Schwarzwald Im Tal der nie aufgehenden Sonne

Düstere Aussichten: Im Schwarzwald gibt es Orte, die im Winter monatelang keinen einzigen Sonnenstrahl abkriegen. Doch die Einwohner wissen sich zu helfen - zum Beispiel mit einer sündhaft teuren Spiegel-Konstruktion oder per Kettensäge.

dapd

Freiburg - Wenn andere Menschen über die "dunkle Jahreszeit" klagen, konnte Ulrike Schuler bislang nur müde lächeln. Die 45-Jährige lebt mit ihrer Familie seit 20 Jahren auf dem Haldenschwarzhof am Ende des Zweribachtals, etwa 35 Autominuten von Freiburg entfernt. Das Tal ist hier so eng, dass es die Sonne im Winter nicht über die Berge schafft. "Ab dem 10. Oktober kommt überhaupt kein Sonnenstrahl mehr hierher, bis Ende Februar geht das so", erklärt sie.

Doch seit Allerheiligen ist Schluss mit der Dunkelheit. Denn seit Anfang November besitzt die Familie einen gut sechs Quadratmeter großen Sonnen-Spiegel, den sie auf der Nordseite des Tals aufgestellt hat. Zu Fuß ist man in gut 15 Minuten da. Der Spiegel reflektiert die Sonne und lenkt sie punktuell auf einzelne Fenster des Haldenschwarzhofs.

"Morgens wird die Küche beleuchtet, mittags das Wohnzimmer", sagt die zierliche Frau mit den schwarzen Haaren. Der Spiegel ist programmiert. Alle 20 Sekunden rückt er um etwa 30 Zentimeter weiter und passt sich so dem Lauf der Sonne an. Um zu funktionieren braucht der Spiegel Sonne, sein Antrieb ist ein Solarmodul. Ein Kabel habe man nicht bis nach da oben legen können.

So teuer wie ein Neuwagen

Für Ulrike Schuler, die als Mutter, Hausfrau und Hausmeisterin meist den ganzen Tag zu Hause ist, ging es jedoch nicht in erster Linie ums Licht. "Ausschlaggebend war für mich die Wärme, die mit der Sonne kommt", sagt sie. Der Spiegel ersetze praktisch den Kamin.

Wie viel die Familie für den neuen Lichtblick bezahlt hat, will sie nicht verraten, nur so viel: "Man hätte wohl auch einen kleinen Neuwagen dafür kaufen können", sagt sie schmunzelnd.

Die Idee zum Sonnen-Spiegel haben sich die Schulers aus Italien, genauer gesagt aus dem Piemont abgeschaut. Dort gebe es ein kleines Dorf in den Bergen, das sich mit Hilfe eines großen Spiegels Sonne auf den Marktplatz lenke. Ulrike Schuler ist mit ihrem vergleichsweise kleinen Spiegel zufrieden und freut sich auf die kommenden Monate. "Februar ist der Monat, wo man wirklich wieder Sonne haben möchte", sagt sie.

Wenig Licht am Hexenloch

Januar und Februar sind auch für Karl-Friedrich Trenkle, den Besitzer der Hexenlochmühle in Furtwangen-Neukirch im Schwarzwald, die schlimmste Zeit. Seine Mühle liegt an einer der engsten Stellen des Tals, die Sonne scheint hier im Winter höchstens eine Stunde lang um die Mittagszeit. Einen Sonnen-Spiegel würde sich der 58-Jährige deshalb aber nicht installieren. Um mehr Licht zu bekommen, hat er knapp 15 Tannenbäume auf der Südostseite seines Grundstücks fällen lassen.

"Die Bäume sind in den letzten Jahren so hochgeschossen und haben zusätzlich Sonne geschluckt", erklärt Trenkle sein Vorgehen. Ihn selbst stört das geografische Schattendasein indes nicht. "Wenn ich Sonne haben will, dann fahre ich einfach zwei Kilometer hoch", erklärt er. Fürs Geschäft sei mehr Sonnenschein allerdings schon gut, gibt er zu. "Es ist zwar sommers wie winters idyllisch hier, aber wenn schöneres Wetter wäre, wären im Winter auch mehr Leute hier", erklärt er.

Im Schwarzwald gibt es aber auch Orte, die nicht wegen ihrer Lage dunkel sind, sondern immer dunkler werden, weil sie regelrecht zuwachsen. Das erfahren etwa die Menschen in Lierbach und Maisach - zwei zu Oppenau gehörende Ortschaften im Ortenaukreis. Der Waldanteil liegt dort zwischen 80 und 90 Prozent. Tendenz steigend. Ein Grund dafür ist die Änderung des Landeswaldgesetzes 2009, durch die es einfacher geworden ist, Christbäume anzupflanzen. Auf den noch offenen Stellen wachsen nun Tannen.

Ein echtes Problem sei das, wie der Ortsvorsteher von Maisach, Helmut Huber, erzählt. Weitere Unwegsamkeiten wie die schlechte Anbindung und das Abwandern vor allem junger Leute kämen hinzu.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Internet, das nur über die Telefonleitung funktioniert. Mal eben schnell im Netz was nachschauen? Das geht nicht. "Ein Breitbandkabel zu legen, lohnt sich speziell für Lierbach und Maisach nicht, weil damit zu wenige Haushalte erreicht werden, erklärt der 34-Jährige. Auch das Handy bleibe manchmal nutzlos. "Je weiter man von Oppenau weg ist und je enger das Tal wird, desto wahrscheinlicher sind Funklöcher", sagte Huber.

Judith Köhler, dapd



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
woscha, 21.12.2010
1. Einfach ViVo hier
Zitat von sysopDüstere Aussichten: Im Schwarzwald gibt es Orte, die im Winter monatelang keinen einzigen Sonnenstrahl abkriegen. Doch die Einwohner wissen sich zu helfen - zum Beispiel mit einer sündhaft teuren Spiegel-Konstruktion oder per Kettensäge. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,735744,00.html
Viele Vorteile - kein Licht und wenig Hitze - keine Kopf - Hoch -und Tiefbahnhöfe - niemand, der dafür daß er dagegen ist - keine Bereicherer und keine Bereicherten - keine ARGE und keine ARGE-slamisten - keine Muh und keine Merkel einfach nur ruhig, kalt, und gut !
DerGrummler 21.12.2010
2. Jepp
Zitat von woschaViele Vorteile - kein Licht und wenig Hitze - keine Kopf - Hoch -und Tiefbahnhöfe - niemand, der dafür daß er dagegen ist - keine Bereicherer und keine Bereicherten - keine ARGE und keine ARGE-slamisten - keine Muh und keine Merkel einfach nur ruhig, kalt, und gut !
Volle Zustimmung!
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