Orkan "Niklas" Sturm legt Bahnverkehr in NRW und Bayern lahm

Die Deutsche Bahn hat den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen komplett eingestellt, im Fernverkehr gibt es ebenfalls massive Störungen - auch in Bayern steht alles. Auf den Straßen sorgen umgekippte Bäume und Schilder für erhebliche Probleme.


Berlin/Düsseldorf - Die Deutsche Bahn hat den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen wegen des Sturmtiefs "Niklas" eingestellt. Seit etwa 11 Uhr fahre kein Zug mehr, teilte das Unternehmen mit. Die Entscheidung gelte für den ganzen Tag. Tausende Reisende und Pendler sitzen an den Bahnhöfen unter anderem in Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund und Köln fest. Vielerorts müssen sie auf Taxis oder Busse ausweichen.

Das Bahnchaos fällt mitten in die Urlaubszeit: Viele Betroffene zum Beispiel in Köln planten längere Reisen oder waren auf dem Weg zu Flughäfen. Lange Schlangen bildeten sich vor den Schaltern und den Abfahrtstafeln. "Irgendwas ist immer, entweder Personenschaden oder es bleibt ein Güterzug liegen", sagte eine Frau, die nach Stuttgart fahren wollte. "Heute aber habe ich vollstes Verständnis - sollte ich hier nicht wegkommen".

Auch im Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen gibt es erhebliche Einschränkungen, vor allem zwischen Dortmund und Köln, sagte eine Bahn-Sprecherin. Grund sei ein Baum im Gleis, der bei Duisburg-Großenbaum die Strecke blockiere. Sämtliche Fernverkehrszüge, die durch das Ruhrgebiet und über die sogenannte Wupperschiene führen, stünden still. Einzelne Fernzüge fahren zwischen Hamm und Berlin sowie südlich von Köln. Reisenden wird empfohlen, sich hier im Internet über Beeinträchtigungen zu informieren oder hier zu prüfen, ob der Zug pünktlich ist.

Privatzüge stellten ihren Verkehr zunächst ebenfalls nicht komplett ein. "Teilweise nutzen wir andere Strecken", hieß es bei Keolis Deutschland, dem Betreiber der Eurobahn. "Es gab aber auch schon schlimmere Stürme. Wir fahren vorsichtig, können deshalb auch nicht alle Fahrpläne einhalten."

Auch in Bayern ruht der Fernverkehr inzwischen, zudem komme es im Regionalverkehr zu massiven Einschränkungen. Die Münchner S-Bahn verkehrt derzeit nur noch auf zwei Linien. Die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs ist wegen Orkanschäden geräumt worden. Dachfenster hätten sich durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen, teilte die Bundespolizei mit. Bereits am Vormittag war die ICE-Strecke zwischen München und Augsburg gesperrt worden.

Orkan "Niklas" hat auch die S-Bahn im Raum Hannover lahmgelegt. Zur Sicherheit der Fahrgäste sei der S-Bahn-Verkehr am Dienstagnachmittag komplett eingestellt worden, teilte die Deutsche Bahn mit. Ebenso der komplette Regionalverkehr in Niedersachsen. Damit solle die Sicherheit der Fahrgäste gewährleistet werden, teilte die Bahn mit.

"Niklas" ist einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre

Sturmtief "Niklas" ist mit Spitzenböen von rund 150 km/h zum Orkan geworden. Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Sein Sturm- und Orkanfeld werde im Lauf des Dienstags weite Teile Deutschlands erfassen und dann weiter nach Polen ziehen. Der DWD gab Unwetterwarnungen für große Teile des Landes heraus.

Besonders betroffen waren zunächst Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Fotostrecke

13  Bilder
Orkanserie in Deutschland: "Die Lage ist gefährlich"

Probleme meldete Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt. Bereits seit dem Morgen kam es zu Verspätungen, am Nachmittag sprach der Betreiber Fraport von 55 ausgefallenen Starts und Landungen. Am Flughafen Düsseldorf entschlossen sich einige Piloten angesichts der Windböen, durchzustarten und für die Landung neu anzufliegen. Dies und das Umfliegen von Schlechtwetterzonen führte zu einigen Verspätungen, aber Flugausfälle habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher. Am Hamburger Flughafen wurden mehrere Starts und Landungen gestrichen. Die S-Bahn-Linie zum Airport in München wurde eingestellt, am Flughafen gab es Verspätungen.

In Kerpen bei Köln kippte in der Nacht infolge des Sturms ein Kran in einem Kieswerk um. Er blieb an einem Hausdach hängen. Der Kranführer erlitt keine Verletzungen. Der Mann musste aber von der Feuerwehr befreit werden, weil sich die Tür des Krans verkeilt hatte.

Für Hochlagen des Harzes und die Alpen galten Warnungen vor extremem Unwetter. Der Sturm könne Bäume entwurzeln, Gegenstände durch die Luft wirbeln und schwere Schäden an Gebäuden verursachen. In den Höhenlagen von Eifel und Hunsrück wütete "Niklas" am Morgen. Zahlreiche Straßen seien wegen umgestürzter Bäume gesperrt, sagte ein Polizeisprecher in Trier. In Bitburg in Rheinland-Pfalz verursachte der Sturm einen vorübergehenden Stromausfall.

Extreme Orkanböen wurden laut dem Wetterdienst am Morgen auf der Zugspitze (164 km/h), dem Feldberg im Schwarzwald (151) und auf dem Weinbiet bei Neustadt an der Weinstraße (148) gemessen. Im Flachland habe es verbreitet Orkanböen von mindestens 118 Kilometern pro Stunde gegeben.

Sturmböen von bis zu 120 km/h sind auch über die Niederlande hinweggezogen und haben zu erheblichen Behinderungen im Flug- und Schiffsverkehr geführt. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen bislang 80 Flüge aus, vor allem innerhalb Europas, wie ein Sprecher sagte. An Europas größtem Hafen in Rotterdam mussten zwei Container-Terminals geschlossen werden. Die Schiffe müssten auf See warten, bis sich die Wetterlage wieder beruhigt, erklärte ein Sprecher.

Die Stärke von "Niklas" komme jedoch nicht an "Wiebke" und "Vivian" heran, die Anfang 1990 verheerende Schäden anrichteten, sagte der DWD-Meteorologe. Und auch Orkan "Christian" am 28. Oktober 2013 sei mit Böen bis zu 172 Kilometern pro Stunde an der Küste stärker gewesen.

beh/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nemetz 31.03.2015
1. komisch: Sturm gibt es fast ueberall, Zug faehrt trotzdem!
warum nur haben die Schweizer, www.sbb.ch, die Austrianer, www.oebb.at und die Russen, www.transsibirischeeisenbahn.me trotz im Moment aehnlicher oder schwererer Noxen keine 'massiven Stoerungen'?! Schaltet endlich auslaendische Bahnexperten ein, um die Deutsche Bahn wieder auf internationales Niveau zu bringen. Insbesondere die Niederlande, www.ns.nl, und die Schweizer. Auch dort stuermt es, auch dort gibt es Unwetter - nur scheint das Katastrophenmanagement Lichtjahre besser zu sein.
Plasmabruzzler 31.03.2015
2.
Komplett eingestellt in NRW? Nein, auf den Gleisen der DB fährt nach wie vor die Mittelrheinbahn, die S23, usw. Nur, um einige Beispiele zu nennen (Zeitpunkt: 12:23 Uhr).
kmgeo 31.03.2015
3. Jedes Mal dasselbe....
Was mir nicht einleuchten will, ist, warum man nicht entlang der Bahnstrecken einfach einen Korridor schafft, der auf 20 metern baumfrei bleibt - dann kann auch nichts auf die Gleise fallen. Das haben die Franzosen im übrigen schon so gehalten, als sie im damaligen Königreich Westfalen Straßen anlegten.....
Bahnix 31.03.2015
4.
Zitat von Nemetzwarum nur haben die Schweizer, www.sbb.ch, die Austrianer, www.oebb.at und die Russen, www.transsibirischeeisenbahn.me trotz im Moment aehnlicher oder schwererer Noxen keine 'massiven Stoerungen'?! Schaltet endlich auslaendische Bahnexperten ein, um die Deutsche Bahn wieder auf internationales Niveau zu bringen. Insbesondere die Niederlande, www.ns.nl, und die Schweizer. Auch dort stuermt es, auch dort gibt es Unwetter - nur scheint das Katastrophenmanagement Lichtjahre besser zu sein.
Ganz einfach, weil man ein wenig gedacht hat: Es existiert in der Schweiz ein regelwerk, wie der Wald längs der Bahn beschaffen sein muss, dass nicht beim ersten Wind ein Baum auf die Trasse fällt: https://www.sbb.ch/content/sbb/en/desktop/sbb-konzern/sbb-als-geschaeftspartner/bund-kantone/baubewilligung/_jcr_content/contentPar/tabs/tabItems/contenu_du_dossier/tabPar/downloadlist_0/downloadList/unterhalt_der_gr_nfl.spooler.download.pdf Und das wird auch umgesetzt.
ancoats 31.03.2015
5.
Zitat von Nemetzwarum nur haben die Schweizer, www.sbb.ch, die Austrianer, www.oebb.at und die Russen, www.transsibirischeeisenbahn.me trotz im Moment aehnlicher oder schwererer Noxen keine 'massiven Stoerungen'?! Schaltet endlich auslaendische Bahnexperten ein, um die Deutsche Bahn wieder auf internationales Niveau zu bringen. Insbesondere die Niederlande, www.ns.nl, und die Schweizer. Auch dort stuermt es, auch dort gibt es Unwetter - nur scheint das Katastrophenmanagement Lichtjahre besser zu sein.
Dieselloks? Baumlose Steppen? Opfergaben an den Gott der Winde? Man weiß es nicht. Ich habe einige Zeit in der Schweiz verbracht. Dort wird zumindest über die SBB genau so oft - und mit den gleichen - Vorwürfen gemosert, dito in meinen anderen Wahlländern Frankreich und GB. Grundsätzliches Bahn-Bashing scheint überall zur Folklore zu gehören...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.