Aus für Niki Airlines schmieden Notplan für Tausende Reisende

Nach der geplatzten Übernahme durch die Lufthansa bangen rund Tausende Kunden der Air-Berlin-Tochter Niki um ihren Rückflug. Mehrere Airlines wollen nun einen Notfallplan ausarbeiten.

DPA

Nach der Pleite des österreichischen Ferienfliegers Niki müssen Tausende Passagiere aus dem Ausland zurückgeholt werden. Betroffen seien rund 5000 Reisende, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums und korrigierte damit Angaben von Minister Jörg Leichtfried nach unten. Er hatte von bis zu 10.000 Passagieren gesprochen, die in den kommenden zwei Wochen betroffen seien. Die österreichische Regierung hatte staatliche Hilfe angekündigt.

Die Air-Berlin-Tochter hatte am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt und am Abend den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Zuvor hatte die Lufthansa ihr Angebot für das österreichische Unternehmen mit seinen 21 Flugzeugen zurückgezogen. Von der Pleite sind etwa 1000 Mitarbeiter betroffen.

Die Regierung in Wien wolle die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines notfalls mit Charterflügen beauftragen, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Jörg Leichtfried der Tageszeitung "Die Presse". Mehrere Airlines bereiteten derzeit einen Ersatz-Flugplan nach Deutschland, Österreich und die Schweiz vor, teilte Niki mit. Dies gelte für Passagiere, die direkt bei Niki gebucht hätten.

Der Ferienflieger Condor will Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen, soweit Sitzplätze verfügbar sind. Die Tochtergesellschaft des Veranstalters Thomas Cook kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am jeweiligen Flughafen wenden.

Auch TUI bietet Urlaubern, die direkt bei Niki gebucht haben, Hilfe an: Sie können einen TUI-fly-Ersatzflug für ihren bis Ende des Jahres ausgefallenen Rückflug nach Deutschland buchen und bekommen anschließend 50 Prozent des Flugpreises zurückerstattet. Die eigenen Kunden informiert TUI aktiv und organisiert ihnen Ersatzheimflüge. Insgesamt seien bis zum Ende des Jahres rund 5000 deutsche TUI-Gäste betroffen.

Chaos in Tegel bleibt vorerst aus

Mit der Insolvenz verlieren alle ausgestellten und bezahlten Niki-Flugtickets ihre Gültigkeit, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther erklärte. Knapp 40.000 Passagiere haben demnach bis zum 27. Dezember den Heimflug mit Niki geplant - rund 15.500 von ihnen hätten selbst gebucht, rund 25.500 über Reiseveranstalter und Reisebüros.

Festsitzende Pauschalurlauber müssen nicht mit Mehrkosten für ihre Rückreise rechnen. Denn bei einer Flugreise als Teil eines Pauschalpakets muss sich der Reiseveranstalter um eine alternative Beförderung kümmern. Anders sieht es für Kunden aus, die direkt bei Niki gebucht haben. Am Ende werden sie wahrscheinlich auf den Kosten sitzen bleiben.

Das große Chaos am Flughafen Tegel blieb am Donnerstagmorgen aus. Rund zwei Dutzend Niki-Kunden waren am frühen Morgen zum Flughafen gekommen, obwohl die Airline den Flugbetrieb am Vorabend eingestellt hatte. "Wir haben von nichts gewusst", sagte ein wütender Familienvater, der mit seiner Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war.

Anderen Kunden war von ihren Reisebüros geraten worden, trotz Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. "Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen", sagte ein Kunde. "Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht."

Kritik an EU-Kommission

Insolvenzverwalter Lucas Flöther kündigte an, er versuche, den Geschäftsbetrieb von Niki "durch einen Schnellverkauf doch noch zu retten". Dem österreichischen Gewerkschafter Wolfgang Katzian zufolge gibt es mindestens drei Interessenten für Niki. Zuletzt hatte auch Niki Lauda, der Gründer der Airline, Interesse bekundet.

Niki wie auch der Mutterkonzern Air Berlin kritisierten die EU-Kommission. "Auslöser für den heute erfolgten Schritt ist das Nein der Europäischen Kommission zum Verkauf der Niki an die Lufthansa-Gruppe wegen angeblicher Einschränkungen des Wettbewerbs", schrieb das österreichische Unternehmen in einer Mitteilung. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte: "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar."

Air Berlin habe nach den ersten Bedenken der EU-Kommission gegen eine Niki-Übernahme durch die Lufthansa erneut Kontakt zu potenziellen Interessenten wie Thomas Cook und der British-Airways-Mutter IAG aufgenommen, sagte Kebekus. "IAG teilte Air Berlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Niki hat." Auch von Thomas Cook sei kein passendes Angebot unterbreitet worden.

"Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der Niki an die Lufthansa gab", sagte Kebekus. Er warf der Kommission vor, sie erreiche mit dem "unkontrollierten Zusammenbruch" der Airline "das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt".

ssu/dpa-AFX



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hiltallesnichts 14.12.2017
1. Jetzt hat Lufthansa einen Konkurenten weniger
Gut hingekriegt Herr/Frau Kommissar(in). Die Lufthansa muss nichts bezahlen und hat dennoch einen Marktbegleiter weniger. Die Slots sind jetzt auch frei. Die Passagiere werden nicht weniger, wenn eine Fluglinie ausfällt.
laermgegner 14.12.2017
2. Was soll dieser Theater
Es ist nahzu lächerlich, was hier für ein Spiel getrieben wird. Niki hat nicht ein einziges Flugzeug mehr in seinem Besitz und Wettbewerb gibt es zu den Flügen nach Spanien genug. Deutsche Firmen werden klar von der EU benachteiligt, wer das nicht erkennen will ist blind. Aber es kann auch noch ein ganz andere Blüff dahinterstecken - Wir die EU haben Wettbewerb gefördert und heimlich genehmigt man die weitere unrechtmäßige Finanzierung des Flughafens BER in Brandenburg.
Tr1ple 14.12.2017
3. Tja die Europäischen Staaten haben Angst
Vor der Deutschen Lufthansa Übermacht! Dabei haben KLM/Airfrance und British/Iberia schon riesige Märkte ohne das sich die Europäer eingemischt haben. Die Deutschen sollten sich was überlegen.
sail118 14.12.2017
4. Ein guter Beitrag der EU
Um die EU-Verdrossenheit weiter zu steigern. Es ist unterirdisch zu sehen wie Brüsseler Beamten sehenden Auges ein (anders als AB) funktionierendes Unternehmen an die Wand gefahren haben.
kumi-ori 14.12.2017
5.
Es sollte sich jetzt aber nicht gleich wieder die Kanzlerin vordrängen, Steuermilliarden für Ersatztickets verschenken zu dürfen. Bzw., wenn, dann sollte man hier den österreichischen Finanzminister zum Zuge kommen lassen, schließlich ist Niki ja eine österreichische Fluglinie.
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