Bergbau-Dämmerung Schicht im Schacht

Das Ruhrgebiet hat in diesem Jahr Anlass für bittersüße Feiern: 2018 ist das Jahr des endgültigen Kohleausstiegs. Wir verlosen zehn exklusive Tickets für eine der letzten Fahrten "unter Tage".

Zeche Prosper-Haniel in Bottrop: Hier wird es für zehn SPIEGEL-Online-Leser abwärts gehen, bevor die letzte Zeche des Ruhrgebiets endgültig schließt
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Zeche Prosper-Haniel in Bottrop: Hier wird es für zehn SPIEGEL-Online-Leser abwärts gehen, bevor die letzte Zeche des Ruhrgebiets endgültig schließt


Es gibt keine Region in Deutschland, die sich so sehr über ihre Industrien definiert wie das Ruhrgebiet. Stahl und Kohle bestimmten mehr als ein Jahrhundert Lebensstil und Alltagskultur im "Pott". Doch seit Jahrzehnten sind diese Schlüsselbranchen in stetem Niedergang, mit der Kohle ist Ende 2018 sogar endgültig Schluss: Mit der Zeche Prosper Haniel in Bottrop schließt der letzte noch aktive "Pütt".

Damit ist das Thema Montanregion Ruhr wohl endgültig auf dem Weg, Geschichte zu werden. Davon loslassen wollen aber weder die Menschen in der Region, noch die Städte: Die Industrien bleiben Teil der Ruhr-DNS - auch wenn man da, wo früher Arbeiter schwitzten, heute eher beim Tanzen ins Schwitzen kommt.

Oder ins Staunen, Wundern, sentimentale Rückbesinnen: Kohle und Stahl sind Themen, die man an der Ruhr auf vielfältige Weise ins kulturelle Leben integriert. Und 2018 legen sich die Museen und Verbände, Veranstalter und Kreativen ganz besonders ins Zeug: Abschied von der Kohle feiert man schließlich nur einmal.

Die Highlights des Jahres 2018 an Rhein und Ruhr

Zeche Zollverein, Essen, ExtraSchicht-Festival 2017: Für 12-20 Euro kreuz und quer durchs kreative Revier
Ruhr Tourismus / Nielinger

Zeche Zollverein, Essen, ExtraSchicht-Festival 2017: Für 12-20 Euro kreuz und quer durchs kreative Revier

200.000 Besucher, 46 Spielorte, 21 Städte, eine Nacht: Das ist die ExtraSchicht am 30. Juni 2018, die Nacht der Industriekultur. Fördertürme, Gasometer und Lohnhallen werden zur Bühne für Streetart, Musik- und Theaterperformances, Poetry Slams, Licht- und Pyro-Inszenierungen.

ExtraSchichtler erleben eine Metropole in Bewegung und reisen von 18 Uhr bis 2 Uhr früh mit Shuttlebus oder Straßenbahn, per Kanalschiff, Fahrrad oder zu Fuß von Spielort zu Spielort. Und für zehn Leser von SPIEGEL Online beginnt die Extraschicht mit einer Grubenfahrt unter Tage (siehe unten).

Kunst-Werkstoff Kohle: Hier lassen sich die Duisburger Museen sechs Tonnen schwarzes Gold anliefern
Sarah Bauer

Kunst-Werkstoff Kohle: Hier lassen sich die Duisburger Museen sechs Tonnen schwarzes Gold anliefern

Kunst und Kohle: Die mit dem Bergbau verbundenen Facetten der Region - die von der Industrie geprägte Landschaft, die harte körperliche Arbeit unter Tage, das Material Kohle an sich, der unprätentiöse und solidarische Menschenschlag, der Strukturwandel - inspirieren und faszinieren Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt seit jeher.

Vor diesem Hintergrund führen die RuhrKunstMuseen vom 6. Mai bis zum 16. September 2018 künstlerische Positionen unter dem Ausstellungstitel "Kunst & Kohle" zusammen, die sich sowohl retrospektiv als auch perspektivisch der Frage nach der kulturellen Dimension dieses Einschnitts widmen.

Der Ball ist rund - und im Pott dreht sich sogar die Welt darum: Das Deutsche Fußballmuseum dokumentiert die Symbiose von Kohle- und Kickerkultur im Ruhrgebiet
DFM / Angerer

Der Ball ist rund - und im Pott dreht sich sogar die Welt darum: Das Deutsche Fußballmuseum dokumentiert die Symbiose von Kohle- und Kickerkultur im Ruhrgebiet

Schichtwechsel: Was macht der Bergmann, wenn er nicht einfahren muss? Klar doch: kicken oder gucken - nichts hat das Ruhrgebiet neben dem Bergbau mehr geprägt als der Fußball.

Die Sonderausstellung "Schichtwechsel. FußballLebenRuhrgebiet" blickt auf die historisch enge Symbiose zwischen beiden Lebensbereichen und zeigt, wie der Fußball auch in Zukunft - nach Ende des Bergbaus - das Identitätsgefühl der Menschen zu ihrer Region prägen wird. Vom 22. März bis zum 23. Dezember 2018 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Kleine Grubenfahrt im Anschauungsbergwerk des Deutschen Bergbau-Museums Bochum: Unter Tage für Jedermann
Helena Grebe

Kleine Grubenfahrt im Anschauungsbergwerk des Deutschen Bergbau-Museums Bochum: Unter Tage für Jedermann

Rückschau: Wenn nach Hunderten von Jahren der deutsche Kohlebergbau Geschichte wird, dann verdient das natürlich auch einen ausgiebigen Blick zurück. Dafür haben das Essener Ruhr Museum, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und das Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen ihre Kompetenzen gebündelt und mit "Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte" eine große Gemeinschaftsausstellung auf die Beine gestellt.

Ort: die beeindruckenden Räume der Mischanlage der Kokerei Zollverein, Welterbe Zeche Zollverein, 27. April bis 11. November 2018.

Neue, industriell geprägte Idyllen: Die die gesamte Region umfassenden Radwegenetze werden 2018 miteinander verbunden und erschließen die einstigen Industriestätten als touristische Ziele.
Dennis Stratmann / RuhrtalRadweg

Neue, industriell geprägte Idyllen: Die die gesamte Region umfassenden Radwegenetze werden 2018 miteinander verbunden und erschließen die einstigen Industriestätten als touristische Ziele.

Wandel erfahren: Orte der Arbeit werden zu Orten der Kultur und Freizeit, zu Attraktionen in einer Landschaft, die so menschgemacht ist wie sonst kaum eine andere. Besonders intensiv lässt sich das per Fahrrad erkunden - auf dem die ganze Region durchziehenden, beispiellosen Radwege-Netzwerk des "radrevier.ruhr". 2018 ist auch das Jahr, in dem die Verbindung der Radschnellwege vollzogen wird. Sie erschließen die einstigen Industriestätten als touristische Ziele.

Die Fahrt, die man nicht buchen kann: Unter Tage auf Prosper Haniel

Ein Event aber kann man aber nicht buchen, das muss man gewinnen: Nur am 30. Juni 2018 - der Nacht des Ruhrgebiet-weiten Kulturfestivals Extraschicht - haben ein paar Dutzend Bürger letztmalig Gelegenheit, auf Zeche Prosper Haniel einzufahren, bevor sie bei Streetart und Konzerten, Poetry-Slams oder Theater-Performances die Nacht zum Tage machen. Die Tickets sind nicht käuflich und können auch nicht weitergegeben werden. Wer sich darum bewirbt, sollte sich sicher sein, dass sie oder er es auch nach Bottrop schafft.

Unter Tage auf Prosper Haniel (Archivbild): Die tiefste Sohle (Abbauebene) liegt auf 1150 Meter. Trotz Lüftung kann einem da schon warm werden.
DPA

Unter Tage auf Prosper Haniel (Archivbild): Die tiefste Sohle (Abbauebene) liegt auf 1150 Meter. Trotz Lüftung kann einem da schon warm werden.

Für die Grubenfahrt gilt, was auch auf den wilderen Fahrgeschäften in Freizeitparks üblich ist: Man sollte hinreichend fit sein, keine akuten Herz- oder Kreislaufprobleme haben, nicht schwanger sein, kein Problem mit geschlossenen Räumen haben (oder der Vorstellung, ein paar Millionen Tonnen Gestein über sich zu wissen). Strapazen muss man aber nicht befürchten - und heutzutage fährt man unter Tage auch eher mit der Bahn, als durch enge Stollen zu krauchen.

Wir verlosen die exklusiven Tickets jeweils im Doppelpack und bieten damit fünf mal zwei Personen Gelegenheit, das Abenteuer Bergwerk noch live zu erleben, bevor seine Zeit in Deutschland endgültig endet.

Update Montag, 23.4.2018: Das Gewinnspiel ist beendet. Die Namen der Gewinner werden im Laufe des Tages veröffentlicht.

pat



insgesamt 12 Beiträge
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sikasuu 21.04.2018
1. Damit ist das Thema Montanregion Ruhr wohl endgültig auf dem Weg,
...., Geschichte zu werden? # Ja " DAS GLAUBR man so in Nord & Süd". Ist aber ein IRRGLAUBE! . Die Bergbaufolgen werden uns ALLE "auf EWIG begleiten"! Rechts des Rheins an Emscher&Lippe liegen ca 2-300km² Fläche bis 25m UNTER der "Vorflut", d.h. die müssen auf EWIG künstlich entwässert werden. sonst gib es die "südwestfälische Seenplatte" bis in die Innenstadt von Essen hinein, linksrheinisch dito & der Rhein bei Wesel, ein potentielles Erbebengebiet fließt ca 15 m über dem Umland:-( . 2. Frage sind die stillgelegten GRUBEN/Zechen. Die müssen auch EWIG trocken gepumpt werden, weil das TIEFE Grundwasser (bis 1.200m tief sind die Schächte) sich nicht mit dem HOHEM Grundwasser mischen darf, es enthält bis zu 4% Salz (wie die NordSEE) . Über die Idee diese Schächte auf ca. -4-600m "Absaufen" zu lassen(das Pumpen ist dann billiger), mit allem PCB haltigem Hydrauliköl, allen dort in den 80-90ger Jahren eingelagerten Chemieabfällen&Filterstäuben der Industrie, die noch UNTEN sind, will ich gar nicht erst anfangen. Wie diese hochtoxische BRÜHE dann entsorgt werden soll, Nur Allah & die RAG-Stiftung weiß es! Dagegen ist die "Asse" ein Schrebergarten:-( . 3. Frage ist, diese Ewigkeitslasten deren Sicherung&Beseitigung sind von der Produktion entkoppelt (die Nachfolger von der Haftung freigestellt) und an eine Kapital gedeckte Stiftung verlagert worden. s.o. Wie sich deren Ertrag&Kapital entwickeln wird,... das weiß Nur die EZB&die FED. . Die Montanregion ist also mitnichten Geschichte. Sie wird wahrscheinlich Geschichte machen, als eine DER Regionen der WELT, die wir durch unsere Gier nah Energie&Gewinn auf Dauer unbewohnbar gemacht haben, wenn wir sie nicht unentwegt für viel Geld in Stand halten&stützen :-( . Im Zweifel mit auch Steuer-Geld aus NORD&SÜD, sonst kommen 8-10 Mio Flüchtlinge aus dem POTT:-) . Btw. Atomare Endlager wird es vielleicht geben, doch eine komplette Lösung für die Folgeschäden der Steinhohlebergbaus, garantiert nicht! Wenn dort die Pumpen abgestellt werden, gibt es einen SEE s.o. und wird das GRUND-& Oberflächenwasser im Münsterland, bis weit nach den Niederlanden wohl nicht mehr trinkbar sein:-(
kopi4 21.04.2018
2.
Was will uns Forist #1 mit seinem Beitrag sagen? Ewigkeitskosten sind ja auch eines: seit ewigen bekannt. Wenn in den Nachkriegsjahren die Zechen auf einen Schlag dicht gemacht worden wären: nicht nur hätte es kein Wirtschafstwunder gegeben, die Gruben hätte man auch 1950 für alle Zeiten abpumpen müssen. Das jede Schachtanlage, solange sie lief, mit großem Aufwand erledigt. Mit gleicher Berechtigung könnte man übrigens auch den Atomausstieg in Frage stellen, Atommüll wird auch nicht tausende Jahre ohne staatliche Hilfe vor sich hinstrahlen.
sikasuu 21.04.2018
3. Der Forist will damit sagen das der Bergbau NICHT Geschichte ist!
Zitat von kopi4Was will uns Forist #1 mit seinem Beitrag sagen? Ewigkeitskosten sind ja auch eines: seit ewigen bekannt. Wenn in den Nachkriegsjahren die Zechen auf einen Schlag dicht gemacht worden wären: nicht nur hätte es kein Wirtschafstwunder gegeben, die Gruben hätte man auch 1950 für alle Zeiten abpumpen müssen. Das jede Schachtanlage, solange sie lief, mit großem Aufwand erledigt. Mit gleicher Berechtigung könnte man übrigens auch den Atomausstieg in Frage stellen, Atommüll wird auch nicht tausende Jahre ohne staatliche Hilfe vor sich hinstrahlen.
Das der mal zu Ende geht ist unausweichlich. . Wie der zu Ende geht & wie da VERTRÄGE usw umgeschrieben wurden, Firmen&Eigentümer aus der Haftung entlassen, die Risiken & Folgelasten mit etwas Nebel auf die Allgemeinheit um gelegt wurden ist Thema. . Das gilt genau so für die AKWs. Gewinne für meine Tasche, Verluste&Folgekosten für unsere Tasche:-( NUR, das sieht heute fast niemand:-( . UND, das der Traum, Zeche/Pütt zu, Deckel drauf und vergessen, ein Alptraum ist:-( "Is ja inne Zeche, die is zu, watt solls denn, mach nich son Tralala?" . Eine Betrieb kann man abschließen, der wird Ruine, in 500 Jahren archäologisch interessant. Der Bergbau lebt ewig weiter! Gleich ob aktiv oder stillgelegt! . Andere Vorstellungen sind wohl sehr kindlich. . " Wären Zechen 1950 auf einen Schlag dicht gemacht worden (...) hätte es kein Wirtschaftswunder gegeben, .." . DEN Satz in Allahs, besser des Bundesbürgers OHR! . Auf Wiedervorlage in 50-100 Jahren, wenn NRW für die Sanierung usw Geld von ALLEN haben will&muss und dann der/die Enkel von Seehofer schreit/en.... :-(( . Darauf wollte der Forist hinaus, auch wenn er jetzt merkt, das er zu viel Wissen vorausgesetzt hat:-) .
hitd 21.04.2018
4. Kommt wieder in 200-300 Jahren
Derzeit verbrennen wir Erdöl in Kfz oder Heizungen. Irgendwann merkt die Menschheit, daß die Nutzung für andere Dinge, wie Plaste, wichtiger ist. Erdöl ist dann so teuer, daß die Gewinnung von Kohle zwecks Verflüssigung lohnt. https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleverflüssigung
dickebank 22.04.2018
5. Förderzins
Zitat von sikasuuDas der mal zu Ende geht ist unausweichlich. . Wie der zu Ende geht & wie da VERTRÄGE usw umgeschrieben wurden, Firmen&Eigentümer aus der Haftung entlassen, die Risiken & Folgelasten mit etwas Nebel auf die Allgemeinheit um gelegt wurden ist Thema. . Das gilt genau so für die AKWs. Gewinne für meine Tasche, Verluste&Folgekosten für unsere Tasche:-( NUR, das sieht heute fast niemand:-( . UND, das der Traum, Zeche/Pütt zu, Deckel drauf und vergessen, ein Alptraum ist:-( "Is ja inne Zeche, die is zu, watt solls denn, mach nich son Tralala?" . Eine Betrieb kann man abschließen, der wird Ruine, in 500 Jahren archäologisch interessant. Der Bergbau lebt ewig weiter! Gleich ob aktiv oder stillgelegt! . Andere Vorstellungen sind wohl sehr kindlich. . " Wären Zechen 1950 auf einen Schlag dicht gemacht worden (...) hätte es kein Wirtschaftswunder gegeben, .." . DEN Satz in Allahs, besser des Bundesbürgers OHR! . Auf Wiedervorlage in 50-100 Jahren, wenn NRW für die Sanierung usw Geld von ALLEN haben will&muss und dann der/die Enkel von Seehofer schreit/en.... :-(( . Darauf wollte der Forist hinaus, auch wenn er jetzt merkt, das er zu viel Wissen vorausgesetzt hat:-) .
Blöd auch, dass die Förderabgaben, die die Bergwerksbetreiber an das Land , dem die mineralischen Rohstoffe lt. BBergG gehören (Ausnahme Grundeigentümerbergbau ==> siehe Asse), je Tonne verwertbarer Förderung abgeführt haben, schon in vergangenen Zeiten im Haushalt verfrühstückt worden sind.
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