Langlauf im Schwarzwald Deutschlands weiße Wildnis

Offene Hochmoore, sonniges Panorama: Wenn genug Schnee liegt, bietet der Nordschwarzwald Langläufern mehr als manches Skigebiet in den Alpen. Wir stellen die schönsten Loipen rund um den Nationalpark vor.

Johannes Schweikle

Von Johannes Schweikle


Tausende Fichten stehen am Gaiskopf, auf jedem Ast liegt ein dickes weißes Kissen. Raureif bedeckt die nackten Zweige von Birken und Ebereschen. Auf der Hochfläche ducken sich Legföhren krumm und schief vor dem Wind. "Bannwald" steht auf einem Schild, das an einem Baum hängt.

Hier führt ein schmaler Weg in den Kern des Nationalparks Schwarzwald, der vor fünf Jahren gegründet wurde. Er erstreckt sich zwischen Baden-Baden und Freudenstadt auf einer Fläche von hundert Quadratkilometern.

Auf Anregung eines Forstwissenschaftlers entschied der König von Württemberg im Jahr 1911, im hintersten Winkel seines Landes ein Stück Natur sich selbst zu überlassen. Seither hat der Mensch in diesen Wald nicht mehr eingegriffen.

Im Verlauf eines Jahrhunderts hat sich eine dramatische Landschaft entwickelt: Baumgerippe ragen schräg aus dem Hang, der steil wie eine Wand abfällt bis zum Wildsee. Dieser Karsee liegt unberührt in einer Mulde, die von den Gletschern der Eiszeit in das Gebirge gehobelt wurde. Ringsum sind keine Anzeichen der Zivilisation zu sehen, kein Haus und keine Straße, nicht mal eine Hütte.

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Langlauf im Schwarzwald: Die schönsten Loipen

Wenn genug Schnee liegt, bietet der Nordschwarzwald Langläufern mehr als manches Skigebiet in den Alpen. Die meisten Loipen verlaufen hier nicht in schattigen Tälern, sondern oben, über die offenen Grinden und Hochmoore, die typisch sind für dieses Mittelgebirge. Es gibt Rundspuren verschiedener Schwierigkeitsgrade. Wer will, kann auf dem gut ausgeschilderten Fernskiwanderweg von Freudenstadt nach Herrenwies fast 50 Kilometer am Stück laufen.

Viele Langläufer haben sich anfangs gegen die Nationalpark-Pläne gesperrt. In den angrenzenden Gemeinden war man mehrheitlich der Meinung, es sei keine gute Idee, vor der Haustür eine Wildnis entstehen zu lassen. Gegner wetterten, bald dürfe man den Wald nicht mehr zum Wandern oder Skilaufen betreten. Die CDU warnte vor einer Öko-Diktatur. Doch inzwischen haben sich die Befürchtungen der Langläufer in Wohlgefallen aufgelöst.

Schwarzwälder Gründlichkeit

Denn die Bedingungen für sie sind heute besser denn je. Gespurt wird auch, wenn kein Neuschnee fällt. Gegen Mitternacht fängt ein Team des Nationalparks mit der Arbeit an, am Morgen sind sie fertig. Sie arbeiten mit Schwarzwälder Gründlichkeit. Zwischen Herrenwies und der Zuflucht werden jeden Tag gut 150 Kilometer Loipen gepflegt. Etwa 40 Prozent davon führen mitten durch den Nationalpark Schwarzwald.

Spuren der Nationalpark-Gegner gibt es nicht mehr viele. Doch neben einer Straße, die hinauf führt in den Nordschwarzwald, ragt ein altes Protestschild wie vergessen aus dem tief verschneiten Hang. Das Wort "Nationalpark" ist dick durchgestrichen.

Hermann Bareiss, der in Baiersbronn ein Luxushotel betreibt, ist kein Langläufer. Trotzdem hat der Hotelier ein "Forum der Mitte" gegründet, als die Auseinandersetzungen um den Nationalpark seine Heimat zu spalten drohten. "Ich wollte den Frieden im Tal erhalten", sagt er und gibt offen zu, dass er fast verzweifelt ist an dieser Mission. Schwarzwälder können stur sein.

Doch jetzt beobachtet Bareiss, dass die Wildnis vor der Haustür immer mehr Menschen begeistert. Er wagt eine Prognose: "Ich bin überzeugt, dass auch die Einheimischen in spätestens zehn Jahren stolz sind auf ihren Nationalpark."


Wir stellen die schönsten Loipen rund um den Nationalpark vor:

Die meisten Loipen im Nordschwarzwald sind für klassische Technik und Skating gespurt. Aktuelle Auskunft gibt es über das Loipenportal.

Die Klassifizierung erfolgt nach Schwierigkeit:

  • blau - einfach,
  • rot - mittelschwer
  • schwarz - schwierig

Steinwald-Spur (blau, viereinhalb Kilometer): Beginnt bei Freudenstadt am Parkplatz Lauferbrunnen. Wer weiterläuft bis zum Schömberg, erlebt einen großartigen Kontrast: Nach dem Dunkel des Waldes liegt dieses Dorf in der strahlenden Helligkeit einer Lichtung.

Lauferbrunnen-Kniebis (schwarz, elf Kilometer): Schwarzwald pur - rechts und links dick verschneite Fichten, dazwischen große Ruhe. Kurz vor dem Ziel lässt sich eine Film-Location besichtigen: An der Bundesstraße auf dem Kniebis liegt die Retro-Tankstelle aus der Komödie "25 km/h".

Kniebis-Spur (blau/rot, ein bis acht Kilometer): Verschiedene Spuren rund um das Skistadion, teilweise abends beleuchtet und bei Bedarf künstlich beschneit; der kleine Abstecher zur Aussichtsplattform über dem Ellbachsee lohnt sich!

Gaiskopfspur (schwarz, neun Kilometer): Knackige Anstiege und Abfahrten lassen Langläufer die Topografie des Schwarzwalds erleben; Abstecher (ungespurt) zum Blick über den Bannwald am Wildsee.

Schliffkopf: Der 50 Kilometer lange Fernskiwanderweg führt hier mit wenig Steigung über die offene Hochfläche. Unglaubliche Aussicht über das Rheintal bis zu den Vogesen. Im März kann man hier zwei Jahreszeiten an einem Tag erleben: Man gleitet auf 1000 Meter Höhe durch den Schnee, in den Tälern am Fuß des Schwarzwalds blühen schon die Kirschen.




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toninotorino 19.02.2019
1. Wunderbar
Den südlichen Schwarzwald kenne ich ganz gut. Es ist unglaublich, was es da rund um alle Jahreszeiten für Outdoor-Möglichkeiten gibt. Man hat da ja Freihheiten sich zu bewegen und eine Weite, fantastisch.
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