Sommersaison 2019 Luftfahrtverband befürchtet erneutes Flugchaos

Ein Chaos wie im letzten Jahr soll sich eigentlich nicht wiederholen. Das war das Ziel des Luftfahrtgipfels im Oktober. Doch der Branchenverband BDL blickt wenig optimistisch auf den Sommer.

Maschinen verschiedener Fluggesellschaften
DPA

Maschinen verschiedener Fluggesellschaften


Die Nerven der Reisenden lagen blank im Sommer 2018. Wegen Sicherheitspannen, Streiks und Personalmangel mussten die Airlines Tausende Flüge streichen. Viele Maschinen starteten und landeten mit Verspätungen. Wird in diesem Jahr alles besser? Der Luftfahrtverband BDL ist skeptisch. Er erwartet trotz der Gegenmaßnahmen der Branche erneut viele Ausfälle und Verspätungen von Flügen in Ferienzeiten.

"Wir müssen damit rechnen, dass der Sommer 2019 auch schwierig werden wird", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Dieter Scheurle. Airlines, Flughäfen und Flugsicherung unternähmen alles, was in ihrer Macht stehe, damit sich das Chaos von 2018 nicht wiederhole.

Im vergangenen Jahr war es zu einem massiven Anstieg von Verspätungen und Flugausfällen in Europa gekommen, Passagiere waren frustriert über geplatzte Urlaubspläne. Dafür gab es mehrere Gründe:

  • In der Flugsicherung gab es Streiks.
  • Es fehlten Lotsen.
  • Die Insolvenz von Air Berlin konnte nicht schnell genug aufgefangen werden.
  • Es gab ungewöhnlich oft Unwetter.

An den Flughäfen kam es mit dem wachsenden Luftverkehr zu Verzögerungen bei den Sicherheitskontrollen, sodass Passagiere ihre Flüge nicht mehr erreichten. Die Branche vereinbarte deshalb auf einem Luftfahrtgipfel im Oktober ein Maßnahmenpaket, damit sich ein solches Chaos nicht wiederholt.

Wie der Flugbetrieb stabiler abgewickelt werden soll

Scheurle sagte, die Unternehmen hätten inzwischen viel getan, um den Flugbetrieb stabiler abwickeln zu können. Die Deutsche Flugsicherung, deren Chef Scheurle ist, erhöhte die Zahl der Ausbildungsplätze schon 2018 um fast die Hälfte auf 120 im Jahr. Ausgebildete Lotsen aus dem Ausland werden angeheuert, um Lücken im Dienstplan schnell zu stopfen.

Die Lufthansa wollte mehr Reserveflugzeuge und Personal einsetzen. Flughäfen arbeiten an den Sicherheitskontrollen. Mit einem Monitoring soll auch die Entwicklung der Verspätungen beobachtet werden, wie es vom Verband weiter hieß. BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow kündigte konkrete Zahlen dazu an. Bei einem weiteren Gipfeltreffen am 28. März in Hamburg soll Bilanz gezogen werden, was vom Maßnahmenkatalog umgesetzt wurde.

Wachstum des Luftverkehrs erwartet

"Der Wettbewerb im internationalen Luftverkehr bleibt intensiv", sagte der BDL-Präsident. Die deutschen Flughäfen hätten mit 244 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr vier Prozent mehr Passagiere als 2017 gezählt. In Europa legten die Passagierzahlen stärker zu, um sechs Prozent. Das durchschnittliche Ticketpreisniveau sei bei Flügen in Deutschland und Europa gesunken, bei Interkontinentalverbindungen leicht gestiegen.

Der Verband rechnet für dieses Jahr in Deutschland mit einem Wachstum des Luftverkehrs. So lägen die Anmeldungen für den Flugplan um 2,3 Prozent über dem Vorjahr - unabhängig von der jüngsten Insolvenz von Germania. Präsident Scheurle sagte, dies erhöhe die Anforderungen an die Infrastruktur am Boden und in der Luft. "Vor diesem Hintergrund brauchen wir nun dringend strukturelle Veränderungen, damit der Luftverkehr nicht an seine Grenzen stößt." Die Kapazität im europäischen Flugsicherungsraum müsse etwa erhöht werden, forderte er. Hier sei vor allem die europäische Politik gefragt.

Die Pleite der Berliner Airline Germania wird nach Einschätzung des Verbandes langfristig wohl keine negativen Folgen auf das Flugangebot in Deutschland haben. Durch die Insolvenz wurde der Flugbetrieb eingestellt - diese Lücke werde aber schnell kompensiert werden. Er sehe keine Belastung für den heimischen Luftverkehrsstandort, sagte Scheurle. Es gebe hierzulande einen sehr starken Wettbewerb und große Kapazitäten anderer Airlines.

sth/Reuters



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Supertramp 14.02.2019
1. Germania Flughäfen wie Friedrichshafen und Nürnberg sollten nicht mit Steuergeldern subventioniert werden
es gibt so viele unnötige Flughäfen wie Frankfurt Hahn irgendwo in abgelegenen Gebieten ohne öffentliche Verkehrsmittel... die sollten auf de Prüfungstand. wenn kerosin endlich mal besteuert werden würde wäre Bahn fahren eh viel attraktiver siehe China und Japan
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.