lang, war eines der größten seiner Zeit und hatte vor allem den Zweck, Eindruck zu machen. Der Spaziergang von Schloss Sanssouci zum Neuen Palais gibt eine Vorstellung davon, wie riesig der gesamte Park ist. Hier im Neuen Palais wird am 28. April die große "Friederisiko"-Ausstellung eröffnet.

Neues Palais: Mehr als 3000 Besucher sind nicht erlaubt

Es ist nicht die einzige Ausstellung rund um Friedrich den Großen, aber sicher die wichtigste im Jubiläumsjahr. Dass die Hauptausstellung im Neuen Palais zu sehen ist, findet Alfred Hagemann, Kunsthistoriker und einer der Kuratoren, mehr als passend: "Es ist ein authentischer Ort dafür." Das Neue Palais sage über den Herrscher vielleicht mehr als jedes andere Schloss: "Hier zeigt er, was er geworden ist, in Sanssouci, was er werden will."

Die Ausstellung nimmt 6000 Quadratmetern ein. "Das ist einer der Vorteile, den das Schloss bietet: Es ist einfach sehr groß", sagt Hagemann. "Und ein Drittel der Räume, die zum Teil mit großem Aufwand restauriert wurden, war vorher normalerweise nicht zugänglich." Der Marmorsaal etwa ist nach fünf Jahren erstmals wieder zu sehen. Das Fürstenquartier, wo einst die Gäste aus Europas Herrscherhäusern übernachteten, ist wieder authentisch eingerichtet.

Rund 250.000 Besucher hat das Neue Palais, in dem es schon zu Friedrichs Lebzeiten Führungen gab, ohnehin jedes Jahr. In diesem dürften es noch deutlich mehr werden. Allerdings gibt es Grenzen: "Mehr als 3000 Besucher gleichzeitig sind nicht erlaubt", sagt Hagemann. Und schon dann braucht man allein 65 Aufsichtskräfte für die Ausstellung, die sich zwölf Themen widmet: zum Beispiel Friedrichs Freundschaften oder seiner Heiratspolitik, dem schwierigen Verhältnis zu seinem autoritären Vater und den Gerüchten um seine Homosexualität.

Und natürlich seinem Hang, in politischen und militärischen Entscheidungen alles auf eine Karte zu setzen. "Er war bereit, für seinen Ruhm alles zu riskieren, die Existenz des Staates, aber auch seine eigene", erklärt Hagemann. Daher der Titel der Ausstellung: "Friederisiko".

Auch außerhalb von Sanssouci ist Friedrich in Potsdams Altstadt allgegenwärtig. Bevor sich die Hohenzollernherrscher für Potsdam interessierten, war es ein bedeutungsloses Fischerdorf, weit davon entfernt, ein "Märkisches Versailles" zu sein. Friedrich, der Potsdam zur Hauptresidenz machte, änderte das. "Er war ein Ästhet und ein Architekturfreak", sagt Christine Blümer.

Der falsche Fritz und die Nazis

Das zeigt sich an vielen Stellen, wo er Häuser bauen oder zumindest die Fassaden aufhübschen ließ. Und natürlich auch am Alten Markt: Der Obelisk dort stammt noch aus dieser Epoche, die Nikolaikirche ließ Friedrich zwar umgestalten, ihr jetziges Aussehen bekam sie aber viel später. Gleich nebenan wird das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte und später in der DDR abgerissene Stadtschloss wieder errichtet - der Brandenburgische Landtag wird dort einziehen.

In Friedrichs Regierungszeit entstand auch das Alte Rathaus mit seiner Kuppel, auf der ein vergoldeter Atlas die Erdkugel schultert. Dort soll am 20. August das Potsdam Museum wieder einziehen, das zurzeit seinen Sitz noch im Holländischen Viertel hat - ebenfalls ein Erbe Friedrichs. "Friedrich und Potsdam - Die Erfindung (s)einer Stadt" heißt die Eröffnungsausstellung.

Eine weitere ungewöhnliche Schau zum Jubiläumsjahr gibt es im Filmmuseum - in dem Gebäude, das der Große Kurfürst als Orangerie bauen ließ. Unter dem Motto "Der falsche Fritz" widmet sie sich Otto Gebühr, dem Schauspieler, den manche Zeitgenossen tatsächlich für Friedrich den Großen hielten, weil er ihn so oft gespielt hat: In 16 Filmen war er in dieser Rolle zu sehen. In "Fredericus Rex" genauso wie in "Der große König", ein Durchhalte-Film ganz im Sinn der Nazipropaganda während des Zweiten Weltkriegs.

Zu sehen sind Filmplakate, die Perücke, die Gebühr als Friedrich trug oder der Dreispitz, der in vielen Filmen ebenfalls unverzichtbar war. Filmausschnitte gibt es etliche zu sehen, genau wie Fotos des Schauspielers. Nicht ganz so ernst gemeint ist der Fritz-O-Mat: Mit einem Greifarm dürfen Ausstellungsbesucher versuchen, eine Friedrich-Stoffpuppe anzuheben. Wer Erfolg hat, wird mit Marschmusik belohnt. Ob das dem Alten Fritz gefallen hätte? Etliche Märsche hat er schließlich komponiert.

Andreas Heiman, dpa

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