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Anstecknadel mit drei Schwingen: Die C-Prüfung ist nicht ganz leicht zu erledigen
Silvan Meckelnburg

Anstecknadel mit drei Schwingen: Die C-Prüfung ist nicht ganz leicht zu erledigen

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Zugegeben, es ist eine Weile her, dass ich den letzten Blog-Eintrag geschrieben habe. Sommerzeit, Ferienzeit, keine Zeit zum Schreiben - und auch wenig Zeit zum Fliegen. Aber immerhin einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Segelflugschein habe ich geschafft. Die C-Prüfung!

Was man dafür machen muss? Die A-Prüfung, das sind die ersten drei Alleinflüge. Zur B-Prüfung gehören drei sauber geflogene Platzrunden mit Kurven, sauberem Rollen (für Nichtsegelflieger: mit den Flügeln wackeln) und sauberen Ziellandungen in einem festgelegten und übrigens ziemlich kleinen Feld. Die C-Prüfung ist auf ihre eigene Weise spektakulär: Gefragt sind drei Landungen, bei denen die Höhe im Landeanflug nicht mit den Bremsklappen abgebaut wird, sondern im Slip.

Das hat nichts mit Unterwäsche zu tun, sondern ist der Kurzname für den Seitengleitflug. Und der geht so: Mit dem Querruder legt man das Flugzeug leicht zu einer Seite. Dann tritt man beherzt in das Seitenruder und zwar in die entgegengesetzte Richtung und zieht dann noch sachte die Nase hoch. Wenn alles gutgeht, fliegt das Flugzeug anschließend weiter geradeaus. Nur nicht mehr mit der Nase voran, sondern mit der Tragfläche. Das Landefeld peilt man also aus dem Seitenfenster an.

Ohne Prüfungsdruck hat's immer geklappt

Sinn und Zweck des Ganzen: Dadurch, dass der Rumpf nicht mehr längs zum Fahrtwind liegt, sondern quer, erhöht sich der Widerstand - das Flugzeug sinkt rapide. Das kann hilfreich sein, wenn die Wirkung der Bremsklappen bei einer Landung nicht ausreicht, um innerhalb des angepeilten Landesfeldes, zum Beispiel bei einer Außenlandung, herunterzukommen.

So weit zur Theorie. In der Praxis kommt es vor allem darauf an, den Rudereinsatz fein aufeinander abzustimmen, sonst fällt man zur einen oder anderen Seite aus dem Slip raus, eiert herum oder fliegt am Ende nicht entschieden genug mit der einen Fläche voraus. Der Slip muss gut anliegen, heißt es.

Ich habe das schon oft geübt. Immer dann, wenn ich genug Höhe erreicht hatte und die wieder abbauen wollte. Und ja, 700 Meter über dem Boden und ohne Prüfungsdruck hat das auch wunderbar geklappt. Doch als ich dann Ende Juli zur C-Prüfung antrete, sieht das plötzlich anders aus.

Die Landung ist ohnehin ein komplexer Vorgang, bei dem man gefühlt tausend Sachen auf einmal bedenken und beherrschen muss. Da nun noch den Slip einfädeln - puh. Dieses Manöver in Bodennähe cool zu absolvieren, geht nicht so leicht. Wenn man im Landeanflug meint, die Blätter an den Bäumen zählen zu können, kostet es schon einiges an Überwindung herumzuexperimentieren.

Auch den nächsten Versuch verhunze ich

Beim ersten Mal klappt es ganz gut. Doch dann dauert es eine Weile, bis ich zum zweiten Anlauf starten kann. In der Zwischenzeit frischt der Wind auf. Als ich zur nächsten Landung ansetze, ist der Anflug wegen der Verwirbelungen durch die Bäume vor der Piste so bockig, dass ich immer wieder aus dem Slip herausfalle. Oder weil ich die Ruder nicht richtig gesetzt habe? Ich weiß es nicht.

Trotzdem versuche ich es noch einmal. Ich will die C-Prüfung schaffen, endlich weiterkommen mit der Ausbildung. Und zwar an diesem Tag. Doch auch den nächste Versuch verhunze ich. Der Wind hat noch weiter zugenommen, es geht im Endanflug rauf und runter, und ich bekomme den Flieger einfach nicht vernünftig in den Seitengleitflug.

Ich bin frustriert. Warum will das, was zigmal hoch oben in der Luft geklappt hat, nun auf einmal nicht klappen? Ich ringe mit mir, während der Wind stärker und stärker wird. Soll ich es trotz der widrigen Bedingungen noch einmal probieren? Dann denke ich an den Blogeintrag, den ich zuletzt verfasst habe, und gebe auf. Es sollte an diesem Tag nicht sein.

Manche Dinge lassen sich nicht erzwingen

Und siehe da, nur einen Tag später klappt es auf Anhieb. Ich beginne den Landeanflug von der Position mit hundert Metern mehr Höhe, als nötig gewesen wäre. Diese Höhe nutze ich für einen extralangen und hohen Endanflug. So habe ich in jeder Hinsicht Reserven: Falls der Slip nicht sofort anliegen sollte, könnte ich es im gleichen Anlauf problemlos noch ein zweites Mal probieren. Dadurch senke ich meinen Stresslevel deutlich - und das scheint zu helfen.

Als hätte es die fehlgeschlagenen Versuche vom Vortag nicht gegeben, schwebe ich bei beiden Versuchen satt im Slip auf den Platz zu - die Landemarkierung schön im Seitenfenster. Ich habe es geschafft, die C-Prüfung ist absolviert.

Am Debriefing am Ende des Flugtages gibt es im Kreis meiner Vereinskameraden dann die Anstecknadel mit drei Schwingen für die bestandene Prüfung. Und eine Erkenntnis obendrein: Manche Dinge lassen sich nicht erzwingen, sondern brauchen Zeit. Und wenn es nur ein Tag ist.



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