Kajakfahren auf der Loisach Eine Schlucht für Könner

Die Loisach verbindet Tirol mit Bayern, sanfte mit wilder Natur. Kajakfahrer finden eine anspruchsvolle Wildwasserstrecke, Familien einen ruhigen Paddelfluss und Kletterer spektakuläre Routen hinter Wasserfällen.

SRT/ TVB Seefeld

Steffen Meininger zieht sein rotes Kajak aus den Fluten, setzt sich auf einen kleinen Felsen. "Seit 20 Jahren machen wir einmal im Jahr die Tour durch die Griesenschlucht. Und es ist immer wieder der reinste Spaß!", sagt der 50-jährige Paddler und schnauft erst einmal durch.

Was ist das Besondere daran? "Andere Wildwasserflüsse mögen schneller und wuchtiger sein", sagt Meininger, "aber die Loisach ist auf diesem knapp fünf Kilometer langen Abschnitt der schönste Natur-Slalomparcours der Welt. Und mit den Felsblöcken im Fluss nach wie vor eine technische Herausforderung."

Mit einer Schwierigkeitsstufe von zwei bis vier ist die Strecke nur etwas für geübte Paddler - und anspruchsvoll genug, dass 1985, 1998 und 2004 hier die Wildwasser-Weltmeisterschaften stattfanden. "Die Loisach ist der einzige Wildfluss Deutschlands, der für internationale Wettkämpfe den nötigen Schwierigkeitsgrad aufweist", hieß es vom Organisationskomitee.

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Loisach: Deutschlands bester Wildwasserfluss

Meiningers durchnässter Freund, der gerade an der Ausstiegsstelle anlandet, sagt: "Im 'Dom', einer markanten Felsformation, muss man schon wissen, wo es langgeht. Wer nicht aufpasst, fährt prompt in die sogenannte Garage, nämlich dahin, wo das meiste Wasser läuft, eine Weiterfahrt aber unmöglich ist."

Sein Kumpel fällt ihm ins Wort: "Also meine Lieblingsstelle ist weiter unten das 'Treppenhaus'. In einem Felschaos, durch das man das Boot fast auf den Zentimeter genau manövrieren muss, führen einige, zum Teil sehr enge Stufen ins darunterliegende Stockwerk."

Um im Bild zu bleiben: Hier am Untergrainauer Parkplatz, unmittelbar an der B23, liegt das Parterre. Quasi auf der Terrasse, also ein paar Meter weiter, schichten Kinder Steine zu wackligen Gebilden auf.

Vor allem, wenn im Frühling die Schneeschmelze für optimalen Wasserstand sorgt, sind mehrere Hundert Kajakfahrer pro Tag auf dem Fluss und queren die innerhalb eines engen Waldtals liegende Schlucht zu Füßen von Zugspitze und Waxenstein.

Aufgrund des Schwierigkeitsgrades gibt es dort keine öffentlichen Anbieter von Schlauchboot- oder Raftingtouren. Deren Revier beginnt flussabwärts, in Farchant, wo es deutlich sanfter wird und es selbst Familien mit Kindern im eigenen Boot problemlos bis zum Kochelsee schaffen.

Der Biber kommt wieder

Die Loisach zeigt sich auf ihren 113 Kilometern von den Quellen bei Biberwier im österreichischen Tirol bis zur Mündung in die Isar bei Wolfratshausen ohnehin eher mild als wild. Darauf verweist schon das indogermanische Wort leubh, das dem Namen Loisach zugrunde liegt und "lieb" bedeutet.

Lieblich gestalten sich etwa die Loisachquellen inmitten eines zwischen Zugspitze, Mieminger Kette und Grubigstein eingebetteten Sumpfgebietes. Auf rund 1100 Meter Höhe sprudelt das intensiv leuchtende Wasser direkt aus dem Boden. Wanderer kommen direkt daran vorbei, wenn sie auf der rund viereinhalb Kilometer langen Rundtour von Biberwier zum Mittersee und zurück unterwegs sind - der klassischen "Loisachrunde".

In diesem Areal fühlen sich auch Biber wohl. Egon Bader, Naturschutzbeauftragter der Tiroler Umweltanwaltschaft, sagt: "Ich gehe davon aus, dass an der Loisach inzwischen mindestens ein Dutzend Biber beheimatet sind - bis hinauf zum Fernpass, wo der Fluss entspringt." Für Tierschützer ist das eine kleine Sensation. Denn auch wenn Europas größte Nagetiere lange hier präsent waren, worauf unter anderem das Wappen und der Ortsname von Biberwier verweisen, wurde 1813 der letzte Biber Tirols gefangen.

Seit mehreren Jahren lassen sich die Tiere zwischen Biberwier und Ehrwald wieder beobachten. Und dazu muss man sich noch nicht einmal ins Gebüsch schlagen: An beiden Flussseiten führen Wanderwege entlang. Und zudem ein gut ausgeschilderter Radweg. Der begleitet die Loisach auf ihrem Weg durch das Ehrwalder Becken, weiter nach Grainau und Garmisch-Partenkirchen und durch teils renaturiertes Gelände bis zum Kochelsee und nach Wolfratshausen.

Klettern hinterm Wasserfall

Sportliche Fahrer könnten die 115 Kilometer lange Tour durchaus an einem Tag schaffen. Aber sie würden vielleicht einiges verpassen. Garmisch-Partenkirchen zum Beispiel. Oder das Fliegenfischen, das auf der Tiroler Seite bis zur Grenze möglich ist - mit Genehmigung vom Hotel Mohr Life Resort. Oder einen Kletterausflug - etwa zum direkt am Radweg gelegenen, rund 25 Meter hohen Häselgehr-Wasserfall. Dort gibt es zudem einen neu angelegten Klettergarten, dessen Route unter anderem hinter dem Wasserfall entlangführt.

Abwärts geht es wahlweise zu Fuß, mittels Abseilen oder Flying Fox. Dafür muss man sich allerdings bei Bergsport Total Ehrwald angemeldet haben - zwecks Guide und Material. An einem anderen der wenigen Loisach-Nebenflüsse wartet ein noch spektakulärerer Wasserfall: Die drei Stufen der Kuhfluchtwasserfälle in der Nähe von Farchant summieren sich auf 270 Meter Höhe. Für Kajakfahrer ist das allerdings dann doch zu anspruchsvoll.

Christian Haas, srt/abl

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
karl-felix 28.08.2018
1. Wer
hat Ihnen denn erzählt, man könne die Loisach auf 115 km an einem Tag fahren ? Denn Inn vielleicht, die Loisach nur mit dem Auto, niemals. mit dem Kajak . Die grosse obere Loisachtour von Ehrwald bis Garmisch - gute 20 km reicht für den sportlichen Fahrer völlig . Die untere Loisach ist schön aber sehr ruhig mit vielen Umtragestellen . Das dauert ewig und zieht sich
spielekiller 28.08.2018
2. @1. Sehr lange Tour!!
zumal nach dem Artikel der ganze Fluss nur 113 km lang ist.
karl-felix 28.08.2018
3. Ja
Zitat von spielekillerzumal nach dem Artikel der ganze Fluss nur 113 km lang ist.
das kam mir so absurd vor, dass ich es noch mal nachgelesen habe, Die 115 km beziehen sich auf den Radweg , aber das wäre wirklich verrückt, so durch die herrliche Gegend zu sausen ohne rechts und links zu schauen . Was sich anbietet ist mit dem Fahrrad umzusetzen Das wäre eine herrliche Woche. 100 km Kajak, 100 km Fahrrad die 100 km Auto - na ja . Was sein muss miuss sein . Was mich nur verblüffte : Wo hatten die denn das Wasser her ? Ich bin die oberle Loisach ab Ehrwald immer nur im Frühjahr gefahren aus Sorge vor zuwenig Wasser im Sommer. Die Loisach wird doch nicht von nem Gletscher gespeist . .
elkemeis 28.08.2018
4. Die Griesener
Die Griesener bin ich auch gerne gefahren, bei Pegel 90 (Normalpegel 120). War ganz schön hakelig, aber große Wasserwucht war nie mein Ding. Schee war's.
lango 30.08.2018
5. die loisi...
Rafting Fahrten oberhalb sind nicht aufgrund des Schwierigkeitsgrades sondern wegen der verblockten Strecke nicht möglich, da kommst du bei Normalpegel einfach nur mit dem Kajak durch. Vorsicht bei der Aussage Familienfahrten mit Kindern problemlos. Pegelstände und Bäume muss man immer beachten und ein Fluss birgt immer Gefahrenpotential. Lieber erst die Pros fragen.
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