Möllerbunker in Duisburg Abtauchen im Industriegebiet

Klein wie ein Swimmingpool und nur sieben Meter tief: Einer der ungewöhnlichsten Tauchplätze Deutschlands ist der Möllerbunker im Ruhrgebiet. Trotz kurzer Distanzen ist seine Erkundung nichts für Anfänger.

Erik Hesse

Von Linus Geschke


Es ist kalt hier, dunkel sowieso. Wassertropfen fallen von den rostigen Wänden, der Straßenlärm ist ausgesperrt, die Luft riecht modrig. So ähnlich muss es sich in einem Verließ anfühlen, vergessen vom Rest der Welt. Oder in einem Bunker.

Bei dem Wort Bunker denken die meisten Taucher, die in den Duisburger Landschaftspark Nord kommen, an Krieg und Gefahr. An Luftangriffe und hämmerndes Artilleriefeuer. Sie haben Bilder von Hitlers "Führerbunker" vor Augen und solche aus dem Film "Der Untergang" - und gerade mit letztgenannter Assoziation liegt man gar nicht so verkehrt. Denn untergehen wollen sie ja, die Taucher.

Dabei war die Bestimmung des Möllerbunkers schon immer eine durch und durch friedliche. Er ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als das Ruhrgebiet noch Feuer und Rauch spuckte; als Stahl in lodernden Flammen geschmiedet wurde und das Gold des Reviers noch schwarz glänzte.

Als hier noch die Hochöfen betrieben wurden, lagerte man in solchen Bunkern Grundstoffe wie Eisenerz und Koks ein. Das Gemisch nannte man Möller, daher der Name dieses Bunkers. Die Mölleranlagen galten einst als der dreckigste Arbeitsplatz im Revier. Dann kam die Stilllegung. Die anschließende Überflutung durch Regenwasser. Und am Ende die Taucher.

Einer davon ist der Bochumer Polizeibeamte Erik Hesse. Kaum ein Monat vergeht, in dem der 54-Jährige dort nicht abtaucht. Er behauptet, bei jedem Abstieg immer noch etwas Neues zu entdecken: Leitungen, Rohre, Schnecken, Stichlinge oder verborgen angebrachte Typenschilder. Und das, obwohl der eigentliche Tauchbereich mit sieben Meter Wassertiefe und einem Grundriss von lediglich 10 mal 15 Metern alles andere als spektakulär groß ist.

Enge und Dunkelheit

Es ist eng hier, sehr eng. Das fängt schon beim Einstieg an, der kaum mehr als ein mit einer Gittertür verschlossenes Loch ist. Dahinter führt eine steile Treppe nach unten, es folgt eine Luke, dann steht man vor der Wasseroberfläche, die dunkel und hart wirkt.

Und diese Enge setzt sich auch unter Wasser fort. Gute Tarierfähigkeiten sind bei den Tauchern gefragt: ein Berühren des sedimentbedeckten Bodens, ein falscher Flossenschlag, schon ist die Sicht dahin. Und null Sicht bedeutet auch null Ahnung, wo der Ausgang ist.

"Für Anfänger ist die Anlage nicht zu empfehlen, ebenso wenig für Taucher, die Probleme mit Enge und Dunkelheit haben", sagt Hesse. "Wer hier abtauchen möchte, sollte wenigstens schon ein paar Nachttauchgänge absolviert haben. Erfahrungen mit Wracks oder Höhlen sind auch vorteilhaft, außerdem ist eine kaltwassertaugliche Ausrüstung Pflicht."

Wer aber aufpasst, wird im Möllerbunker mit guten Sichtweiten belohnt. Gerade dann, wenn man zur ersten Gruppe des Tages gehört. Im Schein der Lampen tauchen Gitterroste auf, ein Geländer und von der Decke hängende Stromkabel. Man sieht Schalter, auf die kein Kumpel mehr drückt, und Schaufeln, die umgekippt auf dem Boden liegen. Ein großer heller Fisch scheint mit der Nase im Sediment zu stecken - nein, bei näherem Hinsehen sind es nur Gummistiefel.

Minute für Minute wird die Sicht jetzt schlechter: Das hat nichts mit den Fähigkeiten der Taucher zu tun, das liegt am Rost, der durch die aufsteigenden Luftblasen von der Decke gelöst wird und fein wie Schnee nach unten rieselt.

Im Prinzip taucht man nicht durch den Bunker; man verharrt in ihm. Schaut sich alles an, macht ein paar Flossenschläge, stoppt und schaut erneut. So stößt man auch nicht überall an, mit dem Arm, der Pressluftflasche auf dem Rücken, dem Kopf.

Tauchgebiet dank Eigeninitiative

Betreut wird das Tauchen im Möllerbunker vom Verein Taucher im Nordpark Duisburg e.V. Seit 1993 erkunden sie in der Industrieruine sämtliche gefluteten Bereiche. Sie kümmern sich um die Webseite, übernehmen die komplette Gewässerreinigung und haben auch den in direkter Nachbarschaft liegenden Gasometer für Taucher vorbereitet.

Denn im Duisburger Landschaftspark Nord, der über die Jahre zu einer Art Disneyland für Liebhaber verfallener Industrieanlagen wurde, ist der Möllerbunker nicht die einzige Tauchattraktion. Viel größer und bekannter ist der Gasometer; ein kugelförmiger Bau, in dem einst Gas gespeichert wurde und der heute mit 21 Millionen Liter Wasserinhalt das größte Indoor-Tauchbecken Europas darstellt.

Seit 2005 steht der Gasometer jedem Taucher offen, er wird intensiv genutzt. Viele Ausbildungen, hohe Besucherzahlen. Beim Möllerbunker ist dies anders. Ohne Begleitung eines Vereinsmitglieds bleibt einem der Zutritt verwehrt, und das ist auch gut so, findet Erik Hesse. Er sagt, dass der Bunker für einen größeren Besucheransturm eh viel zu klein sei. Und wahrscheinlich findet er auch, dass er dann nicht mehr bleiben würde, was er jetzt noch ist: eines der letzten Abenteuer im Ruhrgebiet.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
benmiwe 14.09.2015
1.
Der Gasometer im Duisburger Landschaftspark ist ein Zylinder und keine Kugel.
order66 14.09.2015
2. Sag mal Linus
warst du überhaupt da? Die Coladose ist ein Zylinder und die meisten die drin waren, wollen nicht nochmal rein. Voller Rost und sog. Wracks. Und soviel ist da auch nicht los!
k70-ingo 14.09.2015
3.
Zitat von order66warst du überhaupt da? Die Coladose ist ein Zylinder und die meisten die drin waren, wollen nicht nochmal rein. Voller Rost und sog. Wracks. Und soviel ist da auch nicht los!
Der Bericht bezieht sich auf den Möllerbunker -der ist hinter den beiden Hochofentürmen- und nicht auf das als Tauchbecken umgebaute Gasometer rechts vom Haupteingang.
mg68 15.09.2015
4. Tja...
einerseits könnte es um Herrn Hesse nun recht unruhig werden ob der zu erwartenden Anfragen; andererseits ist der Möllerbunker ja nicht mal ein Bunker in dem Sinne, der eine gewisse Fangemeinde anlocken könnte... Taucherisch zähl ich mich zwar schon zu der Fraktion "hauptsache Wasser überm Kopp"...aber man muss doch nicht wirklich in jedes Rostloch...
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