Backsteinkirchen und Bäderarchitektur - dafür ist Mecklenburg-Vorpommern berühmt. Aber entlang der Ostseeküste tut sich architektonisch auch in anderer Hinsicht viel. Manchmal sind spektakuläre neue Bauten entstanden wie das Ozeaneum in Stralsund, das mit seiner Außenhaut an ein vom Wind geblähtes Segel erinnert. Manchmal werden aber auch sonst unscheinbare Zweckbauten zum Hingucker.
Olaf Bartels ist der Autor des "Architekturführers Mecklenburg-Vorpommern". Sehenswerte Architektur gibt es für ihn im Nordosten an vielen Ecken. Ihm liegt daran, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass viele Bauten einen Blick lohnen - auch in den Tourismuszentren.
Ahrenshoop ist einer dieser kuschligen kleinen Ostseebadeorte, die mehr als einen schönen Strand zu bieten haben. Die Dichte an Rohrdachhäusern, Reiterhöfen und Buchenhecken liegt weit über dem Landesdurchschnitt - genau wie die von wuchtigen Autos mit hohen PS-Zahlen und Hamburger oder Berliner Nummernschild. Vor allem aber hat der Ort für Kunstinteressierte viel zu bieten. Ahrenshoop war schon im 19. Jahrhundert ein Fluchtpunkt für Künstler.
Schon 2005 hat sich in Ahrenshoop ein Verein gegründet, der das Ziel verfolgt, der Kunst einen passenden Ausstellungsort zu bieten: ein Museum für rund 7,7 Millionen Euro - für einen Ort mit gut 750 Einwohnern ein Riesenprojekt. "Es soll im Herbst 2013 eröffnen, mit fünf Häusern, die eine Art Hof bilden", sagt Marion Müller-Axt, die Leiterin des zuständigen Projektbüros. Auf 680 Quadratmetern wird es dann Ausstellungen geben und einen Skulpturenpark.
Touristen-Info als Hingucker
So wenig wie sich die Ausstellung auf die Vergangenheit konzentrieren soll, so wenig klammert sich die Formensprache des Museums selbst an tradierte Formen: Die Häuser bekommen ausdrücklich kein Strohdach, das in Ahrenshoop so oft zu sehen ist, die Fassade wird mit Baubronze verkleidet, die natürlich nachdunkelt. "Das Museum ist selbst ein Kunstwerk", sagt Müller-Axt - und soll rund 60.000 Besucher pro Jahr anziehen.
Ungewöhnliche Architektur gibt es auch im nahen Ostseeheilbad Zingst: Das Max Hünten Haus, dessen auffällige Fassade Glas, Holz und viel Farbe kombiniert, eröffnete im Dezember 2011. Es hat gleich mehrere Funktionen, die für den 3200-Einwohner-Ort, der jährlich 240.000 Gäste zählt, wichtig sind: Unter einem Dach haben Touristen-Information, Stadtbibliothek und eine Sammlung mit Literatur zu Fotografiethemen ihren Platz gefunden. Gäste können hier bei Workshops ihre Fotokenntnisse ausbauen.
Ribnitz-Damgarten ist nicht weit entfernt. Den großen Marktplatz säumen die Kirche auf der einen und das Rathaus auf der gegenüberliegenden Seite. Aber ein echter Hingucker ist auch hier ausgerechnet die Touristen-Information zwischen den beiden Bauwerken. Und so posiert ein sandalentragender Urlauber fürs obligatorische Erinnerungsfoto nicht etwa vor dem altehrwürdigen Rathaus, sondern lässt sich vor dem modernen rotbraunen Quader ablichten.
Die meisten Besucher des Ortes - rund 75.000 pro Jahr - zählt aber das Deutsche Bernsteinmuseum. Und das ist auf jeden Fall in einem architektonischem Schmuckstück zu Hause: "Ein altes Kloster, neu genutzt", erklärt Olaf Bartels, "zwei Gebäudeteile, die nun mit einem Glastunnel verbunden sind." Das Kloster wurde 1330 gegründet und bestand bis 1587, bis ins 20. Jahrhundert lebten evangelische Stiftsdamen hinter den Klostermauern.
Andreas Heimann/dpa/dkr
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