Mehrtages-Wanderungen durch Deutschland Ein Weg, viele Kurzurlaube

Ob Moselsteig, Erzweg oder Heidschnuckenweg - in Deutschland gibt es unzählige Mehrtages-Wanderwege. Wer keine Urlaubstage opfern will, kann sie auch etappenweise ablaufen. So finden Sie die passende Tour.

Dominik Ketz / Lüneburger Heide

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Die Birken, Buchen und Blaubeerbüsche zeigen ein vorsichtiges Grün, die Heide ist braun und struppig. Dafür legen sich die Singvögel ins Zeug, und Graugänse rufen sich im Flug. Kaum ein Mensch ist unterwegs, als ich an diesem Samstagmorgen auf dem Heidschnuckenweg einem Kurzurlaub entgegenwandere.

Dabei bin ich nur 22 Regionalexpress-Minuten entfernt vom Hamburger Hauptbahnhof gestartet: in Buchholz. 15 Kilometer liegen vor mir auf der zweiten Etappe des Weitwanderweges, der in 14 Teilabschnitten 223 Kilometer weit von Hamburg-Neugraben bis zum Celler Schloss führt. Durch die kleine Höllenschlucht, auf den 129 Meter hohen Brunsberg und durch das Büsenbachtal geht es heute. Eine Karte benötige ich fast nicht: Überall zeigt mir die deutliche Markierung mit einem weißen "H" auf schwarzem Grund den Weg.

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Lüneburger Heide: Moore und Schnucken

Mein Plan: Irgendwann möchte ich den gesamten Heidschnuckenweg abgelaufen haben. Zunächst nehme ich mir einzelne Tagesetappen vor, die von meinem Wohnort Hamburg mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar sind. Dann Wochenenden mit ein oder zwei Übernachtungen. Und dann vielleicht auch mal eine Woche, wenn die An- und Abreise zu kompliziert und zu lang für einen Kurztrip werden.

Ein "Abenteuer vor der Haustür" stelle ich mir vor, bei dem ich Unbekanntes entdecken werde: denn viele der eigentlich so nahen Naturschutzgebiete, der Orte und Landschaften zwischen Hamburg und Celle kenne ich noch nicht.

147 Mehrtages-Touren in Deutschland zur Auswahl

Der Heidschnuckenweg wurde erst vor sechs Jahren eröffnet und zählt zu den vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneten Qualitätswanderwegen. 200 solcher Wege, die bestimmte Kriterien wie lückenlose Markierung, Rastmöglichkeiten, Ruhe oder naturnahe Wege erfüllen müssen, gibt es in Deutschland. 147 davon sind Mehrtages-Touren - ein schier endloses Potential für Kurzurlaube oder eben ein allmähliches Erkunden. Auf der Webseite des Wanderverbands lassen sich die längeren Touren leicht herausfiltern, auch der Bildband "Wanderbares Deutschland" aus dem Kompass-Verlag zeigt eine Auswahl.

Die Wahl fällt schwer - wenn es nicht gleich der nächstgelegene Pfad sein soll. Jede Tour klingt auf ihre Art spannend - ob zum Beispiel Uckermärker Landrunde, Pfälzer Weinsteig, Fränkischer Gebirgsteig oder der Albsteig auf der Schwäbischen Alb. Hilfreich ist daher, sich erst einmal über die eigenen Wünsche klar zu werden.

  • Soll es entlang eines Flusses, durch ein (Mittel-)Gebirge oder besondere Landschaften wie die Heide gehen?
  • Gibt es Themen, die ich spannend finde - wie Burgen, Wein, Kunst oder Schluchten?
  • Wie viele Tage möchte ich unterwegs sein?

Sobald zwei, drei Favoriten in der engere Wahl sind, stehen Planung und Praxischeck an:

  • Kann ich Anfang- und Endpunkte der Tour oder der einzelnen Etappen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen? Beziehungsweise, bringen mich Bus oder Bahn zum abgestellten Auto zurück? Verkehrsverbindungen bis in Dörfer hinein lassen sich bei der Deutschen Bahn checken. Vielleicht lässt sich auch ein privater Bring- und Abholservice organisieren. In manchen Regionen verkehren zur Hochsaison Wandershuttle - wie der Heide-Shuttle in der Lüneburger Heide. Oder es gibt Touristentickets, die kostenlos und komfortabel sind - wie die Konus-Gästekarte im Schwarzwald. Manchmal kann es verkehrstechnisch auch günstiger sein, die Etappen zu verlängern oder zu verkürzen - eine Karte hilft bei der Planung.
  • Wandere ich mit oder ohne Gepäck? Wer sich unabhängig und als Freizeitvagabund fühlen will, hat alles auf dem Rücken dabei - von der Zahnbürste, über Wechselwäsche, Taschenmesser und Regenkleidung. Ein Zehn-Kilogramm-Rucksack kommt da für mehrere Tage leicht zusammen, schwerer sollte er nicht werden. Viele Unterkünfte und Tourismusregionen bieten "Wandern ohne Gepäck" an: Gegen einen Aufpreis wird der Koffer zum nächsten Hotel transportiert und wartet dann schon im vorgebuchten Zimmer. Oft gilt dieses Angebot aber nur ab zwei Personen.
  • Wo übernachte ich? Auf Übernachtungsportalen im Internet, Webseiten der Wanderwege und des Wanderverbandes und im Zweifel direkt bei der zuständigen Tourismuszentrale lassen sich Infos über Hotels und Pensionen am Wegesrand finden. Für eine Nacht ein Zimmer zu bekommen, ist manchmal schwierig, aber in der Nebensaison eher möglich. Ohne Buchungsmühen, aber auch teurer sind die Pauschalpakete der Tourismuszentralen, die oft Gepäcktransport, Übernachtung und vielleicht auch Lunchpaket beinhalten.

Der Heidschnuckenweg gehört zu den bekannteren Weitwanderwegen in Deutschland. Hier sind zudem neun weitere Qualitätswanderwege, die vielleicht den ein oder anderen Wanderer inspirieren:

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
noalk 28.04.2018
1. typisch deutsch
Da hat irgend jemand zwecks Ankurbeln des Tourismus' eine Route vorgekaut, und der phantasielose Wanderer latscht sie ab. Man kann hierzulande von überall nach überall wandern.
thequickeningishappening 29.04.2018
2. # 1
So isses. Wer will Der findet immer interessante Wege; ich bevorzuge Tagesausflüge und achte darauf, alleine bzw. mit meiner Frau in der Natur zu sein.
kopp 29.04.2018
3. Gewarnt sei vor dem Naturistenweg in Undeloh
Es ist nicht jedermanns Sache, wenn einem urplötzlich fette Nacktärsche beiderlei Geschlechts kurzzeitig auf dem Heidschnuckenweg begegnen. Dies kann in der Nähe von Undeloh am Örtchen Wesel durchaus passieren.
d-c-r 29.04.2018
4. Zu Kommentar #01
Volle Zustimmung, wenn man viel und gut ausgerüstet wandern geht. Für alle anderen, inkl. mir, sind die vorgefertigten Wege, oft mit langer Geschichte, eine tolle Sache. Man verläuft sich nicht, findet eine adäquate Infrastruktur, und trifft gleichgesinnte Menschen.
Papazaca 29.04.2018
5. Alles gut finden, fundierte Kritik und dann die Miesmacher
@noalk Ich könnte jetzt einfach antworten und behaupten, ja, die Deutschen machen alles mies. Aber dieses Stereotyp trifft eben nicht auf alle Deutsche zu, sondern nur auf einige. Schon in der Sache haben Sie nicht recht. Es werden mehrere Routen vorstellt und es gibt viele hunderte von Routen.Die Lüneburger Heide ist übrigens ein wahres Kleinod, auch wenn Sie manchmal arg überlaufen ist. Man muß sich eben die richtige Zeit aussuchen. Sie haben recht, man kann überall von A nach B wandern. Aber es macht doch Sinn von den Erfahrungen anderer zu profitieren, nicht immer die Karte rausholen zu müssen. Außerdem kann man sich auch in Deutschland verlaufen. Und viele Wanderer schätzen Hilfe bei Vorschlägen von guten Touren, Markierungen der Wanderwege und Hinweise auf Hotels, Hütten, Jugendherbergen und Gepäckservice. Wer etwas in der Welt rumgereist ist, freut sich darüber. So wie es in vielen Ländern keine freiwillige Feuerwehr gibt, haben die vielen Wandervereine ein einmaliges System aufgebaut, das es so selten in der Welt gibt. Sorry, aber "dieses "typisch deutsch-Gerede ist nur langweilig, trifft nicht zu und hat eher mit dem Kommentator zu tun als mit den Deutschen. Im Gegenteil, dieser Bericht ist sehr gut, zeigt anhand des Heidschnuckenweges, wie schön Wanderungen sein können, das man alles machen kann, von einer Eintageswanderung bis zu langen Wanderungen. Und die Auswahl ist riesig und liegt oft vor der Tür. Ich habe vielleicht 100 Länder kennengelernt, bin mit dem Mountainbike-Bike von Usedom nach Berchtesgaden gefahren. Deutschland ist ein tolles Land, viel schöner als viele ahnen, Wandern lohnt sich wirklich und kann riesig viel Spass machen.
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