Ausflugstipps für Nationalparks Wo Deutschlands Natur erwacht

Seltenen Vogelrufen folgen, durch Waldwipfel spazieren, Innehalten, wenn plötzlich der Steinadler kreist: Wer das wilde Deutschland sucht, wird in diesen Nationalparks sein Frühlingsglück finden.

Frank Richter/ SRT

Um uralte Wälder, unberührte Flussauen und wilde Tiere zu erkunden, muss man nicht bis ans Ende der Welt reisen. In Deutschlands Nationalparks laden Ranger und Waldführer ein, geschützte Naturräume zu erkunden. Wir stellen sieben Parks vor, in denen im Frühling besondere Erlebnisse auf die Besucher warten.

M. Delpho/Tierisch Wild/ SRT

Nationalpark Bayerischer Wald: Tierbabys bei Wisent, Elch und Otter

Im ältesten deutschen Nationalpark in Ostbayern startet am 15. Mai das Sommerprogramm. Nationalpark-Mitarbeiter oder langjährige Waldführer bieten dann jeden Samstag eine besondere Führung an. Besucher können dabei auf einer dreistündigen Wanderung lernen, Vogelstimmen voneinander zu unterscheiden oder das Erwachen der Tier- und Pflanzenwelt bei einer Tour zu bizarren Felsen und in Buchenwäldern mit ihrem frischen Grün erleben.

Im Tierfreigelände Neuschönau gibt es dann Nachwuchs zu bestaunen. Drei Wisentkälbchen unternehmen bereits jetzt erste Ausflüge. Bei Elch und Otter wartet man noch gespannt auf Babys. Einen spektakulären Blick in die Vergangenheit können Besucher im Tierparkgelände Ludwigsthal werfen. Dort leben Wildpferde und Auerochsen - in groß und hoffentlich bald auch in klein.

Rüdiger Biehl/ Nationalparkverwaltung Hainich/ SRT

Nationalpark Hainich in Thüringen: Wandern in Baumkronen und am Waldboden

Der Schnee ist verschwunden, und wenn hier jetzt etwas weiß ist, dann sind es die wild wachsenden Märzenbecher, die den Waldboden im Nationalpark Hainich bedecken. "Eine Wanderung entlang des Naturpfads Thiemsburg und auf dem Erlebnispfad Brunstal ist ein wahrer Augenschmaus", sagt der stellvertretende Nationalparkleiter Rüdiger Biehl.

Beide Wanderwege sind leicht zu erreichen. Der Naturpfad Thiemsburg beginnt am gleichnamigen Parkplatz und hat eine Länge von vier Kilometern. Der drei Kilometer lange Erlebnispfad Brunstal wurde barrierearm gestaltet und ist daher für Kinderwagen ebenso wie für Rollstuhlfahrer geeignet. Besonders nahe kommen Besucher der Natur auf dem Baumkronenpfad. In luftiger Höhe führt der Weg über die Wipfel des sonst unzugänglichen Bereichs des Parks.

Berchtesgadener Land Tourismus/ SRT

Nationalpark Berchtesgaden: Spaziergang zum Steinadler

An der Grenze zu Österreich liegt der einzige deutsche Hochgebirgsnationalpark. Alpenländische Tiere wie Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere und Auerhähne leben in der Schutzzone zwischen tiefen Tälern und hohen Bergen. Für Naturfreunde beginnt im Mai das neue Wanderprogramm.

Ein Highlight sind die Touren ins Tal der Steinadler. Es bestehen sehr große Chancen, die scheuen Tiere tatsächlich beobachten zu können. Der Ranger startet ab 4. Mai jeden Donnerstag zu der etwa dreieinhalb Stunden dauernden Wanderung. Immer mittwochs und sonntags können Besucher ebenfalls den Nationalpark-Ranger begleiten. Bei der Tour über die Halbinsel St. Bartholomä lernt man den Königssee mit seiner seltenen Tier- und Pflanzenwelt kennen.

Frank Richter/ SRT

Nationalpark Sächsische Schweiz: Schluchten, Felsen, Kräuterhexen

Wind und Wetter formten über Jahrtausende bizarre Felsformationen im Nationalpark Sächsische Schweiz. Besonders gut zu sehen ist das im Elbsandsteingebirge. Dort ist die mehr als 190 Meter hohe Basteibrücke der meistbesuchte Aussichtspunkt. Zu recht, denn der Blick ins Tal ist schwindelerregend.

Wer abseits der Touristenströme den Park erkunden möchte, der sollte mit Nationalparkführern zu weniger bekannten Tafelbergen und Sandsteintürmen aufbrechen. Die Wanderungen dauern etwa vier Stunden und finden jeden Dienstag statt.

Mit der "Kräuterhexe" geht es ab Mai wieder durch Wald und Wiese. Staunend erfahren die Teilnehmer, welche Heilkräfte die Natur bereithält und welche kulinarischen Besonderheiten sich im frischen Grün verbergen. Auch für Besucher mit Behinderungen gibt es inzwischen viele Wege in die unberührte Natur und zu spektakulären Aussichtspunkten.

SRT

Nationalpark Harz: Märchen und Mythen

Im Harz beginnt der Frühling erst, wenn die Hexen in der Walpurgisnacht den letzten Schnee vom Brocken fortgefegt haben. Ab Mitte Mai lassen sich dann die Brockenanemone, der Brockenenzian und die Himalaya-Aster im Brockengarten bewundern. Dann ist der 1890 gegründete botanische Garten auf der Kuppe des höchsten Berges im Harz wieder geöffnet.

Spielerisch lässt sich die erwachende Natur auf dem Löwenzahn-Entdeckerpfad bei Drei Annen Hohne beobachten. Träumerbank, Hör-Eule und Barfußpfad - der Weg begeistert Groß und Klein. Im Frühling wird auch der Naturmythenpfad bei Braunlage mit seinen Installationen wieder aufgebaut. Während einer dreistündigen Wanderung taucht man ein in die Welt der Mythen und Sagen.

Wer mit Kindern auf den Brocken steigen möchte, der sollte den Märchenpfad "Das weiße Reh" wählen. Von Schierke über den Eckerlochstieg geht es auf stein- und wurzelreichen Pfaden zum Gipfel.

SRT

Nationalpark Schwarzwald: Wilde Spuren

Der jüngste Nationalpark Deutschlands wurde erst 2014 gegründet. Der rund 100 Quadratkilometer große Nationalpark Schwarzwald besteht aus zwei Bereichen - dem Gebiet rund um den Hohen Ochsenkopf/Plättig im Norden und dem Ruhestein im Süden. Zu den größten Besonderheiten zählen die waldfreien Bergheiden auf den Gipfellagen. Diese sogenannten Grinden kann man auf einer Wanderung auf dem Schliffkopf-Rundweg erleben. Der Schliffkopf ist einer der schönsten Aussichtsberge im Nordschwarzwald. Bei klarem Wetter sind von dort der Rheingraben, die Vogesen und die Schwäbische Alb zu sehen.

Ab Mai können Familien zusammen mit einem Ranger auf verschiedenen Wanderungen und Exkursionen den Schliffkopf erkunden und vieles über die Entstehung des Schwarzwalds und der Grinden erfahren. Mit den warmen Frühlingstagen werden auch die beliebten Erlebnispfade wie Luchs-, Wildnis- und Lotharpfad wieder geöffnet.

Rudolf Großmann/Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer/ SRT

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Gänsepaten gesucht

Ohne Taucherausrüstung auf dem Meeresboden - das ist im Wattenmeer möglich. Deutschland verfügt über gleich drei Nationalparks an der Nordseeküste, die als Unesco-Weltnaturerbe geschützt sind. Der größte davon - und mit 4410 Quadratkilometern zugleich größter in Deutschland - ist der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Dass es sich dabei auch um das vogelreichste Gebiet Europas handelt, lässt sich besonders gut während der Ringelganstage vom 22. April bis zum 7. Mai beobachten. Die kleinen, dunklen Gänse mit dem weißen Streifen am Hals fressen sich dann auf den Salzwiesen ein Fettpolster für ihren Flug an die eisigen Küsten der sibirischen Arktis an.

Die Halliggemeinden, Naturschutzverbände sowie der Nationalpark laden Urlauber ein, den spektakulären Vogelzug zurück zu ihren Brutplätzen zu beobachten. Wer die Gänseforschung unterstützen möchte, der kann eine Patenschaft für 30 Euro abschließen. Nach dem Abzug der Ringelgänse erhalten die Paten Informationen über "ihre" Gans.

Weitere Informationen
Nationalpark Bayerischer Wald
Freyunger Str. 2, 94481 Grafenau, Tel. 08552/9600-0, nationalpark-bayerischer-wald.de
Nationalpark Hainich
Bei der Marktkirche 9, 99947 Bad Langensalza, Tel. 0361/573914-000, nationalpark-hainich.de
Nationalpark Berchtesgaden
Doktorberg 6, 83471 Berchtesgaden, Tel. 08652/9686-0, nationalpark-berchtesgaden.bayern.de
Nationalpark Sächsische Schweiz
An der Elbe 4, 01814 Bad Schandau, Tel. 035022/900600, nationalpark-saechsische-schweiz.de
Nationalpark Harz
Lindenallee 35, 38855 Wernigerode, Tel. 03943/5502-0, nationalpark-harz.de
Nationalpark Schwarzwald
Schwarzwaldhochstr. 2, 77889 Seebach, Tel. 07449/92990, schwarzwald-nationalpark.de
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Schlossgarten 1, 25832 Tönning, Tel. 04861/616-0, Webseite für alle drei deutschen Wattenmeer-Nationalparks: nationalpark-wattenmeer.de

Sybille Boolakee, srt

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Timöre 24.03.2017
1.
Der jüngste Nationalpark Deutschlands ist allerdings der Nationalpark Hunsrück-Hochwald.
eunegin 25.03.2017
2. Stressfrei mit Familie
Flugreisen oder endlose Autobahnfahrten in Ferienzeiten mit Familie? Danach brauche ich Urlaub. Man kann auch in der Nähe schön verreisen und den Kindern ist es egal, da alles neu. Was bei ihnen hängenbleibt, ist sowieso etwas anderes als man sich vorher denkt. Ob Urlaub auf dem Bauernhof oder Nationalparks - sehr nett. Leider habe ich z.B. das Elbsandsteingebirge, wo ich vor 20 Jahren schon gekraxelt bin, ein paar Dekaden verschoben. Andere Gebiete auch, wo ich -wie schon passiert- schräg angequatscht wurde. Binationale Ehen scheinen nicht überall und von allen als normal angesehen zu werden. Aber das wird schon. In 30 Jahren fahren wir dann mal hin. Wohl ohne Kinder. Wächst sich alles aus.
Spr. 25.03.2017
3. Wo bleibt der Nationalpark Nordeifel?
Entdecken, was die Motorradfahrer, die in mörderischem Tempo durch die Serpentinen rasen, vermutlich noch nie gesehen haben: Wassersport nicht nur auf dem Rursee, Wildwasser-Fahrten auf der Rur, Klettern an diversen Kletterfelsen, Reiterhöfe in nahezu jedem Dorf und auch dazwischen, Wandern oder einfach nur Spazieren gehen (gerade ist Narzissen-Saison, die hier in Mengen wild wachsen), mit der Rurseeflotte über den Rursee schippern, mit den Kindern eine Rundfahrt mit der Rurseebahn machen, diverse Stauseen besuchen, und vieles mehr. Übernachtung für Anreisende aus dem Ruhrgebiet bis Köln und Aachen bis ins grenznahe Belgien und Niederlande nicht nötig, kann sich aber durchaus lohnen, um noch das reichhaltige kulturelle Angebot in den umliegenden Orten mitzunehmen. Im Sommer finden an jedem Wochenende meist mehrere spezielle Märkte (Handwerkermarkt, Mittelaltermarkt etc.) und Musikfestivals statt. Nachteil: An Sommerwochenenden kommen einem auch ganz ohne Sirenengeheul wegen verunglückter Motorradfahrer auf der Strecke z.B. von Nideggen nach Düren (ca. 15 km) locker mal 200 und mehr Motorräder entgegen. Das dürfte andererseits überall sonst, wo Serpentinen zu finden sind, auch nicht anders sein.
teacher20 25.03.2017
4.
Zitat von TimöreDer jüngste Nationalpark Deutschlands ist allerdings der Nationalpark Hunsrück-Hochwald.
Richtig. Gut zu durchwandern auf dem "Saar-Hunsrück-Steig" und den ihn umgebenden 111 "Traumschleifen", die sich allerdings auf den gesamten Naturpark "Saar-Hunsrück" erstrecken, von dem der Nationalpark Hunsrück-Hochwald einen Teil darstellt. Nach eigener Erfahrung sind die Wege auch in der Hauptsaison nicht überlaufen, abgesehen von Highlights wie der "Geierlay"-Hängeseilbrücke. Wermutstropfen: eine den Naturgenuss trübende und subventioniert weiter anwachsende Zahl von Windparks bis in die schönsten Bereiche hinein...
naklar261 26.03.2017
5. sehr lohnenswert
alle gezeigten reiseziele halte ich fuer sehr lohnenswert. bei mir steht die saechische schweiz ganz oben auf der liste...jetzt brauch man nur noch geld und zeit
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.