1 Stadt, 21 Fragen - Münster Tatort Freibad

Töttchen, dazu ein Bier und nachts am Steiner See in Hiltrup spazieren gehen: SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer über Münster, die Heimat des katholischen Humors.

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    Ob Münster, Dresden oder Paris - in der Serie "1 Stadt, 21 Fragen" stellen SPIEGEL- und SPIEGEL-ONLINE-Redakteure und -Autoren ihre Heimat- und Lieblingsstädte vor.

Welches Buch passt zu dieser Stadt?

Man braucht minimales Abstraktionsvermögen, aber dann... "Atemübungen", "Der leuchtend blaue Faden", "Dinner im Heimweh-Restaurant". Also alles von Anne Tyler. Diese wunderbarste aller Schriftstellerinnen beschreibt Baltimore, schon klar, aber dieses Kleinstädtisch-Metropolische, das Sehnsüchtig-Spießige, dieses Betrügerisch-Treue der Menschen von Tylers Baltimore, das ist Münster. Ansonsten: Jürgen Kehrer ist der Autor der Wilsberg-Krimis, und Kehrer kennt unser westfälisches Baltimore bestens.

Und welche Musik passt zu ihr?

Mit Abstraktionsvermögen... BAP. Denn deren Konzert in der Halle Münsterland war vor viel zu vielen Jahrzehnten mein Erweckungserlebnis. Ansonsten: Bob Marley, The Cure, Fehlfarben, denn das war die Jugend. Und dann, welch schreckliche Erinnerung, hieß es irgendwann im Radio "Alphaville aus Münster", aber ich kenne keinen Münsteraner, der "Alphaville" kannte... doch egal. Steffi Stephan ist jedenfalls echt. Der ist jetzt 70 und kann immer noch Bass spielen.

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1 Stadt, 21 Fragen: Münster, die Heimat des katholischen Humors

Worauf sind ihre Bewohner wahnsinnig stolz?

Die Preußen waren Gründungsmitglied der Bundesliga.

Und wofür schämen sie sich?

Die Preußen stiegen im ersten Bundesligajahr ab und kehrten nie zurück.

Welches Bauwerk sollte man unbedingt sehen, fotografieren und nie wieder vergessen?

Das Rathaus am Prinzipalmarkt.

Das Szenegetränk der Stadt ist...

Keine Ahnung. Für uns war es Altbierbowle, aber das ist ja nun eine Weile her. Immer wieder eine Aufgabe, die Erdbeerstückchen aus dem Altbier herauszufischen.

Vor welchem Hintergrund knipst man das beste Urlaubsfoto?

Vor Wasser. Also im Hafen am Dortmund-Ems-Kanal (welcher Kreative ist bloß auf den Namen "Kreativkai" gekommen?) oder natürlich am Aasee.

Wo kann man nachts gut spazieren?

Am Steiner See in Hiltrup. Wir sind dann über den Zaun des Hiltruper Freibads geklettert, aber Vorsicht, der Zaun ist erhöht worden.

Was kann man hier kaufen und nirgendwo anders?

Töttchen. Das ist... wie soll man sagen? Ein Ragout aus Innereien vom Kalb mit Zwiebeln und Essig. Schmeckt wirklich, aber am besten mit viel Bier. Das Bier muss von Pinkus sein.

Was ist das Seltsamste an dieser Stadt?

Dass sie Humor hat. Münster ist schwer katholisch und schwer konservativ und kann trotzdem lachen.

Wo kennt man den Wirt beim Namen?

In unserer Kneipe, bei Erna, hieß die Wirtin Erna. Aber auch das ist lange her. Im Kuhviertel, der Kneipenmeile, gibt es noch immer die Akademische Bieranstalt Cavete und das Blaue Haus. Aber ich weiß nicht mehr, wie die Wirte heißen.

An welchem Ort sitzen Studenten an lauen Sommerabenden?

Auf den Wiesen am Aasee.

An welchem Museum kommt man nicht vorbei?

Am Picasso-Museum, Königsstraße 1.

Die schönste Bus-, Tram- oder S-Bahn-Linie ist...

...der Nahverkehrszug von Hiltrup nach Münster.

In welchem Café bekommt man Kuchen wie bei Oma?

Ach, dies ist der passende Moment für Wehmut, denn all die Cafés sind verschwunden, selbst das Kleimann am Prinzipalmarkt. Wo also? Waldhotel Krautkrämer (auch wenn es jetzt zu Best Western gehört) am See in Hiltrup.

Welches Restaurant lohnt sich wirklich?

Jetzt kommen wir nach Hause... und zwar "Zur Prinzenbrücke" am Kanal in Hiltrup.

Wo kann man gut Leute beobachten - und welche?

Auf einer Bank an der Promenade. Fahrradfahrer. Viele.

Auf welche Persönlichkeit ist diese Stadt am stolzesten?

Es gibt natürlich enorm viele berühmte Münsteraner. Dr. Reiner Klimke? Der hat so viele Goldmedaillen im Dressurreiten gewonnen, dass niemand sie zählen konnte. Fiffi Gerritzen? Der größte aller Preußen, er durfte viermal für Deutschland spielen.

Welches Gebäude ist das hässlichste?

Das geliebte Preußen-Stadion. Hilfe, ist das hässlich. Und wenn ich dann noch an die gehässigen Fans denke. Man muss Liebe nicht immer erklären können.

Wo sieht man Prominente - und wen?

Im fürchterlichen, fürchterlichen, fürchterlichen Münster-"Tatort". Und nein, das ist nicht der Humor, den ich meinte.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde bereits 2017 bei SPIEGEL DAILY veröffentlicht. Eine frühere Version enthielt einen Hinweis auf die Ausstellung "Skulptur Projekte". Diese findet allerdings nur alle zehn Jahre statt - und nicht 2018. Daher haben wir ihn entfernt.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
July_smile 18.07.2018
1. Nicht ganz aktuell und nicht ganz richtig.
Die Skulpturprojekte Ausstellung kommt alle 10 Jahre nach Münster und war zuletzt im Sommer 2017 hier. Es haben auch nicht alle Traditions-Cafés in Münster geschlossen. Das Café Grotemeyer oder das Café der Konditorei Issel verwöhnen noch immer mit ausgezeichneten Kuchen und Torten.
Bondurant 18.07.2018
2. Also das
Anne Tyler. Diese wunderbarste aller Schriftstellerinnen beschreibt Baltimore, schon klar, aber dieses Kleinstädtisch-Metropolische, das Sehnsüchtig-Spießige, dieses Betrügerisch-Treue der Menschen von Tylers Baltimore, das ist Münster. ist für einen, der Münster ein bißchen kennt, schon sehr verblüffend. Baltimore? In dieser Stadt spielt die wunderbare Serie "The Wire" (2002-2008) und man sagt, diese zeichne ein durchaus realistisches Bild der Stadt. Ähnlichkeiten mit Münster fallen da aber nicht auf, weder riesige Slums ("Projects") noch die dort stattfindenden Drogenkriege wären mir aus Münster bekannt. Auch nicht die unglaublich korrupte Politik. Und schon gar nicht die unfassbar hohe Mordrate. Also irgendwie verstehe ich den Autor in dieser Beziehung überhaupt nicht.
chrisms78 18.07.2018
3. Perspektive
Als Münsteraner bin ich ja ein wenig Betriebsblind, aber einiges ist doch recht fragwürdig. Ich bin stolz darauf, dass Münster eine Fahrradstadt ist. Stolz, dass die AfD hier keinen Fuß auf die Erde (als einziger Wahlkreis) oder das die Stadt moderne mit Tradition verbindet, aber das der SCP mal vor 100 Jahren Gründungsmitglied war? Spazieren am Steiner See (schön, aber am AdW von Münsters Innenstadt)? Eher der Prinzipalmarkt oder Promenade. Zugezogene finden uns Münsteraner leider oftmals steif und humorfrei wie ich hörte. Aber im Vergleich mit anderen Städten habe ich persönlich (#Betriebsblind) das nicht als so viel anders erlebt.
moosi1 18.07.2018
4. Stolz auf Fiffi Gerritzen?
Da gibt es noch einige Profis mehr, die aus dem Oldenburger Münsterland nach Münster gezogen sind, um ihrem Beruf nachzugehen. Merkwürdigerweise verschmähen Ute Lemper und die Münsteraner einander. Beiderseiten Stolz unter den Eingeborenen vermute ich nur bei Götz Alsmann. Der tut wirklich viel für die Stadtbewohner.
lupo62 18.07.2018
5.
"Ich bin stolz darauf, dass Münster eine Fahrradstadt ist." Für Nicht-Münsteraner, die mit dem Auto in der Stadt untwegs sind, etwas, äh.. gewöhnungsbedürftig. Eine gefühlt zehnfache Fahrradfahrer-Dichte als in anderen Städten. Und keiner von ihnen macht sich Gedanken darüber, was ein toter Winkel ist. Man gewöhnt sich dran und schaut beim Abbiegen nicht einmal, sondern dreimal. Aber ganz ehrlich: Ich bin immer froh, wenn ich heil aus Münster heraus bin.
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