Hauptstadt für Kenner: Berlin mal anders

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Hauptstadt für Kenner: Das geheime Berlin Fotos
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Haben Sie genug von den Touristenmassen, die sich durch Berlin wälzen? Sie wollen die deutsche Hauptstadt abseits der üblichen Pfade erleben? Dann besuchen Sie das Brandenburger Tor! Aber nur, wenn es unbedingt sein muss. Ein ironischer Reisetipp.

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Nur wenigen bekannt, obschon mitten in Berlin gelegen, ist der Pariser Platz. Leicht zu entdecken ist er zwar nicht, doch wer sich ein wenig mit den Geheimnissen des Berliner Nahverkehrs beschäftigt, wird den Weg finden: Am besten steigen Sie an der Haltestelle "Brandenburger Tor" aus, erreichbar allerdings leider nur mit der U55, der S1, S2 und S25, oder aber dem Bus der Linie TXL 100.

Viel empfehlenswerter für Abenteuerlustige ist die Anreise mit dem eigenen Pkw. Über einen Parcours von kunstvoll ineinander verschachtelten Baustellen nähern Sie sich dem versteckt im Zentrum der Hauptstadt befindlichen Platz; zahlreiche Staus geben schon auf der Anreise Gelegenheit, das Umfeld des Ziels genau zu betrachten.

Da wäre das Café Einstein Unter den Linden zu erwähnen, ein kaum besuchtes Lokal für Einheimische (im Hinterzimmer ist immer ein Platz frei, einfach durchlaufen), oder auch die skurrile Wachsfigurenausstellung bei Madame Tussauds, wo Nachbildungen Prominenter aus aller Welt zu bestaunen sind - eine Weltneuheit, mit der Sie die lieben Daheimgebliebenen nachhaltig beeindrucken können.

Keine Parkplätze? Macht nichts!

Am Pariser Platz angekommen, werden Sie feststellen, dass es hier keinerlei Parkplätze gibt. Das macht aber überhaupt nichts. Einer der zahlreichen, nur zu diesem Zweck anwesenden Park-Gendarmen (erkennbar an der blauen Uniform und der Waffe am Gürtel) wird sich freuen, wenn Sie ihm den Schlüssel Ihres Wagens reichen, und ihn gleich um die Ecke für Sie abstellen - einen Euro sollten Sie dafür springen lassen.

Steigen Sie aus und genießen Sie den Blick auf das imposanteste Bauwerk, das von hier zu sehen ist: Die Siegessäule in Richtung des Tiergartens, nur verdeckt von einem hässlichen Säulenbau namens Brandenburger Tor, der jedoch keiner weiteren Erwähnung bedarf. Erfreuen Sie sich stattdessen am bunten Treiben auf dem Platz. Hier ist Berlin noch so, wie es vor hundert Jahren gewesen sein mag.

Echte Hauptstadtbewohner erkennen Sie an ihrer traditionellen Verkleidung als Berliner Bär, als Darth Vader (nur original mit Lichtschwert, beziehungsweise, wie die sprichwörtliche Berliner Schnauze es nennt, "Lampen-Latte") oder auch als amerikanischer oder russischer Soldat. Vorsicht jedoch: Fotografieren sollten Sie diese Leute besser nicht, und keinesfalls gegen Geld - die Berliner Ureinwohner haben Angst, dabei ihre Seele zu verlieren. Sie sind ein abergläubiges Völkchen.

Drehen Sie zur Einstimmung unbedingt (und vor allem, wenn Sie als Gruppe anreisen) eine Runde auf dem traditionellen Berliner Fortbewegungsmittel, dem sogenannten Fun-Bike, einem Mehrpersonen-Drahtesel, der Sie elegant und würdevoll zu transportieren vermag. Nehmen Sie dabei keine Rücksicht auf Fußgänger - Fun-Bikes haben in Berlin immer Vorfahrt!

Immer mit der Ruhe - hier haben alle viel Zeit

Lauschen Sie dann einigen Ur-Berliner Liedern, die auf dem Pariser Platz von einheimischen Künstlern vorgetragen werden. Bei den Anliegern rund um den Pariser Platz (auch SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE sind hier vertreten) besonders beliebt ist das Stück "My Heart Will Go On", das es von hier sogar auf den Soundtrack des Filmes "Titanic" gebracht hat. Immer wenn es ertönt, und das ist sehr oft der Fall, öffnen sich die Fenster der umliegenden Büros, damit dieses großartige Lied wieder und wieder den grauen Büroalltag versüßen kann. Just, während ich diese Zeilen schreibe, erklingt es erneut. Wunderbar.

Solchermaßen kulturell gestärkt, sollten Sie Ihrem Magen ein besonderes Schmankerl gönnen: Besuchen Sie das lauschige Café Starbucks, einen heimeligen Ort, an dem US-Kaffeespezialitäten ausgeschenkt werden, wie Sie sie sonst nirgendwo auf der Welt bekommen. Wählen Sie Ihr Getränk in aller Ruhe aus, wenn Sie an der Reihe sind - die Angestellten haben viel Zeit. Das Starbucks liegt etwas versteckt an einer Straßenecke direkt gegenüber dem Brandenburger Tor. Am besten fragen Sie sich durch - in der ebenfalls am Pariser Platz befindlichen US-Botschaft hilft man Ihnen gewiss gerne weiter. Hier ist immer Tag der offenen Tür.

Danach wartet bereits der letzte Höhepunkt Ihres denkwürdigen Aufenthalts im kaum bekannten Berlin: Denn kein Besuch am Pariser Platz ist komplett ohne Kutschfahrt. Mieten Sie eine Droschke (Sie werden sich wundern, wie günstig das ist!) und lassen Sie sich, am besten zur Hauptverkehrszeit zwischen 18 und 19 Uhr, von einem der für ihre Freundlichkeit bekannten Kutscher in Richtung der Friedrichstraße fahren.

Machen Sie sich keine Sorgen darum, ein Verkehrshindernis zu sein: Alle Berliner freuen sich, mit ihrem Auto eine Kutsche verfolgen zu dürfen - es ist eine willkommene Pause im Großstadttrubel, der Duft ist atemberaubend, und die Pferdeäpfel bringen Glück. Aufmunterndes Hupen wird Ihre Reise begleiten. Bis zum nächsten Mal!

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Berlin mal anders?
kokoschinsky 18.04.2012
Das kann nur jemand geschrieben haben, der entweder noch nie in Berlin war,sowieso kein Berliner sein kann oder andere damit nervt, aus einem Reiseführer für Bonner Beamte abzuschreiben.
2. Aus Zwei mach Eins
ArnoNuem 18.04.2012
Zitat von sysopDPAHaben Sie genug von den Touristenmassen, die sich durch Berlin wälzen? Sie wollen die deutsche Hauptstadt abseits der üblichen Pfade erleben? Dann besuchen Sie das Brandenburger Tor! Aber nur, wenn es unbedingt sein muss. Ein ironischer Reisetipp. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,828310,00.html
Ironie hin oder Ironie her - es gibt in Berlin keine Buslinie TXL 100; es gibt aber die Buslinie TXL und die fährt entweder vom Alexanderplatz zum Flughafen Tegel (noch gut 45 Tage) oder vom Flughafen Tegel zum Alexanderplatz (auch noch gut 45 Tage), und dann gibt es noch die Buslinie 100 und die fährt vom Bahnhof Zoo quer durch den Tiergarten ins Ostberliner Outback und zurück. Voraussichtlich noch länger als 45 Tage. Man sagt auch, die Linie 100 sei die billigste Stadtrundfahrt der Hauptstadt. So, nun lese ich den Arikel ab Zeile sieben weiter.
3.
albedo_ 18.04.2012
Beim Lesen des Abstracts dachte ich erst, der Text würde den Hipster-Tourismus auf die Schippe nehmen ... dem hätte ich auch was abgewinnen können. Aber das hier? Das ist genauso unterhaltsam wie die locker-lustigen Texte die meine Mutter auf Geburtstagsfeiern ab 50 vorträgt ...
4. Einladung
ArnoNuem 18.04.2012
Sehr geehrter Herr Kurz-Mony, hiermit lade ich Sie recht herzlich ins wunderschöne Steglitz ein und dann spaziere ich mit ihnen durch den Botanischen Garten. Bitte bringen Sie eine Campingliege mit. Wir gehen zur Zungenkratzdiestel (der verehrte Martin Buchholz ist Pate dieser wunderschönen Pflanze), dort stellen Sie ihre Liege auf und vertiefen sich in die Werke von Martin Buchholt, Kurt Tucholsky, Dieter Hildebrandt und Matthias Beltz. Nach ca. zwei Wochen hole ich Sie wieder ab und dann schauen wir, ob es mit der Ironie klappt. Beliebige Grüße Arnonuem
5.
moonlighting 18.04.2012
Zitat von kokoschinskyDas kann nur jemand geschrieben haben, der entweder noch nie in Berlin war,sowieso kein Berliner sein kann oder andere damit nervt, aus einem Reiseführer für Bonner Beamte abzuschreiben.
Warum sollte das nicht ein Berliner geschrieben haben? Die haben doch einen merkwürdigen Sinn für Humor.
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