Rügen intim: Ich zeig' dir meine Insel

Rügen kennen wie ein Insulaner: Einheimische Seniorenführen auf der Ostseeinsel Touristen zu abgeschiedenen Idyllen, TV-Drehorten und den sonnigsten Stränden - und plaudern dabei aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen.

Nationalpark Jasmund: Rügens Senioren zeigen ihre Insel
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Nationalpark Jasmund: Rügens Senioren zeigen ihre Insel

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Bergen - Man lernt sich kennen bei einer Tasse Kaffee. In der Lobby des Parkhotels Rügen in Bergen haben sich Helmut und Angelika Wormsbächer mit Rentnerin Luise Braasch getroffen. Die 71-jährige Rüganerin hat eine große Inselkarte mitgebracht. Jetzt zeigt sie den Urlaubern aus Rheinland-Pfalz, wo man sogar mitten in der Hochsaison jenseits von Rügens Touristenhochburgen idyllische Orte der Stille und Abgeschiedenheit findet, ohne einem einzigen Urlauber zu begegnen.

Die Wormsbächer haben sich für einen Tagesausflug zu den Boddenhalbinseln im Nordwesten von Rügen entschieden. "Eine gute Wahl", findet Luise Braasch. "Dort werden wir auf eine traumhafte Landschaft mit kleinen Inseldörfern und alteingesessenen Bewohnern stoßen." Man verabredet sich für den nächsten Tag am Hotel.

Seit zwei Monaten vermittelt das Hotel im Rahmen des Projekts "Ich zeig dir meine Insel" ortskundige Insulaner an unternehmungslustige Hotelgäste für gemeinsame Ausflüge. Das bundesweit einzigartige Gemeinschaftsprojekt mit dem Seniorenbeirat des Landkreises stößt zunehmend auf Interesse.

Viele Urlauber hegten den Wunsch, einen Tag lang auf nicht ausgetretenen Pfaden die eher unbekannten Inselgegenden zu erkunden, sagt Hotelmanagerin Christine Gehm. Fast alle, die bis jetzt mit den einheimischen Inselführern unterwegs gewesen seien, würden die Tour weiterempfehlen. Die Dienste der ehrenamtlichen Führer sind gratis. Lediglich die Kosten für Aufwendungen wie Transport, Eintrittskarten oder Verkostung müssen von den Touristen übernommen werden.

Bei "Hol roever!" kam der Fährmann

Tags darauf steigt Luise Braasch in den Wagen der Urlauber und lotst Fahrer Helmut Wormsbächer aus ihrer Stadt hinaus, vorbei am renaturierten Nonnensee in den Inselwesten. Die Fahrt geht über enge Alleen. Man unterhält sich über Landwirtschaft, Wetterzonen, Vogelschutz und Bausünden. Die redselige Inselführerin erzählt ihren Gästen, dass man von jedem beliebigen Inselort höchstens sechs Kilometer laufen müsse, um zum Wasser zu gelangen und dass man am Strand von Baabe von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends in der Sonne liegen könne.

Eine halbe Stunde später holpert der Wagen über Feldplatten vorbei an einem verlassenen Gut. Der Blick wird frei auf die Banzelvitzer Berge und die Halbinsel Liddow. Keiner kennt sich in dieser Abgeschiedenheit so gut aus wie Luise Braasch. Gleich nebenan in Neuenkirchen sei sie geboren worden, erzählt sie ihren Begleitern.

"Wenn wir Kinder in Holzpantoffeln zur Schule gingen, riefen wir 'Hol roever!', dann setzte uns der Fährmann über den Tetzitzer See." Später sei eine Brücke gebaut worden, sagt die rüstige Seniorin, die ihren Gästen bei einem Brückenspaziergang die Drehorte der ZDF-Fernsehserie "Hallo Robbie!" zeigt.

Später trifft man sich im Garten von Roland Schielke, einem Rügener Original. Mehr als 40 Jahre lang hat Schielke im Bodden gefischt, nun hat er sich als Künstler einen Namen gemacht. Mit einer Kettensäge verwandelt der Rentner jetzt alte Baumstämme in kunstvolle Skulpturen, die er den Gästen beim Rundgang über das Anwesen vorstellt.

Den Nachmittag verbringt das Trio auf einer abgeschiedenen Halbinsel. Braasch zitiert aus Aufzeichnungen des Rügener Heimatforschers Johann Jacob Grümbke (1771 bis 1849), der einst diesen Landstrich durchwandert hatte. Zum Abschluss laden die Wormsbächer ihre charmante Inselführerin zum Essen in eine urige Fischerklause ein.

Wenn die Gäste zum Ende des Ausflugs das Gefühl hätten, einen besonderen Tag erlebt zu haben, sei das für sie Erfüllung genug, sagt die ehrenamtlich tätige Reiseführerin. Sie habe Spaß daran, Fremden Land und Leute näherzubringen, bekennt die alleinstehende Witwe, die zu DDR-Zeiten im Gewerkschaftsferiendienst tätig war.

Mittlerweile gebe es bereits mehrere Senioren, die sich an dem Projekt beteiligten. Manche von ihnen hätten schon feste Freundschaften mit ihren Gästen geschlossen.

Ralph Sommer, ddp

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