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Schwarzwald mit Schneeschuhen: Schritt für Schritt

Hochschwarzwald: Schneeschuhtour im Winteridyll Fotos
Nordic-Center Notschrei/ SRT

Keine Lust auf knallvolle Pisten und vorbeiflitzende Skifahrer? Schneeschuhwanderer können den Hochschwarzwald einsam und leise erleben. Laut wird es nur, wenn der Schnee knirscht - und der Auerhahn kräht.

Sie haben den Schnee nicht herbeigesehnt, sondern verflucht. Was den Menschen im Schwarzwald heute massenhaft Skitouristen beschert, erschwerte ihnen früher arg das Leben. Mangels ordentlicher Wege war es bis ins 19. Jahrhundert jedes Mal eine Odyssee, im Winter zu einem entfernt gelegenen Hof zu gelangen. Bis zur Erfindung des Schneeschuhs.

1889 tauchten auf dem Feldberg die ersten Exemplare auf - aus Holz geschnitzt, mit Leder und Reepen verschnürt. Heute bestehen Schneeschuhe aus Aluminium oder Kunststoff mit Neoprenbespannung und werden vor allem als Sportgeräte genutzt.

"Wer gehen kann, der kann auch schneeschuhwandern", sagt Dorothee Baumgartner, Schneeschuh-Guide im Hochschwarzwald. Die Naturpädagogin führt Urlauber auf leichten, aber auch auf anspruchsvollen zwei- bis dreitägigen Touren durch die Landschaft. Abseits von Pisten und gespurten Loipen. Dort erzählt Baumgartner die Geschichten rund um den Feldberg und den Schauinsland, Freiburgs knapp 1300 Meter hohen Hausberg.

Auf zum Auerhahn

Eine für Anfänger geeignete Wanderung führt von der Notschrei-Passhöhe rund ums Haldenköpfle. Der Name des Passes steht allerdings nicht für schmerzhaftes Aufjaulen stolpernder Schneeschuhnovizen, sondern war einst ein Hilferuf der in dieser verlassenen Gegend Lebenden, doch endlich eine Straße zu bauen. Ein Denkmal erinnert daran, dass die Bitte nach 30 Jahren schließlich erhört wurde.

Die ovalen Bretter unter den Sohlen sind anfangs gewöhnungsbedürftig. Doch bald stapft die Gruppe bergauf und übermütig schnell bergab durch den watteweichen Schnee. Ringsum ist es still. Nur das leise Knirschen ist zu hören, wenn der Schnee unter den Riesenlatschen nachgibt. Frische Spuren, die von einem Yeti stammen könnten, bleiben im Schnee zurück.

Zwischen den mit Eis überzogenen Fichten leben seit einigen Jahren wieder Auerhähne. "Sie lieben offene Landschaften mit einzeln stehenden Bäumen", sagt Baumgartner. Sie erklärt, dass die scheuen Tiere dank der markierten Schutzzonen wieder heimisch werden. Das heißt für Schneeschuhwanderer, unbedingt den markierten Trails zu folgen und gesperrte Waldgebiete zu meiden.

In die Wälder ziehen sich die Vögel im Winter zurück. Wer frühmorgens oder abends in der Dämmerung unterwegs ist, der kann dennoch mit viel Glück die Raufußhühner manchmal sehen. Jetzt sind nicht einmal ihre Trittspuren zu finden.

"Ein besonderer Menschenschlag"

Zum höchsten Punkt der Tour ist der Anstieg zwar schweißtreibend, danach aber können die Wanderer beim Fernblick zum Feldberg und Stübenwasen verschnaufen. Das westlich davon gelegene Haldenköpfle nannten die Freiburger einst Erzkasten - wegen des Silberbergbaus. Hier arbeiteten Tagelöhner und die Bauern der Umgebung. Das Zentrum des Silberbergbaus im Südschwarzwald war im 16. Jahrhundert Todtnau. Der Ort wurde durch das Silber reich, die Männer in den Bergwerken allerdings krank. Viele starben noch vor dem 40. Lebensjahr.

Wer früher ein wenig Geld dazu verdienen wollte, der verkaufte auf dem Freiburger Wochenmarkt Butter und Käse. Dorthin gingen die Bauern zu Fuß. Im Sommer in ausgelatschten Stiefeln, im Winter mit selbst gezimmerten Schneeschuhen. "Hier oben lebt ein ganz besonderer Menschenschlag", sagt Baumgartner.

Heute kommen nicht mehr nur die Freiburger in Scharen mit dem Zug, dem Bus oder dem Auto auf den Hausberg Schauinsland oder zum Feldberg. Die meisten Besucher stürmen jedoch die Skigebiete. So bleiben für Schneeschuhwanderer viele Strecken zum Entdecken.

Nach der anstrengenden Tour über windige Höhen und vorbei an verschneiten Bachläufen bleibt nur noch eins: den Tag in der Gaststube eines der mit Schneehaube bedeckten Schwarzwaldhäusern Revue passieren zu lassen.

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Sybille Boolakee/srt/jus

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1. Auf dem Mist noch sonstwo
taglöhner 21.11.2015
Der Auerhahn kräht nicht, aber egal. Im Winter balzt er auch nicht. Auch egal. Wanderer hasst er sowieso zu jeder Jahreszeit ;). Wenigstens der Schnee knirscht wirklich. Wenn vorhanden. Und wunderschön ist es auch.
2.
bazzu 21.11.2015
Ein schöner Beitrag. Sehr sinnvoll, auf die Wichtigkeit hinzuweisen, sich in solchen Landstrichen strickt am Wegeplan zu orientieren - der Auerhahn dankts... ...der im Übrigen im Schwarzwald nie ausgestorben war, dank dem Engagement der Naturschützer, der Jägerschaft und der Rücksicht vieler Land- und Fortwirte. Der kleine Fehler sei aber verziehen. ;-)
3. Scheeschuh ;-) Gute Langlaufski mit Fellen usw. sind auch ohne Loipe mMn. besser!
sikasuu 21.11.2015
Es gibt nicht schöneres als bei Mondschein über einen See zu skaten, mit Doppelstockeinsatz jeden Berg hoch zu kommen usw. die Pulka hinten dran, raus zum Fischen, zum Jagen....... . Nicht mit den Plastikteilen aus Europa, die taugen nur für die Loipe, aber mit den breiten Dingern, die in Finland so im Wald, auf dem See, dem Land usw. benutzt werden:)) . Ok, da wo ich herkomme werden Kinder mit Langlauf-Skian den Füssen geboren :-)) aber Scheeschuhe... nun ja. . Btw. Mit den Stöcken und den Fangleinen kann man sich aus den Ski auch einen herrlichen Liegstuhl für die Pause machen:-)) Die "Teller" sind nicht einmal eine warme Sitzunterlage!
4.
taglöhner 21.11.2015
Zitat von bazzuEin schöner Beitrag. Sehr sinnvoll, auf die Wichtigkeit hinzuweisen, sich in solchen Landstrichen strickt am Wegeplan zu orientieren - der Auerhahn dankts... ...der im Übrigen im Schwarzwald nie ausgestorben war, dank dem Engagement der Naturschützer, der Jägerschaft und der Rücksicht vieler Land- und Fortwirte. Der kleine Fehler sei aber verziehen. ;-)
Da tut es mir schon ein wenig Leid, ein wenig Galle in das Idyll zu gießen: "Naturschutz" heißt hier auch: Man hat sich entschieden, dem guten Auerhahn möglichst viele Raubtiere vom Hals zu schießen, damit er sich trotz (auch wegen Forstwirtschaft) suboptimalem und kleinem Habitat in der Gegend hält. Die durch Eingriffe erzwungene Favorisierung einer dort konkurrenzschwachen, aber spektakulären Wildtierart gegenüber ökologisch "wichtigeren" anderen Wildtierarten schafft hier diesbezüglich einen Safaripark, aber keinen naturnahen Lebensraum. Nägel mit Köpfen kann der Naturschutz halt oft nicht durchsetzen.
5. Phantasia
albert schulz 22.11.2015
Auf den Loipen ist es generell recht einsam. Und leise. Nach Dreikönig überall. Den Auerhahn habe ich in dreißig Jahren Hochschwarzwald nicht vernommen. Hat wohl was mit dichterischer Freiheit zu tun. Man sinkt auch mit einem normalen Wanderski nicht sonderlich tief ein, und der hat dank Gewicht und Breite (nur ein Zentimeter mehr) eine verläßliche Spurtreue, ganz ohne Loipe. Und man kann auch quer durch den Wald laufen. Daß die Dinger doppelt so schwer sind als die Rennski, ist absolut egal, weil sie ja auf dem Schnee liegen und nicht getragen werden müssen. Man braucht jedenfalls nicht bei jedem Ast Angst zu haben, daß die Dinger brechen. Schneeschuhe leihen kann man im ganzen Hochschwarzwald höchstens an zwei Stellen, und das ist exorbitant teuer, weil es so selten vorkommt. Kaufen kann man sie übrigens nur noch in einem Laden, und zwar auch für unverhältnismäßig viel Geld. Weil der Umsatz mies ist schätze ich. Kein Mensch kauft sich die Dinger für eine Wanderung, zumal jede Menge planierte Wege zur Verfügung stehen (im Unterschied zu so manchem anderen Mittelgebirge, in dem das wanderbegeisterte Publikum aus dem Flachland die Loipen mit seinen Stiefeln demoliert). Schneeverhältnisse mit größeren Mengen Neuschnee sind übrigens selten. Meist sind es nur zehn bis zwanzig Zentimeter auf einer verdichteten oder verharschten Unterlage, in die man nicht einsinkt. Ich wandere dort im Winter mit profilierten Turnschuhen, nicht mal mit Stiefeln.
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