München Wiesn-Preise steigen doppelt so schnell wie Inflation

Bis zu 13 Euro für die Maß Bier und 14 Euro für ein halbes Hendl: Oktoberfest-Besucher müssen tief in die Tasche greifen. Die Preise des Münchner Volksfests schießen in die Höhe - und haben mit der normalen Teuerung nichts zu tun.

Hoch die Maß: Die Wiesn ist ein teurer Spaß
ddp

Hoch die Maß: Die Wiesn ist ein teurer Spaß


München - Nur noch wenige Tage herrscht in München Ausnahmezustand - am Sonntag klappen die Festzelte ihre Bierbänke hoch und das 176. Oktoberfest ist beendet. Kurz vor Schluss berichtet das Münchner Wirtschaftsmagazin "Focus-Money" unter Berufung auf eine Studie der Großbank Unicredit/HVB, wie teuer die Wiesn ihren Anhängern kommt: Die Kosten für einen Wiesn-Besuch steigen fast doppelt so schnell wie die Inflation.

Aus den Preisen für zwei Maß Bier, ein halbes Hendl und einer Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr berechnete die Bank einen Wiesnbesucher-Preisindex, der von 1985 bis 2009 um 140 Prozent stieg. Jährlich zogen die Preise im Schnitt um 3,7 Prozent an - die allgemeine Teuerung aber nur um zwei Prozent.

"Am stärksten ist der Bierpreis in die Höhe geschossen", sagte Autor Alexander Koch dem Magazin. Kostete die Maß 1985 noch umgerechnet 3,10 Euro, sind es 2009 im Schnitt 8,35 Euro - ein Plus von 168 Prozent oder vier Prozent jährlich. Außerhalb der Wiesn verteuerte sich Bier in dem Zeitraum aber nur um 1,5 Prozent jährlich. "Die Wiesn ist eine Sonderwirtschaftszone", sagte Koch. Dieses Jahr steigt der Wiesn-Index den Angaben zufolge um 2,9 Prozent - bei einer erwarteten Inflation von 0,5 Prozent.

Bereits im Mai, als die Bierpreise für das diesjährige Oktoberfest bekannt gegeben wurden, erhob sich Protest. Scharfe Kritik äußerte der Verein gegen betrügerisches Einschenken (VGBE). "Das ist Gier pur und schadet dem Volksfestcharakter des Oktoberfestes", betonte Vereinschef Jan-Ulrich Bittlinger damals.

Er verlangte von den Verantwortlichen im Münchner Rathaus, endlich die Forderung des Vereins zu übernehmen und eine Preisobergrenze für das Wiesn-Bier festzulegen. "Wenn die Stadträte nicht einschreiten, dann läuft die Wiesn-Marktwirtschaft aus dem Ruder", warnte Bittlinger.

abl/ddp



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