Kreativszene in Nordrhein-Westfalen Die Bananenrepublik

Düsseldorf, Köln und das Ruhrgebiet in einen Pott schmeißen? Für viele kommt das nicht infrage. Doch ein ungewöhnliches Tourismuskonzept will die Städte zur "Republik Urbanana" verschmelzen.

Tourismus NRW e.V. / @isteef

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Den Kellnern im Kölner Stadtgarten steht der Schweiß auf der Stirn. Während sie ihre Tabletts zwischen den Biergartenstühlen auf der voll besetzten Terrasse balancieren, heizt die Sonne den Mittagsgästen ordentlich ein. Ihre gute Laune verlieren die Rheinländer deshalb nicht: Es wird gewitzelt, geprostet und geklönt - gerne auch mal mit dem Nebentisch.

In einer noch schattigen Ecke sitzt Jan-Paul Laarmann vor einem alkoholfreien Hefeweizen und erzählt von seinem Traum. "Destinationen hören nicht an Stadtgrenzen auf", sagt der 37-Jährige. "Das Ruhrgebiet, Düsseldorf und Köln sind keine unzusammenhängenden Einzelstädte." Also rief er zusammen mit dem Tourismusverband NRW vor gut zwei Jahren eine neue Republik aus. Sie nannten sie Urbanana - ein Wortspiel aus den englischen Worten für Stadt (urban) und Banane (banana), als Hinweis auf die Form, die Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet auf einer Karte bilden.

Urbanana soll die einzelnen Branchen der Kreativwirtschaft dazu bringen, sich mit der Tourismusbranche und untereinander zu verbünden. Mode, Design, digitale Szene, Urban Art, Festivals, Kunst und Musik: Das Projekt will die Vernetzung der einzelnen Szenen über die Stadtgrenzen hinaus fördern - und damit sichtbarer machen.

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Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet: Industrie-Design

Seine Vision klingt zwar ein wenig träumerisch, doch das Konzept überzeugte bei einem EU-Förderwettbewerb. Für drei Jahre erhielten Laarmann und seine Partner eine Projektförderung von 960.000 Euro, um das Zusammenwachsen der fiktiven Republik voranzutreiben. Nach rund zwei Jahren sagt er nun: "Wenn man Kräfte bündelt, kann man schon gut was machen."

Laarmanns nicht ganz ernst gemeinte Hoffnung: "Im Idealfall erzählen sich die Leute irgendwann: Du, ich war im Urlaub, in einem Land, das kennst du gar nicht - ich war in Urbanana", sagt er. "Aber Touristen sehen die Region bisher nicht als ein Ganzes." Wie auch, das tun nicht einmal die Einheimischen. Die Kölner tun sich bekanntlich schwer mit den Düsseldorfern. Die Düsseldorfer tun sich schwer mit dem Ruhrgebiet und der Pott mit Köln. Und mit Touristen.

Düsseldorf nutzt den Kraftwerk-Bonus nicht

Für Laarmann bedeutet das: "Es braucht einen Paradigmenwechsel." Und mehr Selbstbewusstsein. "Die Metropolregion Rhein-Ruhr hat zusammengenommen so viel zu bieten wie Paris oder New York", sagt er. "Zum Beispiel ist in London, Wien oder Hamburg Musiktourismus etwas ganz selbstverständliches." Hier nicht. "Düsseldorf beheimatet mit der Band Kraftwerk eine der wichtigsten Musikgruppen Deutschlands. Lange Zeit hat die Stadt das wenig genutzt."

Urbanana-Team: Jan-Paul Laarmann (l.) mit seinen Kolleginnen Laura Försch und Valeria Melis
Georg Hopp / Fänger der Zeit

Urbanana-Team: Jan-Paul Laarmann (l.) mit seinen Kolleginnen Laura Försch und Valeria Melis

Mit am Tisch sitzt Ole Löding und zündet sich eine Zigarette an, während Laarmann von seiner fiktiven Bananenrepublik schwärmt. Der 41-Jährige ist Musikjournalist und großer Popliebhaber, wie er selbst sagt. Er kommt aus Hamburg, ist mit dem Beatles-Platz, der Hip-Hop-Szene und der Großen Freiheit aufgewachsen.

"Dann bin ich nach Köln gezogen, und auf einmal war immer nur die Rede von Karnevalsmusik", sagt er. Dass Volksmusik und Büttenreden die Stadt nicht ausmachen, merkte er schnell. "Es gibt Städte, die es verstanden haben, den mit der Musikszene einhergehenden touristischen Effekt zu vermarkten." Wie Hamburg. "Und dann gibt es Städte, die das irgendwie verpasst haben." Wie Köln. Und wie das gesamte Ruhrgebiet.

"Dabei gibt es in Köln genauso spannende musikalische Entwicklungen wie in eigentlich jeder Stadt", sagt Löding, "und das Ruhrgebiet hat einige der international erfolgreichsten deutschen Künstler hervorgebracht." Mit Unterstützung von Urbanana will er ab September eine Website einrichten, auf der die wichtigsten Musikplätze in Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet gekennzeichnet sind, Touristen können so den "Sound of Urbanana" entdecken: zum Beispiel in Witten, in Hagen, in Essen.

Eingang zum ehemaligen Kraftwerk-Studio in Düsseldorf
Foto Schiko

Eingang zum ehemaligen Kraftwerk-Studio in Düsseldorf

Da könne man sich nicht nur das ehemalige Studio von Kraftwerk in Düsseldorf ansehen, sondern auch die Jugendzentren, in denen Frida Gold einst groß wurde, oder die Essener Grugahalle, in der die Rock'n'Roll-Legende Bill Haley auftrat und die Beatles spielten. Oder die Kneipen im Stadtteil Duisburg-Ruhrort, in denen einst Udo Lindenberg beschloss, sein Jazzmusikstudium gegen eine Rockmusikerkarriere zu tauschen.

Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Urbanana-Vermittlung: Das zunächst nur online verfügbare Stadtmagazin "The Dorf" aus Düsseldorf vernetzte sich mit den Magazinen aus Köln und dem Ruhrgebiet. Sie tauschten sich aus, berieten sich gegenseitig. Mittlerweile erscheint "The Dorf" halbjährlich auch als Printmagazin mit Tipps für Düsseldorf - und manchmal auch fürs Ruhrgebiet und Köln.

Tourismus für Google-kompetente Menschen

Doch was erwartet Touristen denn nun in Urbanana? Das kann Laarmann selbst nicht so genau in Worte fassen. "Wir denken Tourismus neu und wollen weg von den klassischen Angeboten, wie etwa der Besichtigung des Kölner Doms", sagt er. "Die Menschen wollen immer ausgefallener reisen und unentdeckte Orte finden, abseits vom Mainstream." Man könne beobachten, dass die Grenzen zwischen Touristen und Anwohnern zunehmend verschwimmen: Anwohner werden zu Touristen in der eigenen Region, Touristen wollen Städte möglichst erleben wie Einwohner.

Nach expliziten Reisetipps braucht man Laarmann nicht fragen. "Wir machen Tourismus für Leute, die googlen können", lautet die Antwort. Und die bereit seien, nicht alles im Voraus zu planen, sondern auf Menschen zuzugehen und sich von ihnen Tipps geben zu lassen.

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Dann könne man in Urbanana Orte fernab des Kölner Doms oder der berühmten Düsseldorfer Einkaufsstraße Königsallee finden. Besucher könnten sich etwa die Bedeutung von Streetart im Kölner Stadtteil Ehrenfeld erklären lassen oder kleine Kunstateliers und Design-Stores besuchen, die sich mit lokalen Projekten beschäftigen. Oder eben Orte der Musikgeschichte entdecken. Denn Musiktourismus ist laut Laarmann aktuell ein interessanter Trend.

"Während Musiker in Berlin oder Hamburg um ihre Klubs und Proberäume kämpfen, ist in NRW genug Platz", sagt Musikjournalist Löding. Und auch die Auftrittsmöglichkeiten seien durch die gute Infrastruktur und die Nähe der größeren Städte besser. "Ich habe bei meinen Recherchen im Ruhrpott so viele Veranstaltungs- und Proberäume gefunden, bei denen ich mir dachte: Da würden die Berliner ihren rechten Arm für geben." Nun müssten diese Orte nur noch von der Außenwelt wahrgenommen werden.

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insgesamt 9 Beiträge
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Anna156464641156 21.07.2018
1. Die Idee ist super
Aber bitte nicht von so Wichtigtuern "Wir denken alles neu..." umsetzen. Neu ist daran nämlich gar nichts. Der RRX wird einen viel größeren Teil zum zusammenwachsen der Städteregion beitragen. Dann gibt es ein einheitlich optisch gleiches verbindendes Element und jetzt sind schon so viele Pendler im Rheinruhr Gebiet, wie sonst nirgendwo in Deutschland, unterwegs. Wenn dann noch die sinnlose VRS VRR Grenze fällt wird der Austausch zwischen Köln und Düsseldorf ganz von alleine verbessert. Dazu ein gemeinsames Tourismusprojekt zu starten ist eine gute Idee aber bitte nicht unter dem bescheuerten Namen.
sucher533 21.07.2018
2. 1 Mio Euro Förderung?
Sonst lese ich nur, dass Schwimmbäder, Jugendarbeit u.ä. in Städten dieser Region wegen fehlender Finanzen geschlossen werden müssen. Da ist wohl einer gut vernetzt und hat die richtigen Töpfe gefunden.
MoorGraf 21.07.2018
3. Sehr coole Idee
Aber der Name ist doof! Wenn die dafür noch etwas spritziges, leicht sprechbares (weniger als 4Silben, bitte!) finden, das auch noch mit der Region assoziiert werden kann, fliegt das!
bweich 21.07.2018
4. Mit ausreichenden Zuschüssen kann man gegen den Wind pinkeln! -WHY?
950.000€ Fördergeld? Um eine Region zu „vereinen“ die nicht vereint sein will??? Um eine Region für Künstler interessant(er) zu machen, die mehr drauf haben als Kraftwerk? (Welche als Zugpferd so gut taugen wie ein Shetlandpony vor einem Schwertransporter?) Jetzt mal im Ernst: Für das Geld hätte man besser Bräunungscreme in Nigeria vermarkten sollen! -Insbesondere wenn Marketing-Genies auf gammeligen Essensresten auch noch den Namen ihres tollen Zugpferdes falsch schreiben... ? Da steht „Krafwerk“; keiner bemerkt es; die rennen damit auf ne Messe; und nutzen das Bild für PR?!? Baut nächstes mal bitte ein Waisenhaus von dem Geld! Das hier ist nämlich die peinlichste Nummer die ich (seit 20 Jahren im Marketing) je gesehen habe... -Aber Affen stehen bestimmt auf den Namen! ??
lemmy 21.07.2018
5. Bananenrepublik NRW
Wie passend. Wer sich den Zustand dieses Bundeslandes nicht vorstellen kann, den lade ich ein. Bitte ein robustes, stoßfestes Fahrzeug mitbringen und los geht´s: Kaputte Straßen, verfallene Innenstädte, marode Schulen, kaputte Kindergärten, Kinderarmut, Stadtparks voll mit Dealern und anderen Kriminellen, Horden junger "Männer" im öffentlichen Raum, die einen das Fürchten lehren. Alles sehr beeindruckend. Armselig und heruntergewirtschaftet in jeder Beziehung, demographisch wie strukturell: Das Armenhaus Deutschlands. Und auch, wenn man das in anderen Bundesländern "sexy" findet: ist es NICHT! Und die "neue" alte Landesregierung tut so, als wollte und würde sie etwas ändern. Tut sie nicht. Der Name "Laschet" ist Programm. Und weil wir es in NRW alle so "dicke" haben, zahlen wir für den Luxus, in dem wir leben dürfen auch die höchsten Grundsteuern der ganzen Republik. Wer kausale Zusammenhänge findet, darf sie behalten.
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