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Aufregung um die "MS Deutschland": Traumschiff unter falscher Flagge

Millionen Zuschauer kennen die "MS Deutschland" als "Traumschiff" des ZDF. Doch der berühmteste Kreuzfahrer der Nation soll bald nicht mehr unter deutscher Flagge in See stechen, sondern unter maltesischer. Jetzt mischt sich sogar die Bundesregierung in den Fall ein.

Das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland": Bald MS "Malta"? Zur Großansicht
DPA

Das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland": Bald MS "Malta"?

Berlin/Neustadt - Seit 1999 fungiert die "MS Deutschland" als Kulisse für die ZDF-Schnulzenserie "Das Traumschiff". Fast jeder Deutsche kennt den Luxusdampfer. 500 Passagiere haben auf dem 175 Meter langen und 23 Meter breiten Schiff Platz.

Doch schon bald soll aus der "MS Deutschland" eine "MS Malta" werden. Die Reederei Peter Deilmann aus Neustadt plant, die schwarz-rot-goldene Flagge am Achterdeck des Schiffes einzuholen und die maltesische zu hissen. Statt Neustadt soll dann Valetta als Heimathafen auf dem Schiff stehen. Die Aufregung ist groß.

Das ruft selbst die Bundesregierung auf den Plan: Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, warnt in einer Mitteilung eindringlich davor, die "Deutschland" auszuflaggen. "Die Verlagerung in das Schiffsregister Maltas hat weit mehr Auswirkungen als das Auswechseln der deutschen Fahne durch die maltesische", sagte Otto. Insbesondere für die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes wäre dieser Flaggenwechsel "mit erheblichen Änderungen rechtlicher und finanzieller Art" verbunden.

Die Reederei Peter Deilmann, seit 2010 im Besitz des Finanzinvestors Aurelius, begründet ihr Vorhaben unter anderem mit der Kürzung von Zuschüssen für deutsche Schiffe aus Berlin. Die Reederei hatte dazu im Mai geschrieben: "Der Gesetzgeber hat leider in den letzten Monaten endgültig entschieden, Finanzmittel um mehr als 80 Prozent zu kürzen." Diese Mittel hätten früher "die erheblichen Kostennachteile eines im deutschen Schiffsregister geführten Schiffes zumindest teilweise ausgeglichen und damit die Chancengleichheit auf dem Markt gesichert".

"Verantwortung für die deutsche Seeschifffahrt"

Auch auf politischer Ebene habe keine zufriedenstellende Lösung erarbeitet werden können, so das Unternehmen weiter. Deshalb sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine Veränderung des Schiffsregisters für alle Beteiligten die sinnvollste Lösung darstelle. Auf der "MS Deutschland" arbeiten nach Medienberichten 300 Besatzungsmitglieder mit bisher deutschen Arbeitsverträgen.

Der Maritime Koordinator der Bundesregierung wies diese Darstellung nun entschieden zurück: "Die Bundesregierung steht zu ihrer Verantwortung für die deutsche Seeschifffahrt." Das Maritime Bündnis werde gerade nach vielen Gesprächen zwischen Reedern und der Bundesregierung auf eine neue, solide Grundlage gestellt - insbesondere mit positiven Auswirkungen für die Seeleute auf Schiffen unter deutscher Flagge, teilte Otto weiter mit.

Der Maritime Koordinator appellierte zudem an die Reederei, der Verantwortung und klaren Zusagen für den Standort Deutschland gerecht zu werden. "Dies gilt in besonderem Maße für den Eigentümer des Schiffes, das den Namen dieses Landes trägt und das "Deutsche Schiff" bei den Olympischen Spielen in London sein wird", hieß es in Ottos Mitteilung.

heb/dpa

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1. Haben wir
felisconcolor 09.06.2012
Zitat von sysopDPAMillionen Zuschauer kennen die "MS Deutschland" als "Traumschiff" des ZDF. Doch der berühmteste Kreuzfahrer der Nation soll bald nicht mehr unter deutscher Flagge in See stechen, sondern unter maltesischer. Jetzt mischt sich sogar die Bundesregierung in den Fall ein. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,837911,00.html
keine anderen Probleme? Keinen Cent für die Schleckerfrauen und die Politik dreht am Rad. Aber bei so einen blöden Kahn da wird das zu einem nationalen Problem. Schmierentheater ist noch zu fein für diese Regierung.
2. kompliziert
regensommer 09.06.2012
Wie kompliziert geht es noch? Die Bürokratie und Verordnungen verschlingen soviel Geld, dass man diesen Wettbewerbsnachteil durch Förderung wieder ausgleichen muß? Wo bleibt da der soviel gelobte frei Wettbewerb? Mir wäre es lieber, man müßte solche Förderprogramme nicht auflegen und kümmert sich lieber gleich um halbwegs vernünftige Zustände. Ansonsten - soll das Schiff doch ausflaggen. Am allerliebsten wäre es mir, das Ding geht unter. Nur ein Dampfer der nicht fährt ist ein guter Dampfer für die Umwelt.
3. Absolut richtig
el-gato-lopez 09.06.2012
Zitat von felisconcolorkeine anderen Probleme? Keinen Cent für die Schleckerfrauen und die Politik dreht am Rad. Aber bei so einen blöden Kahn da wird das zu einem nationalen Problem. Schmierentheater ist noch zu fein für diese Regierung.
Politisches Kalkül - bei Schwarz-Gelb fürchtet man wohl, dass die Wohlstands-Spiesser der Generation Ü60 (ergo, der durchschnittliche CDU-Wähler) auf die Barrikaden gehen, wegen dieses "Landesverrates". Soviel zum Thema Wettbewerb und unternehmerische Freiheit, wärs den lieben Polittechnokraten wohl genehmer, wenn der alte Kahn aus Kostengründen gleich stillgelegt wird? Kleine, "angestaubte" Schiffe scheinen sich für die Branche ja nicht zu rentieren. Abgeshen davon - "Maritimer Koordinator" - wenn man das schon hört, kann man sich die Beamtenseele dahinter schon mit Grausen vorstellen, wieder so ein Gefälligkeitsplätzchen für verdiente Parteigänger, bzw. Aktenschubser mit Jahrzehnten (!) Erfahrung?
4.
Pete_2718 09.06.2012
Zitat von felisconcolorkeine anderen Probleme? Keinen Cent für die Schleckerfrauen und die Politik dreht am Rad. Aber bei so einen blöden Kahn da wird das zu einem nationalen Problem. Schmierentheater ist noch zu fein für diese Regierung.
Der Schleckervergleich ist mir auch gleich in den Sinn gekommen. Besonders wegen der "erheblichen Änderungen rechtlicher und finanzieller Art", die den Mitarbeitern dort ja wohl auch drohen. Vielleicht sollten alle vom Konkurs bedrohten Unternehmen in D ein bißchen deutschtümeln und den Landesnamen zum Firmennamen hinzufügen? "Schlecker DEUTSCHLAND" hätte vielleicht mehr Chancen gehabt...
5.
manta 09.06.2012
---Zitat--- Fast jeder Deutsche kennt den Luxusdampfer ---Zitatende--- Erm....Nein. Die über 100 jährigen Deutschen kennen das Teil vielleicht. Spiegel wieder im Sommerloch ?
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