Vom Flughafen Frankfurt am Main berichtet Matthias Gebauer
Gute Nachrichten hat die Lufthansa-Mitarbeiterin nicht anzubieten. Eine Verbindung nach Mailand lässt sich nicht finden. Angeblich ist der Airport geschlossen, auch wenn so mancher Italiener in der Schlange aus der Heimat per Handy anderes gehört hat. Die einzige Alternative, welche die Lufthansa dem Gast anzubieten hat, hört sich für eine Airline merkwürdig an. "So leid es mir tut", sagt die Frau mit einem Lächeln, "doch nehmen Sie lieber den Zug."
Die italienischen Gäste sind nicht die Einzigen, die am Dienstagmorgen - wie auch am Montag - auf die Schiene verwiesen wurden. Da auch viele Deutschland-Flüge gestrichen sind, unter anderem alle Verbindungen in die Hauptstadt, empfiehlt das Schalterpersonal der Lufthansa vielen Gästen auf die Bahn umzusteigen. Mit dem Ticket, so die schnell organisierte Notlösung, bekommen Reisende am Schalter kostenfrei ein Bahnticket zweiter Klasse. Für Familie Calliere ist der Weg so ein bisschen länger als gedacht, sie werden erst spät am Abend ankommen.
"Oberste Priorität ist, dass der Kunde so schnell wie möglich sein Ziel erreicht", sagt Lufthansa-Sprecher Patrick Meschenmoser SPIEGEL ONLINE, "egal ob mit einem Flug der Lufthansa, einer anderen Gesellschaft oder mit der Bahn." Nicht nur bei innerdeutschen Verbindungen gilt die Schiene als Alternative, in Einzelfällen würde bei nahe gelegenen europäischen Zielen auf die Bahn umgebucht.
Nebel hinter den Fensterscheiben
Die Lufthansa ist durch ihr abgestimmtes System von rotierenden Flugzeugen und Crews durch das Wetterchaos wohl am herbsten getroffen. Die Gesellschaft hat bereits am Vortag rund 250 Flüge gestrichen, sagt Sprecher Meschenmoser. Die Flugzeuge mussten aufgrund der unerwartet tiefen Temperaturen mehrfach enteist werden, die Wartezeiten verlängerten sich dadurch. Am Montagabend wurde der Frankfurter Flughafen dann für rund vier Stunden komplett geschlossen, die drei Start- und Landebahnen waren zu glatt geworden.
Für Tausende hieß das: das Lager im Flughafen aufschlagen. Für die mehr als 3000 Passagiere, die dort verharren mussten, standen rund tausend Feldbetten bereit. Rund 5000 Flugreisende hatten Glück und wurden in umliegenden Hotels untergebracht. Meldungen, wonach Passagiere sogar die Nacht in Flugzeugen auf dem Rollfeld verbringen mussten, konnte der Lufthansa-Sprecher für seine Gesellschaft nicht bestätigen.
Wie lange das Chaos noch anhalten wird, ist für die festsitzenden Passagiere schwer abzusehen. Das Flugfeld hinter den dicken Fensterscheiben des Flughafens kann man vor Nebel kaum sehen. Einzig die Langstreckenmaschinen, die über Nacht über den Atlantik geflogen sind, bringen immer mehr Gäste, die weiterreisen wollen. Die Gänge des Flughafens füllen sich am Vormittag weiter. An den Transferschaltern müssen die Fluggäste oft stundenlang ausharren - um letztlich zu erfahren, dass es für sie keine Verbindung geben wird.
Die Flughafengesellschaft Fraport rechnet den ganzen Tag mit weiteren Verzögerungen bei Starts und Landungen. Bis zum Mittag mussten bereits 120 Flüge gestrichen werden. Nach Angaben des Flughafen-Sprechers Jürgen Harrer sind Ziele in der ganzen Welt betroffen. Auch Lufthansa-Sprecher Meschenmoser erwartet für den gesamten Dienstag Verspätungen und Flugausfälle.
Die massiven Probleme betreffen nach seinen Angaben fast ausschließlich den Frankfurter Airport.
abl mit Material von dpa/Reuters/APD
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