Wandern mit Kindern: Achtung, fliegende Tannenzapfen!

Wandern? Wie öde! Naturbegeisterte Eltern wissen, wie mühsam es sein kann, den Nachwuchs für die Berge zu begeistern. Ein Tiroler Führer hat Tipps parat - bei ihm stehen keine langen Aufstiege auf dem Programm, sondern Räuberhöhlen und Schneerutschen.

Räuberhöhle und Schneeballschlacht: Was Kinder zum Wandern bringt Fotos
Roland Schuler

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"Ihr entscheidet: Wollt ihr den kurzen, langweiligen Weg gehen oder den langen mit steilem Pfad und Räuberhöhle?" Joe Astner schaut in die Runde. Aus zwölf Mündern schallt dem Tiroler Wanderführer entgegen: "Langer Weg!" Auch von den Kindern, die durchaus lesen können, dass auf den gelben Wegweisern eineinhalb Stunden Gehzeit für die gewählte Variante geschrieben steht - gegenüber 20 Minuten für die kurze Strecke, die auf einer breiten Forststraße direkt zum Ziel führt.

Also, links abgebogen und losmarschiert. Die Eltern zollen dem Motivationskünstler Respekt, der Nachwuchs saust los. Die Teenager voran, die Kleineren wie ein Bienenschwarm hinterher.

Natürlich hatte auch diese Gruppe zunächst gemurrt, als Astner sie in Hopfgarten am Fuß der Hohen Salve in den Kitzbüheler Alpen willkommen hieß. "Müssen wir da wirklich mit?", maulten die Großen, die viel lieber auf dem Hotel-Bolzplatz gekickt hätten. "Da tun mir bestimmt bald die Füße weh", jammerte das vierjährige Nesthäkchen. Joe lächelte und überhörte beides.

Trinkflasche und Blasenpflaster

Nun kramt er in seinem Rucksack. "Was muss unbedingt mit, wenn ihr auf den Berg wollt?", fragt er. "Brotzeit" sagt Nikolas, der sich gerade noch hinter dem Papa versteckt hat. Der Wanderführer zieht die passende Box heraus. Weil diesmal eine Mittagsrast im Gasthaus geplant ist, fällt das Jausenpaket übersichtlicher aus.

Ein paar Äpfel, Müsliriegel und, ganz wichtig: Traubenzucker. "Der gibt bei Durchhängern schnell Energie und schmeckt Kindern", sagt Astner, schließlich hat er auch als Familienvater Erfahrung. Noch wichtiger als die Brotzeit ist die mit Wasser, Tee oder Saftschorle gefüllte Trinkflasche.

In einer zweiten Box sind Desinfektionsspray, Blasen- und Heftpflaster verstaut. Schnelle Hilfe für aufgeschürfte Knie nach einem Sturz beim Toben oder wenn die ungewohnten Stiefel die Kinderhaut aufreiben. Regenjacke und Mütze gehören auch an schönen Tagen in den Rucksack, weil das Wetter in den Bergen rasch umschlagen kann. Umgekehrt gilt es, auch an trüben Tagen Sonnencreme einzupacken.

Astner wirft einen letzten prüfenden Blick in die Runde, ob alle geeignetes Schuhwerk (bis über die Knöchel und mit Profilsohle) und Kopfbedeckung tragen. Dann stapft er zur Bergbahn. Die ambitionierte Wanderin in der Gruppe rümpft die Nase. Der erfahrene Bergführer erklärt, warum er die flotte Fahrt mit der Gondel dem sportlichen Aufstieg vorzieht.

Gerade Kinder können dem Fitnessgedanken der Eltern in der Regel wenig abgewinnen. Angesichts der gewaltigen Aufgabe, einen so großen Berg zu bezwingen, sinkt die Moral schnell in den Keller. Dagegen ist die Fahrt mit der Bergbahn nicht nur für Flachlandkinder ein Erlebnis. In der Regel eröffnen sich oben noch viele Möglichkeiten: einen Gipfel besteigen, einen Rundweg gehen oder einfach nur am Bergbach spielen.

"Wer fährt mit Ski?"

Auch auf der 1829 Meter hohen Hohen Salve ist die Auswahl groß. Eine kinderwagentaugliche Variante ist der Sonnenweg unterhalb des Gipfels, der von Sonnenuhr zu Sonnenuhr führt und als eindrucksvolle Attraktion eine Windharfe hat. Dreht man sie in die richtige Richtung, streicht der Wind die Saiten. Man könnte im Süden aber auch den Abstieg zum Filzalmsee angehen, dort mit Muskelkraft den Wasserriesen aus dem klaren Nass aufsteigen lassen und mit nackten Zehen durch das Moorbecken waten.

Joe hat sich für die Schleife um die Kleine Salve hinüber nach Hochsöll entschieden und den ersten großen Motivationsschub gleich vor der Nase. Als Relikt des langen Winters liegt neben dem Weg ein großes Schneefeld. "Wer fährt mit mir Ski?" Knie gebeugt, Gewicht nach hinten - und schon geht es im Telemarkstil nach unten.

Nicht nur die Mutigen haben riesigen Spaß. Den Zögernden reicht der Wanderführer die Hand, und bald rutschen alle lachend über den Schnee. Nicht nur einmal. Und natürlich gibt es zum Abschluss eine Schneeballschlacht.

Überfall an der Räuberhöhle

Ob Groß oder Klein, keiner meckert. Joe erzählt Geschichten und erklärt Interessantes entlang des Wegs: die Silberdistel, die mit offener Blüte schönes, mit geschlossener schlechtes Wetter anzeigt. Den Wegweiser, der mit Stacheldraht umwickelt wurde, damit ihn keine Kuh beim Kratzen umwirft und damit unbrauchbar macht.

Die Einheimischen, die von den Fichten die zartgrünen Spitzen abzupfen, um daraus köstlichen Sirup zu kochen. Das unter einem Felsvorsprung versteckte Heiligenbildchen, das eine heilsame Quelle anzeigt, von der jeder einen Schluck aus der zur Schale gewölbten Hand nimmt.

Mal gibt es einen kleinen Wettbewerb, wer mit Tannenzapfen einen bestimmten Baumstamm trifft. Mal suchen die Kinder funkelnden Glimmerschiefer. Und nachdem sie konzentriert im Gänsemarsch die schmalste Wegstelle passiert haben, kommt auch die Räuberhöhle.

Erst kriechen die Großen unter den überhängenden Fels, dann auch die Kleinen, um alle gemeinsam mit lautem Geschrei und dem ein oder anderen Tannenzapfen die Eltern aus dem Hinterhalt zu überfallen. Kinderaugen strahlen - Wandern kann ja doch Spaß machen!

Informationen des Tourismusverbands der Ferienregion Hohe Salve
Ferienprogramm im Salvenaland
Jeden Montag findet im Rahmen des Ferienprogramms im Salvenaland eine gemeinsame Familienwanderung statt. Treffpunkt, Info und Anmeldung im Kids Club an der Talstation Bergbahn Hopfgarten. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Kind fünf Euro zzgl. Liftticket. Kontakt: Tourismusverband Ferienregion Hohe Salve in den Kitzbüheler Alpen, Bahnhofstr. 4a, A-6300 Wörgl, Tel. 0043/5332/76007, www.hohe-salve.com
Tourenvorschläge
Gute Tourenvorschläge findet man in der kostenlosen Bergbahn-Broschüre "Aussichtsberg Hohe Salve". Für zusätzliche Motivation gibt es in den Kitzbüheler Alpen eine Vielzahl von Erlebniswelten für Familien. Das bekannteste ist das Hexenwasser in Hochsöll, bei dem Natur und Bergwelt für die ganze Familie spielerisch erlebbar wird.

Heidi Siefert/srt/abl

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Geocaching
redspot 06.07.2013
Geocaching ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Kinder zur "Schatzsuche" zu animieren. Dazu braucht es nur einen GPS-Empfänger oder ein Smartphone mit GPS. Alles weitere gibt es kostenlos im Internet.
2. Das schönste auf der Welt
al2510 06.07.2013
Zitat von sysopWandern? Wie öde! Naturbegeisterte Eltern wissen, wie mühsam es sein kann, den Nachwuchs für die Berge zu begeistern. Ein Tiroler Führer hat Tipps parat - bei ihm stehen keine langen Aufstiege auf dem Programm, sondern Räuberhöhlen und Schneerutschen. Motivationstipps: Wie man Kindern Lust auf Wandern macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/motivationstipps-wie-man-kindern-lust-auf-wandern-macht-a-906235.html)
ist es die Welt zu betrachten, unterwegs zu sein, die Wolken, die Wellen und die Blumen zu sehen und sich selber dabei zu vergessen. Nichts macht mich glücklicher, leider ist man schnell alt und kommt nicht mehr aus dem Haus.
3. können mehr als man meist glaubt
Blue0711. 06.07.2013
Die Kleinen darf man nicht unterschätzen. Und es muss nicht immer "Action" sein. Die höheren Regionen der Alpen bieten schon so Abenteuer genug, der auch die kleinen in Staunen versetzt. Man muss sie nur früh genug daran heranführen, damit der Berg ruft. So bekommt man auch mit 10 seinen ersten 3000er, mit 11 einen Besuch an der Fundstelle Ötzis hin und ein Paar genutzte Steigeisen ins Gepäck. Ein kleiner Klettersteig dazwischen darfs dann natürlich auch sein (Vorsicht, da wird man dann schnell abgehängt ...) Aber auch Mittelgebirge wie der Schwarzwald können mit einer Tour über die Schutzhütten ein kleines Abenteuer werden. Denn auch da gibt es Tolles zu entdecken. Tiere, wildverwachsene Pflanzen, verwunschene Hütten, Traumseen, geheimnisvolle Steine und Inschriften. Wie gesagt: Früh anfangen, kleine Touren mit Anspruch bis 2h Erwachsenen-Gehzeit (wird dann das doppelte) gehen schon mit 4 (am Seil). Und ganz toll ist es für die Kleinen, wenn sie selbst den Weg finden. Als ab nach hinten mit dem Kartenleser.
4. Das wächst sich mit der Zeit raus.
loki21 06.07.2013
Zitat von sysopWandern? Wie öde! Naturbegeisterte Eltern wissen, wie mühsam es sein kann, den Nachwuchs für die Berge zu begeistern. Ein Tiroler Führer hat Tipps parat - bei ihm stehen keine langen Aufstiege auf dem Programm, sondern Räuberhöhlen und Schneerutschen. Motivationstipps: Wie man Kindern Lust auf Wandern macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/motivationstipps-wie-man-kindern-lust-auf-wandern-macht-a-906235.html)
Ich glaube, dass dies eine völlig normale Sache ist und es eine persönliche Entwicklung im Laufe des Lebens bedarf, um die Lust am Wandern zu finden. Ich kenne dies aus eigener Erfahrung. Was habe ich als Kind nicht Spazieren gehen und Sonntagswanderungen mit den Eltern gehaßt. Langweilig! Jetzt mit Mitte 30 ist es faßt zur Obsession geworden. Ob es nun die alljährliche 100km-Tour rund um Jena ist, eine Alpenüberquerung oder auch mal einfach nebenbei vom Antlantik zum Mittelmeer zu schlendern. Beim Wandern kann ich abschalten und auf neue Ideen und Gedanken kommen. 20 km sind heute für mich keine Strecke mehr. Als Kind war dies anders. Aber Kinder nehmen nicht nur die Zeit gegenüber Erwachsenen als gedehnt war, ein Tag war eine Woche voller Ereignisse, sondern auch Distanzen erscheinen viel gewaltiger. So durfte ich als Kind nur bei Feldarbeit aushelfen. So ein Feld von fast 1 km Länge erschien dabei unendlich. Und genauso verhielt es sich mit Wandern. Elendig lange Touren wo nichts passierte. Lieber wollte man bolzen, nen Baum hochklettern oder sonstigen Blödsinn anstellen. Alles blos nicht Wandern!
5.
Darjaan 07.07.2013
ich bezweifele dass das Tannenzapfen waren, denn die liegen nicht am Boden herum... Tannenzapfen zerbröseln auf dem Ast und fallen nicht als Ganzes ab... alle "Zapfen" die man im Wald auf dem Boden findet sind Fichtenzapfen...
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