Über den Wolken

Über den Wolken Ein Downer vor dem Abheben

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Corbis

Check: Vor dem Start wird alles geprüft - auch der Pilot

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Reinsetzen und losfliegen, so leicht geht es nicht. Erst müssen ein paar Dinge abgehakt werden. Ich habe das in den letzten Wochen erledigt, schreibe aber erst jetzt darüber, weil ich erst einmal einen Schockmoment verdauen musste.

"VDL" - um diese drei Buchstaben geht es. Sie stehen in meinem Tauglichkeitszeugnis. Unter dem Punkt "Einschränkungen". Und sie bedeuten, dass ich alt werde.

Um es kurz zu machen: Wenn ich fliegen will, brauche ich eine Brille. Das zumindest war das Ergebnis der fliegerärztlichen Untersuchung, die jeder angehende Pilot über sich ergehen lassen muss, um das Tauglichkeitszeugnis zu erhalten. Zu der gehört auch ein gründlicher Check beim Augenarzt. Und bei dem stellte sich heraus, dass ich eine einseitige Sehschwäche habe.

Nichts Wildes, im Gegenteil. Langjährige Brillenträger mögen mir deswegen mein Entsetzen nachsehen. Es kam vor allem daher, dass ich nicht im Ansatz damit gerechnet habe. Ich hatte im Alltag nie Probleme, ich fühlte mich kerngesund und, ja, auch jung.

Daran keimten allerdings erste Zweifel auf, als mich mein zukünftiger Fluglehrer bei der Anmeldung fragte, wie alt ich sei. "36", sagte ich. Kurzes Schweigen in der Leitung. "14 ist ja das beste Alter, um Segelfliegen zu lernen", sagte er. "Aber keine Sorge, das kriegen wir schon hin."

Das war ein unangenehmer Moment, aber nichts gegen die Untersuchung beim Augenarzt. Mein 100-Prozent-Auge wurde abgedeckt - und plötzlich verschwamm die Welt und ich wurde hilflos. Ich gab am laufenden Band falsche Einschätzungen über die an die Wand projizierten Zeichen ab. "Sind Sie wirklich sicher?", fragte der Arzt wieder und wieder. Nein, ich war überhaupt nicht sicher.

Inzwischen habe ich mich an den Gedanken gewöhnt. Fliege ich eben mit Brille, was soll's. Der Rest der fliegerärztlichen Untersuchung verlief problemlos, nur das Bankkonto wurde dezent in Mitleidenschaft gezogen. Da das alles reines Privatvergnügen ist, hält sich die Krankenkasse zu Recht raus. Falls sich jemand zur Nachahmung animiert fühlt, hier eine kleine Kostenübersicht:

Augenärztliche Untersuchung: 60 Euro
Fliegerärztliche Untersuchung: 120 Euro
Zwei Brillen (es muss immer Ersatz mitgeführt werden): rund 200 Euro
Zuverlässigkeitsüberprüfung nach § 7 Luftsicherheitsgesetz: 40 Euro

Letztere brauche ich, weil meine Flugschule auf dem Gelände eines kleinen Verkehrsflughafens liegt. Die Behörde hat mich als zuverlässig eingestuft. Ich bin also alt, aber kein Terrorist. Und das ist doch auch eine beruhigende Erkenntnis.

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aviator 30.06.2013
ellge 30.06.2013
fortyplus 30.06.2013
markususa 30.06.2013
MichaelundNilma 30.06.2013
misanthropologe 30.06.2013
Future 30.06.2013
specialsymbol 01.07.2013
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Flieger321 01.07.2013
psimon7v 02.07.2013
psimon7v 02.07.2013
Willy D. 03.07.2013
Willy D. 03.07.2013
rueckwaertsflieger 09.07.2013
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  • Den Traum vom Fliegen träumt Michail Hengstenberg, seit er Kind ist. Weil regelmäßige Fünfen in Mathe einer Karriere als Berufspilot nicht förderlich sind, blieb er bislang am Boden. Bis jetzt. Von etlichen Gastflügen bei verschiedenen Segelflugclubs ausreichend motiviert, befindet sich der SPIEGEL-ONLINE-Redakteur seit Juli 2013 in der Ausbildung zum Segelflugpiloten.

    Von seinen Erfahrungen auf dem Weg zur Lizenz zum Abheben erzählt Michail Hengstenberg regelmäßig in diesem Blog.