Sauerland-Radring: Im Zeichen der Fledermaus

Entlang von Flusstälern und alten Eisenbahnstrecken schlängelt sich der Sauerland-Radring durch hügelige Landschaften. Der gut ausgebaute Weg macht auch das "Land der 1000 Berge" bezwingbar. Unterwegs warten ungewöhnliche Museen - und ein Tunnel mit ganz speziellen Bewohnern.

Sauerland-Radring: Im Land der hundert Berge Fotos
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Schummriges Licht strahlt von der Decke, feucht schimmern die Bruchsteine der Seitenwände. Hin und wieder platschen Wassertropfen in kleine Pfützen am Rand der Asphaltpiste. Kein Laut dringt durch die dämmrige Röhre: 689 Meter lang ist der Kückelheimer Tunnel, der Höhepunkt des "Sauerland-Radringes". Über 84 Kilometer führt die Fahrradpiste als Rundstrecke durchs Sauerland, das auch den Beinamen "Land der 1000 Berge" trägt.

Fahrradfahren und Berge - wie passt das zusammen? "Der Sauerland-Radring verläuft in Flusstälern und nutzt zu weiten Teilen die Trassen von stillgelegten Eisenbahnstrecken", erläutert Daniel Wegerich, Fahrradexperte beim regionalen Tourismusverband Sauerland-Tourismus in Schmallenberg. Der Rundkurs schlängelt sich durch zwei Landkreise - Olpe und Hochsauerlandkreis - und die vier Gemeinden Schmallenberg, Eslohe, Finnentrop und Lennestadt. Nach zweijähriger Vorbereitung wurde die komplette Piste im Mai 2007 mit der Freigabe des ehemaligen Eisenbahntunnels bei Kückelheim eröffnet.

Einzelne Fahrradstrecken gab es auch vorher schon. Doch erst durch den Sauerland-Radring wurden die Wege sinnvoll miteinander verbunden. So entstand der Rundkurs, der heute durchgehend glatt asphaltiert und etwa drei Meter breit ist. Alle Wegezeichen des Sauerland-Radringes sind mit einem weißen Fahrradfahrer vor der roten Silhouette einer Fledermaus markiert. Die Anregung dazu bot der Kückelheimer Tunnel, in dem weit mehr als 150 Fledermäuse ihr Quartier haben. Vogelkundler sind begeistert von der Bartfledermaus, dem Großem Mausohr, der Wasserfledermaus und dem Braunen Langohr, die bereits im Kückelheimer Tunnel gesichtet wurden.

Im Wintersitz von Dracula

Bei einer stets gleichbleibenden Temperatur von etwa acht Grad überwintern die kleinen Batman-Flieger in dem 1911 errichteten Bauwerk, das von November bis Anfang April für die Durchfahrt gesperrt ist. Winter-Radler werden in diesen Monaten auf einer Schleife umgeleitet. Zwischen Mai und Ende Oktober sind die meisten Radtouristen auf der sanft hügeligen Rundstrecke unterwegs. Landschaftlich besonders schöne Abschnitte sind das 23 Kilometer lange Teilstück zwischen Schmallenberg und Eslohe und die 13 Kilometer lange Route zwischen Eslohe und Fretter mit dem Fledermaustunnel.

Ein Stopp in den Orten entlang des Sauerland-Radringes lohnt sich - zum Beispiel, um den historischen Stadtkern von Schmallenberg aus dem Jahr 1825 zu erkunden oder eines der Museen. Direkt am Sauerland-Radring ragt in Fleckenberg die ehemalige Besteckfabrik Hesse über dem Lennefluss empor. Im Innern des roten Backsteinbaus öffnet sich eine Welt der Fabrikation aus längst vergangenen Zeiten. Es sieht aus, als wären die Arbeiter nur kurz in die Mittagspause gegangen und würden gleich zu ihren Hämmern und Pressen unter den breiten Transmissionsriemen zurückkehren.

Doch kein Arbeiter wird jemals wiederkommen: Das Besteckwerk schloss 1982 nach 44-jähriger Produktion für immer seine Tore. Damals schien die Fabrik schon dem Verfall nahe, der Heimatverein Fleckenberg bewahrte den Bau samt dem Maschinenpark für die Zukunft. Im Jahr 2000 öffnete die Fabrik als Technisches Museum Besuchern zum ersten Mal die Tore. Heute ist die Besteckfabrik eine der wenigen Industrieanlagen in ganz Westfalen mit nahezu vollständig erhaltener originaler Ausstattung.

Sattler, Schuster, Dampfmaschinen

Auch im Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe in den Werkhallen der ehemaligen Firma Koenig steht die Technik im Mittelpunkt: Es führt Besucher mit alten Gerätschaften aus Haus und Hof und Dorfhandwerken wie Sattler und Schuster ins Sauerland vergangener Tage. Herzstück der Sammlung sind die historischen Dampfmaschinen und Lokomotiven, die der Unternehmer Eberhard Koenig aus ganz Deutschland nach Eslohe geschafft hatte.

Die gemütliche Gaststätten, Cafés und Rastplätze in den kleinen Dörfern sind einen weiteren Stopp wert. Vom Kinderspielplatz "Wilde 13" in Gleidorf können sich die jüngsten Radler nur schwer trennen. Auf dem mit finanzieller Hilfe der Stadt Schmallenberg von Eltern geschaffenen Spielgelände können sie sich im ausgedehnten Sandkastenbereich, auf der Seilbahnrutsche oder auf dem Kletter- und Balanceparcours austoben.

Schmallenberg und Eslohe sind die besten Ausgangsorte für die Tour auf dem Sauerland-Radring. Die Route kann im oder gegen den Uhrzeigersinn befahren werden. Wer mit der Bahn anreist, startet an den Bahnhöfen Finnentrop oder Lennestadt-Altenhundem. Dort und in vielen anderen Orten gibt es Stationen für Leihräder. E-Bikes können in Bad Fredeburg, Eslohe, Finnentrop, Lennestadt und Schmallenberg ausgeliehen werden.

Mit Elektromotor zum Arme-Sünder-Bänkchen

Bei diesen Zweirädern sorgt ein Elektromotor für zusätzlichen Schub, so dass die sanften Anstiege selbst von ungeübten Radlern leicht gemeistert werden können. "Wer auf dem Radring unterwegs ist, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, um auch die ungewöhnlichen Museen entlang der Route zu entdecken", rät Anna Galon von Sauerland-Tourismus.

Zu diesen ungewöhnlichen Stätten zählt das Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg. Auf dem Dachboden des Amtsgerichtes verbirgt sich die Sammlung von mehr als 2000 Exponaten aus der Justizgeschichte. Der historische Gerichtssaal mit dem "Arme-Sünder-Bänkchen" und eine originale Gefängniszelle machen anschaulich, wie in vergangenen Jahrhunderten Recht gesprochen wurde.

Auch die "Sauerland-Pyramiden" oberhalb von Lennestadt-Meggen gehören zu den ungewöhnlichen Zielen. Im Herbst 2010 sollen die weiß strahlenden Bauwerke eröffnet werden, deren Form ägyptischen und südamerikanischen Pyramiden nachempfunden ist. Bauherr Wolfgang Schmidt will in der Zukunft mit hochkarätigen Wechselausstellungen wie einer Schau über das Schaffen von Leonardo da Vinci Einheimische und Radtouristen in seinem Galileo-Park begeistern.

Bernd F. Meier, dpa

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