Otter-Spotting an der Müritz Jäger auf der Eisscholle

Winterausflug mit haarigen Zeitgenossen: Rund um die Mecklenburger Seen können Urlauber dieser Tage Fischotter beim Jagen beobachten. Die scheuen Tiere sieht man äußert selten in der freien Wildbahn - wegen des Frosts aber kommen die Säugetiere aus ihren Verstecken.

Seltene Tierbeobachtung: Fischotter auf dem Herrensee bei Waren an der Müritz
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Seltene Tierbeobachtung: Fischotter auf dem Herrensee bei Waren an der Müritz


Waren - Leise plätschert das Wasser, ein ungeheuer dichtes Fell taucht auf: Einer der wilden Fischotter ist wieder da. "Dahinten schwimmt der andere", flüstert der Schuljunge Lucas Müller, der in den Ferien mit seinem Vater das Warener Müritzeum besucht. "Die Tiere kommen seit ein paar Tagen immer wieder vorbei", sagt Frank Seemann, Mitarbeiter in dem naturhistorischen Informationszentrum rund 150 Kilometer nördlich von Berlin.

Auf einer Eisscholle neben einem freien Wasserlauf spielen die beiden jungen Otter mit ihrer Beute - einer toten Möwe und einem Blässhuhn - und ziehen sich dann zum Fressen zurück in einen Wasserlauf oder ins Schilf.

Der Frost macht die ungewöhnliche Naturbeobachtung möglich. "Weil die Seen zugefroren sind, kommen die Fischotter dahin, wo es offenes Wasser gibt", erläutert Volker Dienemann vom Arbeitskreis Fischotterschutz in Mecklenburg-Vorpommern. Diese scheuen Säugetiere in freier Wildbahn zu sehen sei "sehr, sehr selten".

In Deutschland kommen Fischotter vorwiegend im Osten vor. "Sie sind dabei, sich nach Niedersachsen und Bayern auszubreiten", sagt Dienemann. Da die Tiere sehr zurückgezogen leben, gibt es keine genauen Bestandszahlen. "Wir wissen, dass der Otter flächendeckend da ist", sagt Franziska Neubert von der Gesellschaft für Natur und Landschaftsökologie (GNL) in Kratzeburg im Müritz-Nationalpark. Wichtig seien unzerschnittene und nicht begradigte Gewässersysteme. "Ein Otter braucht etwa 20 Kilometer Gewässersystem, eine Familie bis zu 100 Kilometer", sagt Dienemann.

"Uraltes Fischottergebiet"

Es ist nicht das erste Mal, dass die Raubtiere das Müritzeum am Herrensee "beehren". Hier befinden sich Deutschlands größte Süßwasserfisch-Aquarien, denen die Fischotter in der Vergangenheit bereits zweimal einen Besuch abstatteten: Sie räuberten die Außenaquarien des Müritzeums leer, zuletzt verschwanden im Jahr 2010 etwa 30 Fische.

Der etwa fussballfeldgroße Herrensee wird von der Beke durchflossen, die den Tiefwarensee im Norden mit der Müritz im Süden verbindet. Die Beke fließt dabei auch unter dem alten Müritz-Museum mit seinen naturhistorischen Sammlungen hindurch. "Das ist uraltes Fischottergebiet", weiß Seemann. So können die Besucher durch einen Glasvorbau direkt auf die Eisfläche schauen, wo sich Gruppen von Enten und Möwen tummeln. Am Rande steht ein Fischreiher, der Kopf und Hals stark eingezogen hat - "wegen der Kälte und um Energie zu sparen", erläutert Seemann. Doch wenn die agilen Fischotter auftauchen, ziehen die Vögel etwas weiter.

"Die Kälte selbst macht den Fischottern nichts aus, erläutert Seemann. Das Otterfell ist extrem dicht, weshalb sie früher von Pelztierjägern erlegt wurden. Experten haben ermittelt, dass Fischotter 500-mal mehr Haare pro Quadratzentimeter haben als Menschen. Zwischen die Haare gelangt nur noch Luft, kein Wasser. Nach dem Abtauchen verrät eine Perlenschnur kleiner Luftbläschen an der Wasseroberfläche, wohin der Otter unterwegs ist.

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Deutschlands wilde Tiere: Von Wolf bis Eisvogel

Winfried Wagner, dpa



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