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Eröffnung des Moselsteigs: Wandern zwischen Weinproben

Warum nicht mal deutsche Romantik tanken? Der Moselsteig führt durch eines der schönsten Flusstäler des Landes. Für den 365 Kilometer langen Fernwanderweg wurden mehr als tausend Wegweiser aufgestellt und neue Verbindungen gebaut. Mitte April wird er eröffnet.

Moselsteig: Wandern, Wein und Weitsicht Fotos
Heidrun Braun / SRT

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Durch eine der sehenswertesten Landschaften Deutschlands wandern, vorbei an Weinbergen und Winzerschenken für die Weinprobe zwischendurch - der Moselsteig hat das Potential zur Lieblingsstrecke. Das sieht auch die Europäische Wandervereinigung so: Noch vor seiner offiziellen Eröffnung am 12. April in Bernkastel-Kues hat der Verband den neuen 365 Kilometer langen Fernwanderweg getestet und ihm das Prädikat "Leading Quality Trail - Best of Europe" verliehen.

Die Auszeichnung ist keine Überraschung, denn die in 24 Etappen von elf bis 24 Kilometer Länge aufgeteilte Strecke führt durch das wohl schönste Flusstal Deutschlands: von Perl am deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck bis zur Mündung in den Rhein in Koblenz. Dabei bleibt der Wanderweg dem Lauf der Mosel treu, die sich mal grün schimmernd, mal golden glänzend durch die Landschaft schlängelt.

"Wir haben bei der Planung des Steigs viele der schönsten Wanderwege an der Mosel miteinbezogen", sagt Michael Teusch vom Planungsteam, der gerade auf dem "Felsenweg Nittel" die Ausschilderung kontrolliert. Orange auf weißem Grund prangen die Markierungen an Weinbergmauern und Bäumen, dahinter ziehen sich die Rebstöcke die Hänge hoch.

Im Oktober hatte man mit der Kennzeichnung der Strecke begonnen, unter anderem wurden mehr als tausend Wegweiser aufgestellt. Die Planung für den neuen Fernwanderweg begann 2009. Der Moselsteig führt nach Auskunft der Mosellandtouristik, der Marketingagentur der Region, über Abschnitte des seit mehr als 100 Jahren bestehenden Moselhöhenwegs, teils habe man für den "Qualitätswanderweg" aber auch neue Strecken geschaffen.

"Seitensprünge" und "Traumpfade" abseits der Hauptstrecke

Während an der Obermosel die Landschaft weitläufig und offen ist, verändert das Flusstal ab Trier seinen Charakter. Die Weinhänge werden steiler, und die Mosel mäandert in zahlreichen Schleifen, als könne sie sich nicht entscheiden, in welche Richtung sie ihre Reise fortsetzen will. Der Moselsteig lässt keine der grandiosen Aussichten aus und wechselt aus diesem Grund 13-mal die Uferseite. Auf Rundwegen, fünf sogenannten Seitensprüngen und sieben Traumpfaden können die Wanderer Abstecher abseits der Hauptroute unternehmen.

Auch die Wege selber sind abwechslungsreich: Mal federn die Schritte auf weichem Wald- und Grasboden, mal gibt es eine Kletterei im Gänsemarsch auf felsigen Pfaden. Dann wieder spaziert man auf breiten Trassen zwischen den Reben dahin. Am Ufer liegen Winzerschenken mit lauschigen Innenhöfen - gut für eine Pause im Tal. Von der ausgeschilderten Route ist der Weg in einen der Winzerorte nie weiter als zwei Kilometer.

Keiner gleicht dem anderen: In Trier beeindrucken die Römerbauten, Bremm präsentiert den steilsten Weinberg Europas, Traben-Trarbach punktet mit Jugendstilbauten, Ürzig überrascht mit einem Gewürzgarten mitten im Weinberg, in Neumagen-Dhron schippert man im Römerschiff über die Mosel, und Beilstein bietet mittelalterliche Fachwerkbauten auf engstem Raum.

So ruhig wie auf dem Moselsteig, wo nur Vogelgezwitscher zu hören ist und höchstens mal eine Eidechse blitzschnell ins Laub huscht, ist es in den Orten nicht. Die meisten der vielen Touristen kommen nicht zu Fuß, sondern in Bussen oder mit den Moselschiffen. Aber am Nachmittag wird es ruhiger, und die Gäste, die hier übernachten, erholen sich nach dre Wanderung beim Winzer, der schon mal eine Flasche Elbling brut mit dem Champagnersäbel öffnet.

Rieslingsuppe am Moselufer

Lisa Möntenich, Kultur- und Weinbotschafterin in Cochem, schafft es selbst in touristischen Hochzeiten, den stark frequentierten Moselort von seiner ruhigen Seite zu zeigen. Von April bis Oktober führt sie jeden Sonntag treppauf und treppab durch die alte Bischofsstadt - als Erstes hinauf zum Kapuzinerkloster, das im 17. Jahrhundert auf einem Felsen erbaut wurde. Weit unten schlägt die Mosel ihren letzten großen Bogen, bevor sie sich auf geradem Weg gen Koblenz begibt. Von oben überblickt man die ganze Stadt mit der imposanten Cochemer Reichsburg.

In den Weinbergen leuchten die roten Polster des weißen Mauerpfeffers zwischen den Trockenmauern. "Der Name bezieht sich auf die weißen Blüten der Pflanze, die die Futtergrundlage für die Raupe des seltenen Apollofalters ist, der im Sommer auf dem Moselsteig zwischen Valwig und Cochem flattert", erklärt Lisa Möntenich.

Im April verwandelt der Rote Weinbergpfirsich die Hügel in ein rosarotes Blütenmeer. Die eher unscheinbare und harte Frucht war über viele Jahre fast in Vergessenheit geraten. Mittlerweile ist sie eine Delikatesse und wird als Konfitüre, Likör und Torte serviert. Lokale Produkte werden auch hier immer beliebter.

Im Hatzenporter Weingut Gietzen etwa kocht die Winzerin Maria Gietzen mit Wein. Sie hat schon zwei Kochbücher herausgegeben - ihre Rieslingsuppe ist ein Gedicht. Lorbeerbäume und große Oleanderbüsche schmücken das moseltypische Bruchsteinhaus am Flussufer. Im kopfsteingepflasterten Innenhof sitzt man unter einer üppig blühenden Glyzinie. Und das ist nur einer von vielen romantischen Orten an der Mosel, die zu einer Wanderrast einladen.

Heidrun Braun/srt/emt

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