Stornokosten Tod ist rechtlich keine Krankheit

Kranker als tot geht nicht? Irrtum: Wer darauf baut, eine gebuchte Reise wegen eines Todesfalls von der Reiseversicherung erstattet zu bekommen, kann eine herbe Enttäuschung erleben.


Wer das finanzielle Risiko eines Reiseausfalls oder -abbruchs mit einer Versicherung absichern will, kann herbe Enttäuschungen erleben: Die Versicherer zahlen nur, wenn die Vertragsbedingungen haarklein erfüllt werden. Bei einem plötzlichen Trauerfall ist das nicht unbedingt gegeben, urteilte nun das Amtsgericht München.

Reiserücktrittsversicherungen werden vor allem langfristigen Buchern, Familien mit Kindern und Senioren empfohlen. Sie schützen im schlimmsten Fall vor hohen Stornokosten, wenn eine Reise aus unvorhergesehen Gründen aufgegeben werden muss. Nur: Wie unvorhersehbar ist der Tod? Und was muss der Versicherte trotzdem tun, um Geld von der Versicherung zu bekommen?

Denn auch wenn die Trauer des Hinterbliebenen unbeschreiblich groß ist, gilt der Tod rechtlich nicht als unerwartet schwere Erkrankung. Und deshalb zahlt die Reiserücktrittsversicherung auch nicht unbedingt die Kosten für eine Reisestornierung, urteilte kürzlich das Amtsgericht München (Az.: 233 C 26770/14).

Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift "ReiseRecht aktuell". In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin für sich und ihren Ehemann eine Reise für 5736 Euro gebucht. Sie schloss bei der Beklagten eine Reiserücktrittsversicherung für sich, ihren Gatten und zwei weitere Personen ab. In der Nacht drauf starb der Mann.

Die Versicherung nahm den Vertrag erst einige Tage später an - ohne vom Tod des Mannes zu wissen. Die Klägerin stornierte die Reise, der Veranstalter stellte 3441,60 Euro in Rechnung. Von der Versicherung bekam die Frau das Geld nicht zurück. Die Trauer der Klägerin sei keine unerwartet schwere Erkrankung, entschied das Gericht.

Eine Arzt hatte der Frau zwar eine schwere psychosoziale Belastungsreaktion attestiert - diese sei aber nur eine Umschreibung einer Trauerphase, so das Urteil. Ärztliche Behandlung bekam die Klägerin nicht. Deshalb hätte die Frau die Versicherung über den Tod ihres Mann informieren müssen: So musste die Versicherung nicht für die Stornogebühren aufkommen. Ob sie dies getan hätte, wenn die Versicherte ihre Versicherung direkt nach dem Todesfall informiert hätte, ist dem Urteil nicht zu entnehmen.

Reiseexperten raten davon ab, sofort bei Buchung eine Versicherung der Reise abzuschließen: Zuvor sollte man sich über die Leistungspakete, Kosten und auch die Zahlungskulanz verschiedener Versicherungen vergleichend informieren. Die Verbraucherzentralen helfen hier mit unabhängigen Informationen weiter. Die Recherche im Netz sollte man dagegen auf vertrauenswürdige, bekannte Quellen begrenzen: Die meisten Webseiten, die zu spezifischen Versicherungsformen "Tests" anbieten, sind in der Regel Maklerseiten, die Versicherungen verkaufen wollen.

Viele Verbraucher verfügen zudem bereits über Reisekostenversicherungen, ohne sich dessen immer bewusst zu sein. Bei manchen Kreditkarten ist das Teil der Vertragsvorteile, auch Autoclub-Mitgliedschaften mit größerem Leistungsumfang können solche Leistungen umfassen.

dpa/pat

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
vlado13 15.11.2016
1. Trau schau wem...
Ich habe im Frühsommer eine Reise storniert wegen des Todes eines direkten Angehötigen. Die Reiserücktrittsversicherung (ERV) hat die Stornokosten für die Unterkunft übernommen, und opodo.de hat meine Ansprüche ggü. der Fluggesellschaft geltend gemacht. Alitalia zahlt nämlich 100% zurück, wenn man aus diesem Grund nicht fliegt. (Für mich, das Ticket meiner Frau hat die Versicherung übernommen.) Kommt also drauf an, wo man versichert ist...
o.schork 15.11.2016
2. hm
Vielleicht war es auch etwas verwegen, die Versicherung nach Eintritt des Versicherungsfalles abzuschließen.
Sibylle1969 15.11.2016
3. RRKV überflüssig
Die Reiserücktrittskostenversicherung ist eine der überflüssigsten Versicherungen überhaupt, zumindest für Reisen, die bis maximal einen niedrigen 4-stelligen Betrag kosten. Ich habe noch nie eine abgeschlossen. Schaut man sich die Versicherungsbedingungen genau an, dann sieht man die Haken eigentlich sofort: 1. Die von der Versicherung abgedeckten Stornierungsgründe sind recht restriktiv. Alle anderen Stornogründe sind. 2. Die Versicherung deckt nicht die gesamten Stornokosten, sondern behält einen signifikanten Selbstbehalt ein. 3. Bei Eintreten des Versicherungsfalls kann man viel falsch machen und dadurch leer ausgehen. Wird man zum Beispiel zwei Wochen vor dem Reisetermin krank und hofft, bis zum Reiseantritt noch rechtzeitig gesund zu werden, dann hat man ein Problem, wenn man dann doch nicht rechtzeitig fit ist. Denn man hätte die Reise sofort stornieren müssen, um den Schaden möglichst gering zu halten. Auch wenn der Arzt einem in Aussicht gestellt hat, bis zum Termin wieder gesund zu sein. Ich musste in meinem Leben einmal eine gebuchte Reise wegen einer kurzfristig notwendigen Operation absagen. Das hat 400 Euro Stornokosten gekostet. Hätte ich für jede in den letzten 20 Jahren gebuchte Reise eine RRKV abgeschlossen, dann hätte ich ein Vielfaches dieser 400 Euro bezahlt. Ich habe für mich entschieden, dass ich keine RRKV abschließe und dann halt in Kauf nehme, vielleicht alle 10-20 Jahre mal eine Reise sausen lassen zu müssen. Auf lange Sicht ist das günstiger. Klar steigt das Risiko mit dem Alter, dass man eine Reise nicht antreten kann. Aber da steigen auch noch mal die RRKV-Prämien deutlich.
Sibylle1969 15.11.2016
4.
Zitat von o.schorkVielleicht war es auch etwas verwegen, die Versicherung nach Eintritt des Versicherungsfalles abzuschließen.
Sie haben den Artikel nicht richtig gelesen: die Frau hat die Reise gebucht für 4 Personen und zusammen mit der Reisebuchung die Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen (dafür muss man ja häufig nur ein Häkchen setzen oder selbiges wegklicken). Der Mann ist dann am nächsten Tag verstorben, als die Reise bereits gebucht war, die Versicherung den Vertrag aber noch nicht angenommen hatte. Die Frau hat dann allerdings die Versicherung nicht über den Tod ihres Mannes informiert (vielleicht verständlich bei all dem Stress, dem man in so einer Situation ausgesetzt ist). Kurze Zeit später hat sie die Reise storniert und sich auf gesundheitliche Probleme wegen der Trauer um ihren Mann berufen. Ob die Frau die Versicherung hätte informieren müssen, war nicht Gegenstand des Verfahrens, sondern letztlich, dass Trauer um einen Angehörigen im juristischen Sinne keine Krankheit ist, die einen Reiserücktritt rechtfertigt.
forumgehts? 15.11.2016
5. Genau
gesehen ist der Tod sogar gesund! Oder ist schon irgend jemand nach seinem Hinscheiden jemals wieder krank geworden? :-))
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