Rügen: Ranger sichern Kreideküste für Wanderer

Neue Schilder, verlegte Wanderwege: Als Konsequenz aus dem tödlichen Kreideabbruch auf Rügen haben Ranger das Sicherheitskonzept für die Insel überarbeitet. Die Nationalparkverwaltung will Osterurlaubern sorgenfreie Ferien ermöglichen - doch unsichtbare Bruchstellen bleiben ein Risiko.

Ostseeinsel Rügen: Küstenwanderung mit Risiko Fotos
DPA

Sassnitz/Kap Arkona - Das Kliff an der Kreideküste der Insel Rügen leuchtet in der Morgensonne, die Ostsee zeigt sich bei frühlingshaften Temperaturen von ihrer sanften Seite: Kleine Wellen kräuseln sich am Strand und bringen die Kiesel in Bewegung. Vereinzelt wandern Touristen am Klifffuß entlang, bücken sich, um Hühnergötter und Donnerkeile zu sammeln.

Es ist eine trügerische Ruhe, die die Urlauber an der 13 Kilometer langen Kreideküste nördlich von Sassnitz genießen: Jederzeit könnte aus dem Kliff ein Stück Steilküste herausbrechen und in die Tiefe stürzen. Die Gefahren-Ampel des Königsstuhl-Zentrums weist im Internet die höchste Warnstufe aus. "Extreme Vorsicht, ganze Bereiche können abrutschen, es besteht Lebensgefahr, Empfehlung: Strand meiden und die Wanderung verschieben", heißt es dort. Trotzdem sind Wanderer in den gefährlichen Bereichen unterwegs.

Am mehrere Kilometer entfernten Kap Arkona, der Nordspitze Rügens, kam vor einem Vierteljahr ein Mädchen bei einem Steilküstenabbruch ums Leben. Die Natur-Ranger am Kap haben nach dem Unglück das Sicherheitskonzept überarbeitet: In Nähe der Unglücksstelle verlegten sie einen Wanderweg um 20 Meter ins Landesinnere, sie sperrten einen Uferabstieg und überarbeiteten die Beschilderung. "Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter, so dass möglichst viele Gäste kommen", sagt Ernst Heinemann, Putgartens Bürgermeister und Rügens neuer Tourismuschef.

Mit den langsam steigenden Temperaturen klettern auch die Besucherzahlen an der Kreideküste in die Höhe. "Wie lernfähig ist der Mensch?", diese Frage hat sich Ingolf Stodian, Dezernatsleiter des Nationalparks Jasmund, nach dem Unglück am Kap Arkona mehrfach gestellt.

Erst Anfang März versank ein Fossiliensammler unterhalb des Kreidekliffs hüfttief im Schlamm eines frischen Kreiderutsches und musste aufwendig mit Hubschrauber und Seenotkreuzer gesucht und geborgen werden. Der Mann habe unvernünftig und grob fahrlässig gehandelt, sagt Stodian. "Als er gefunden wurde, hat er sich beschwert, dass die Retter so langsam waren."

Der oberste Naturwächter auf der Insel Rügen ist sicher: "Ostern wird für uns die Nagelprobe." Die Hotels auf der Ostseeinsel sind nach Angaben der Tourismuszentrale bereits zu 70 Prozent ausgebucht. Touristiker rechnen mit dem ersten großen Gästeansturm des Jahres, die Nationalparkverwaltung mit vielen Wanderern.

Sorge wegen "unsichtbarer Sollbruchstellen"

Die Natur-Ranger haben Informationsboxen an den Parkplätzen mit Gefahrenblättern bestückt und an den Zugängen des Nationalparks 17 Informationstafeln sowie acht neue Warnschilder aufgebaut. "Wer in den Nationalpark geht, kommt jetzt zwangsläufig an den Warnhinweisen vorbei." Mit bis zu 1,5 Millionen Gästen gehört der kleinste Nationalpark Deutschlands zu den besucherstärksten zwischen Küste und Alpen.

Der große, fast alljährlich wiederkehrende Frühjahrsabbruch mit mehreren tausend Kubikmetern abrutschendem Fels ist bisher ausgeblieben. Der Frost kroch in diesem Jahr sehr langsam aus dem Kliff - und es blieb trocken. 11,3 Liter Regen je Quadratmeter hat die Nationalparkverwaltung in diesem März gemessen - weniger als ein Sechstel der durchschnittlichen Monatsmenge. Doch die Natur ist unberechenbar. "Es kann unsichtbare Sollbruchstellen geben, an denen sich das Kliff jederzeit lösen kann", sagt Stodian.

Der Nationalpark setzt nun verstärkt auf Warnhinweise und selbstverantwortliche Wanderer. Absperrungen auf freier Strecke werden abgebaut, sagt Stodian - eine Entscheidung, bei der auch haftungsrechtliche Fragen eine Rolle gespielt hätten.

"Wer Ostern in den Nationalpark kommt, kann ihn genießen, ohne sich zu gefährden", sagt der Dezernatsleiter. An drei Stellen - dem 117 Meter hohen Königsstuhl, am Kieler Bach und an der Piratenschlucht - führen Treppen vom Hochuferweg in die Tiefe zum Strand. Wer hier absteige, könne auch mal mehrere Meter gefahrlos nach rechts und links laufen, sagt Stodian. "Aber bitte: keine durchgängigen Wanderungen von Sassnitz bis zum Königsstuhl."

Martina Rathke, dpa

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1. Schöne Berufsbezeichnung
caphiro 28.03.2012
Zitat von sysopVerlegte Wanderwege, neue Schilder: Als Konsequenz aus dem tödlichen Kreideabbruch auf Rügen haben Ranger das Sicherheitskonzept für die Insel überarbeitet. Die Nationalparkverwaltung will Osterurlaubern sorgenfreie Ferien ermöglichen - doch unsichtbare Bruchstellen sind ein Risiko. Rügen: Ranger sichern Kreideküste für Wanderer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,823997,00.html)
"Ranger" also, wie?!
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