Über den Wolken

Über den Wolken Zwei Minuten Glück

Windenstart: Beschleunigung wie im Sportwagen Zur Großansicht
Michail Hengstenberg

Windenstart: Beschleunigung wie im Sportwagen

 |

Die erste Ausbildungswoche ist fast geschafft, in vier Tagen habe ich 19 Flüge absolviert. Die laufen eigentlich immer so ab: In 300 bis 350 Metern Höhe klinken wir das Windenseil aus, bei gutem Gegenwind noch etwas höher. Bei 200 Meter Höhe müssen wir schon zum Landeanflug ansetzen. Bleiben also 150, maximal 200 Höhenmeter, um neben dem Flugplatz ein paar Übungen zu fliegen.

"Platzrunde" heißt das in der Fliegersprache, "mit Übungsteil". Kurve rechts, Kurve links, Horizont halten (also das Flugzeug mit der richtigen Geschwindigkeit auf der Flugbahn lassen), Rollübungen (einfach gesagt: mit den Flügeln wackeln). Nach sechs Minuten ist der Spaß vorbei, dann setzen wir wieder auf. Wenn es schlecht läuft, auch schon nach fünf.

Doch auf einem Flug war es anders. Plötzlich riss es mir im Geradeausflug den linken Flügel hoch. Thermik! Oder zumindest ein kleiner Fetzen davon. In einem Bogen flogen wir zu der Stelle zurück, wo es das Flugzeug nach oben getragen hatte. Dann legte ich die KA7 in eine enge Kurve. Und tatsächlich: Statt zu sinken, stiegen wir - oder verloren zumindest keine Höhe mehr.

Zwei Minuten kreiste ich so. Und danach stand in meiner Flugliste zum ersten Mal ein Acht-Minuten-Flug. Für Menschen, die noch nie in einem Segelflugzeug gesessen haben, mag das lapidar klingen. Aber darum geht es ja, es ist der Kern, die Grundidee: Oben bleiben, ohne Hilfsmittel wie einem Motor. Und das hatte ich geschafft - zumindest zwei Minuten lang.

Was mich außerdem fasziniert, ist das Gefühl, langsam mit dem Flugzeug zu verwachsen. Nicht mehr rumzueiern in der Luft, weil ich alle Ruder einzeln und vor allem viel zu ungeschlacht bewege. Sondern zu merken, dass man die alte KA7 in Wahrheit mit den Fingerspitzen fliegen kann.

Diesen Artikel...
11 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
GliderHR2 05.07.2013
dg300 05.07.2013
Alternator 05.07.2013
danilu 05.07.2013
spon-facebook-10000149859 05.07.2013
aviator 06.07.2013
winne42 06.07.2013
MichaelundNilma 06.07.2013
specialsymbol 06.07.2013
Fleetenkieker 06.07.2013
tb59427 08.07.2013
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Über den Wolken
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Den Traum vom Fliegen träumt Michail Hengstenberg, seit er Kind ist. Weil regelmäßige Fünfen in Mathe einer Karriere als Berufspilot nicht förderlich sind, blieb er bislang am Boden. Bis jetzt. Von etlichen Gastflügen bei verschiedenen Segelflugclubs ausreichend motiviert, befindet sich der SPIEGEL-ONLINE-Redakteur seit Juli 2013 in der Ausbildung zum Segelflugpiloten.

    Von seinen Erfahrungen auf dem Weg zur Lizenz zum Abheben erzählt Michail Hengstenberg regelmäßig in diesem Blog.