Neues Kreuzfahrtschiff Koloss quert Ostfriesland

Die schwierigste Passage ist geschafft: Das in Papenburg gebaute neue Kreuzfahrtschiff "Disney Fantasy" ist aus der Werft über die Ems Richtung Nordsee überführt worden. Das Spektakel verlief wegen des Unglücks der "Costa Concordia" weniger pompös als sonst.

dapd

Papenburg - Hunderte Schaulustige waren in den Nordwesten Deutschlands gereist: Das neu gebaute Kreuzfahrtschiff "Disney Fantasy" ist von der Werft in Papenburg über die Ems in einen Hafen zur Nordsee überführt worden. Der 340 Meter lange Luxusliner machte am frühen Samstagmorgen im niederländischen Eemshaven fest, wie ein Sprecher der Werft mitteilte. Dort soll das Schiff Treibstoff bunkern und bereits in der Nacht zu Sonntag zu Testfahrten auf der Nordsee auslaufen.

Die Emspassage galt als der schwierigste Teil der Überführung. Das Schiff wurde in Papenburg und damit weit im Binnenland gebaut. Für die 32 Kilometer lange Emspassage zur Nordsee benötigte das Schiff achteinhalb Stunden. Die Überfahrt war Präzisionsarbeit. Um den Luxusliner besser manövrieren zu können, wurde er auf einem Teil der Strecke rückwärts gesteuert. Die Ems musste 1,10 Meter über dem normalen Tidehochwasser aufgestaut werden, damit der Fluss befahrbar war. Hunderte Schaulustige sahen vom Ufer aus zu. Während der Überfahrt ragte das Schiff hoch über die Emsdeiche.

Feuerwerk wegen Unglück in Italien abgesagt

Auf ein geplantes Feuerwerk bei der Überführung wurde wegen des Unglücks des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio verzichtet. "Wenn ein Kreuzfahrtunglück passiert, ist das immer ein Thema, man muss sich auf der Werft aber auch auf das Tagesgeschäft konzentrieren", sagte ein Sprecher.

Auf der "Disney Fantasy" können rund 4000 Passagiere in mehr als 1200 Kabinen übernachten. Zur Ausstattung gehört neben zahlreichen Restaurants und Bars auch ein Schwimmbad mit Riesenrutsche, die sich über weite Teile des Decks zieht. Das Schiff soll vor allem die Karibik befahren. Nach Informationen aus Branchenkreisen liegt der Preis für den Luxusliner bei mehr als 600 Millionen Euro.

Die "Disney Fantasy" soll am 9. Februar in Bremerhaven an die US-Reederei Disney Cruise Line übergeben werden. Eine Woche später steht die Atlantiküberquerung an und Ende März die Jungfernfahrt in die Karibik. Bis 2015 hat die Meyer Werft noch sieben Aufträge für Kreuzfahrtschiffe.

mmq/dpa/dapd



Forum - Schadet die Havarie dem Geschäft mit den Kreuzfahrten?
insgesamt 438 Beiträge
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Berg 21.01.2012
1. Traumreise
Der Sog der Traumschiffreisen ist so gewaltig, dass sich jährlich über 1 Mio Deutsche auf eine solche begeben. Und weitere Millionen werden es wohl erträumen. (Flugreisen halten auch unvermindert an - trotz Fluzeugabstürzen.) Abgesehen von der Schuldfrage, dem Rettungsmanagement, wo es viel zu beanstanden und zu verurteilen gibt, ist die Bilanz dieser Havarie eher positiv: nur um die 1% Tote. Und so wie das Schiff liegt, könnten heute noch alle lebendig obenauf sitzen. Das "Geschäft mit Kreuzfahrten" ist erst einmal nur für die Reederei beschädigt: materielle Verluste in die Hundertemillionen, zusätzliche Auflagen für künftige Fahrten, Personalverluste. Die Kreuzfahrtfans werden sich davon nicht abhalten lassen. Ein bisschen prickelnde Gefahr darf doch dabei sein.....
michaelslo 21.01.2012
2. Kein Rückgang
Zitat von sysopDas Schiffsunglück vor der italienischen Küste brachte vielfältige Debatten über die Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen in Gang. Zuvor schon waren die Meeresgiganten wegen ihres hohen Schadstoffausstoßes ins Gerede gekommen. Bekommt die Boom-Branche Probleme? Schadet nun die Havarie dem Geschäft mit den Kreuzfahrten?
Das Geschäft wird keinen Schaden nehmen. So lange es Leute gibt, die genug Geld haben, um "anderen" Urlaub zu machen, werden die Kreuzfahrtschiffe wieder voll belegt sein, genauso wie kurz nach dem Tsunami wieder Touristen in Phuket waren, um die Katastrophe aus nächster Nähe zu sehen oder auch aktuell im umkämpften Grenzgebiet zwischen Äthiopien/ Eritrea werden kurz vor dem Burnout stehende gut Betuchte eine Wüstensafari machen, um sich zu "erholen".
berbatof 21.01.2012
3.
Zitat von michaelsloDas Geschäft wird keinen Schaden nehmen. So lange es Leute gibt, die genug Geld haben, um "anderen" Urlaub zu machen, werden die Kreuzfahrtschiffe wieder voll belegt sein, genauso wie kurz nach dem Tsunami wieder Touristen in Phuket waren, um die Katastrophe aus nächster Nähe zu sehen oder auch aktuell im umkämpften Grenzgebiet zwischen Äthiopien/ Eritrea werden kurz vor dem Burnout stehende gut Betuchte eine Wüstensafari machen, um sich zu "erholen".
Etwas sehr krasse Konstruktion... ...aber solange man von Käpt´n Schmierhahn und seinen Bagaluten dorthin kutschiert wird :-)
derflieger 21.01.2012
4. -
Ein sehr hochbordiges Schiff mit pseudo-historischen Designanleihen, aber die Frontansicht lässt bei einem gewisse Zweifel an der Stabilität aufkommen. Ich zähle 18 Rettungsboote. Mit 5000 Leuten an Bord heisst das, das diese Boote sehr gross sein müssen, jedes dürfte an die 300 Personen fassen, in Ölsardinenbepackung. Solche Riesenrettungsboote habe ich auf anderen Schiffen noch nicht gesehen. Tolle Fotos übrigens. Der Riese hinter dem Dorf, wunderbar.
angela_merkel 21.01.2012
5. Schadet die Havarie dem Geschäft mit den Kreuzfahrten?
Die Frage verstehe ich nicht. Dank des guten Krisenmanagements gab es doch kaum Tote (ca. 20, oder ?) unter den 5000 Passagieren. Bei jeden Flugzeugabsturz kommt ein Vielfaches an Leuten ums Leben.
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