Quad-Touren in der Lausitz: Mit Karacho durchs Revier

Von Tim Tolsdorff

Adrenalinsport in der Lausitz: Wo früher riesige Kohlebagger die Erde zerpflügten, können heute Quad-Fahrer durch eine Mondlandschaft mit vielen künstlichen Seen brettern. Bei Tempo 60 ist das für Ungeübte eine echte Herausforderung - zumal hier Wildschweine und sogar Wölfe leben.

Quad-Rundfahrt: Adrenalinsport im Seenland
Fotos
Quadcenter Klein Partwitz, Andreas Ittmann

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Klein Partwitz - Der Motor unter dem Sitz meldet sich mit einem Heulen, als der Daumen den Plastikhebel am Lenker nach vorn schiebt. Mit einem Satz springt das Quad von der Straße in den Hohlweg und beschleunigt. Die Heckleuchten des Vordermannes sind irgendwo im Dickicht verschwunden, da heißt es Nachsetzen. 30 km/h zeigt der Tacho an, dann 40, schließlich 50. Was hinter dem Steuer eines Autos wie eine Kaffeefahrt wirkt, hat auf einem Quad im Wald Formel-1-Charakter.

Auf Armlänge fliegen kräftige Birkenstämme vorbei, Zweige malträtieren den Helm wie die Enden mehrschwänziger Peitschen. Adrenalin schießt durch die Adern, nicht auszumalen, was im Falle eines Fahrfehlers passieren würde - eine Knautschzone besitzt das Quad nicht. Über die kleineren Schlaglöcher fliegt das Gefährt locker hinweg, große Rinnen werden dagegen zu haarsträubenden Hindernissen - erst recht, als das Visier des Helms von innen beschlägt. Schließlich halten die sieben Vorderleute am Ufer eines Sees an. Wie die Mitglieder einer Motorrad-Gang steigen die Fahrer von ihren röhrenden Untersätzen und versammeln sich um den Anführer des Konvois, Andreas Ittmann. Es ist Zeit für eine kurze Lektion Heimatkunde.

Seit mittlerweile fünf Jahren bietet der 30-Jährige Lausitzer Ittmann Quad-Touren durch seine Heimat an. Das Geschäft boomt - so wie viele Freizeitprojekte in der Gegend. Verantwortlich dafür ist der Strukturwandel in der Lausitz: Langsam aber sicher mausert sich die einstige Kohlekammer der DDR zwischen Dresden, Cottbus und Berlin zum Dorado für Naturliebhaber und Adrenalinjunkies.

Trainingsrunden im Garten

Bei dieser Entwicklung spielt Wasser eine prominente Rolle. Eine Menge Wasser. Die alten Tagebaue in der Region werden derzeit geflutet. Zusammen sollen sie später die Lausitzer Seenplatte bilden. Vielerorts kann man erahnen, wie das dereinst aussehen soll: Bagger verdichten sandige Uferstreifen zu Stränden, andernorts sind bereits Hafenbecken gemauert. An vielen Seen aber ist das Betreten der Böschungen verboten - zu groß ist noch die Gefahr von Rutschungen oder Abbrüchen.

Für Andreas Ittmanns Zwecke ist die vielseitige Landschaft das beste Kapital - denn seine Kunden, Quadtouristen wie der 25-jährige Marco aus Cottbus, lieben die Abwechslung. "Ich bin wegen der Landschaft hier", sagt er, "und um auszuprobieren, wie so ein Gefährt abgeht." Bevor es soweit ist, überzeugt sich Ittmann vom fahrerischen Talent seiner Schützlinge. Auf eine kurze Einweisung in die Technik der automatischen und halbautomatischen Quads folgen einige Runden über den Übungsparcours im Garten.

Nicht immer bestehen alle Kandidaten diesen Test. Probleme gebe es vor allem mit Motorradfahrern. "Die versuchen oft, die Quads zu lenken, indem sie sich in die Kurven reinlehnen", sagt Ittmann. "Das funktioniert aber bei vier Rädern nicht." Stattdessen ist gefühlvolles Lenken und wohldosiertes Gas geben gefragt. Nach einigen Trainingsdurchgängen haben alle Teilnehmer den Dreh raus und ziehen ihre Runden.

Eine halbe Stunde später, die erste Geländeetappe ist bewältigt, blickt die ganze Truppe quer über den Blunoer Südsee auf die Mondlandschaft am anderen Ufer und lauscht den Ausführungen des Tourleiters. Hoch wie Plattenbauten türmen sich die dunkelbraunen Abraumhaufen am Wasser auf und warten darauf, dass Planierraupen und anderes Gerät sie zusammenschieben, verdichten und in einen ansehnlichen Uferstreifen verwandeln.

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insgesamt 5 Beiträge
scheppertreiber 02.06.2010
Quad im Sand ? Mit einem Gespann (zB Dnepr oder Ural, geländegängig mit Beiwagenantrieb und Differentialsperre) macht das erst richtig Spaß. So ist das Kinderkram für Touristen.
Quad im Sand ? Mit einem Gespann (zB Dnepr oder Ural, geländegängig mit Beiwagenantrieb und Differentialsperre) macht das erst richtig Spaß. So ist das Kinderkram für Touristen.
MagNix 02.06.2010
Klar. Die ganze Welt ist ein Abenteuerspielplatz für verhinderte Actionhelden. Wann werden die Wölfe dort abgeknallt, weil sich einige der "Abenteurer" durch diese gestört fühlen könnten (schlecht fürs Geschäft und [...]
Zitat von sysopAdrenalinsport in der Lausitz: [...] - zumal hier Wildschweine und sogar Wölfe leben.
Klar. Die ganze Welt ist ein Abenteuerspielplatz für verhinderte Actionhelden. Wann werden die Wölfe dort abgeknallt, weil sich einige der "Abenteurer" durch diese gestört fühlen könnten (schlecht fürs Geschäft und die "Region")?
rwin 02.06.2010
Warum läßt man die Wildschweine und Wölfe nicht einfach in Ruhe? Warum muß man eine geschundene Natur auch noch mit Füßen treten? Wildschwein und Wölfe sind mir jedenfalls lieber als Quad-Touristen...
Zitat von sysopAdrenalinsport in der Lausitz: Wo früher riesige Kohlebagger die Erde zerpflügten, können heute Quad-Fahrer durch eine Mondlandschaft mit vielen künstlichen Seen brettern. Bei Tempo 60 ist das für Ungeübte eine echte Herausforderung - zumal hier Wildschweine und sogar Wölfe leben. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,697850,00.html
Warum läßt man die Wildschweine und Wölfe nicht einfach in Ruhe? Warum muß man eine geschundene Natur auch noch mit Füßen treten? Wildschwein und Wölfe sind mir jedenfalls lieber als Quad-Touristen...
Holperik 02.06.2010
Wölfe und Wildschweine sind halt nur was für ältliche, grün angehauchte Knickerbockerträger mit Spektiv oder 800m Tele, die im Morgenlicht im Gebüsch hocken. Da fehlt der Adrenalinschub, man ist ja schließlich dynamisch und [...]
Zitat von rwinWildschwein und Wölfe sind mir jedenfalls lieber als Quad-Touristen...
Wölfe und Wildschweine sind halt nur was für ältliche, grün angehauchte Knickerbockerträger mit Spektiv oder 800m Tele, die im Morgenlicht im Gebüsch hocken. Da fehlt der Adrenalinschub, man ist ja schließlich dynamisch und sportlich, macht sich montagmorgens in der Firma auch besser, wenn man von einem Überschlag zu erzählen weiß als der Bericht von einer Wölfepaarung.
lespaul57 02.06.2010
Da ich inmitten der beschriebenen Landschaft wohne, habe ich diesen Artikel mit besonderem Interesse gelesen. So eine Tour wollte ich auch mal bei Gelgenheit machen. In der Tat handelt es sich hier NICHT um irgendwelche [...]
Da ich inmitten der beschriebenen Landschaft wohne, habe ich diesen Artikel mit besonderem Interesse gelesen. So eine Tour wollte ich auch mal bei Gelgenheit machen. In der Tat handelt es sich hier NICHT um irgendwelche Pistenrowdies, die die heile Natur umpflügen. Es sind wirklich "Tagebautouren" und ganz in meiner Nähe befindet sich noch ein Offroadpark auf einen ehemaligen Sowjetischen Flughafen. Es sei ein Jeder eingeladen, sich die hiesigen Mondlandschaften anzuschauen. Der Begriff Mondlandschaft trifft den Nagel auf den Kopf. Wo die Bagger waren, wächst (vorerst) nichts mehr! Und wo nichts ist, kann man auch nichts mehr kaputt machen. Von daher ist der Quad- Unternehmer einfach nur clever und macht sich die Gegebenheiten zu Nutze. Im Übrigen muss hier meiner Meinung nach nicht schon wieder eine Wolfs- Diskussion auf Schreckensszenario- Niveau der B... - Zeitung begonnen werden. Einige Bauern jammern ja schon wieder um ihre Rinder. Kunststück wenn sie einem Wildtier wie dem Wolf das Essen direkt vor's Maul stellen. Ein Wolf wird niemals einen Menschen ohne besonderen Grund angreifen. Und die handvoll, die es hier gibt (die Zahl 60 hab ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört, viell. in ganze Deutschland?!) stellen ja nun wirklich keine bedeutende Population dar.. whatever.. kommts vorbei! hier ist's schön :)
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  • Datum: Mittwoch 02.06.2010 | 06:21 Uhr
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AP
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