Über den Wolken

Segelflug-Blog Schrecksekunde vor der Landung

Fliegen in Norddeutschland: Das Wetter spielt nicht mit
Michail Hengstenberg

Fliegen in Norddeutschland: Das Wetter spielt nicht mit

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Toller Flugtag neulich! Am Freitag hatte der Wetterbericht noch gutes Wetter vorausgesagt. Am Samstag hatte der Wetterbericht noch gutes Wetter vorausgesagt. Auch am Sonntagmorgen zeigte die Vorhersage zumindest noch passables Wetter. Als ich dann um kurz nach zehn auf dem Flugplatz ankam, hing der Nebel in dichten Schwaden über der Startbahn.

Weil es laut Wetterdienst besser werden sollte, sobald sich der Dunst verzogen habe, wurde der Flugbetrieb aufgebaut. Doch kaum war der Nebel weg, kam der Regen. Hier ein Schauer, da ein Schauer. In der Hoffnung, dass es sich bessern würde, stürmten wir nach jedem Guss unter dem Dach des Startwagens mit Abziehern und Lappen bewaffnet hervor, um die zwei ASK 21 abzutrocknen. Zweimal fing es wieder an zu regnen. Zweimal blieb es zumindest so lange trocken, dass die Fluglehrer ein paar Überprüfungsflüge machen konnten.

Für uns Flugschüler aber war an diesem Tag bei dieser schlechten Sicht nichts zu holen: Um ein Uhr packten wir wieder zusammen. Kaum war alles abgerüstet und die Flieger in der Halle verstaut, kam die Sonne heraus. Ich hätte heulen können. Als ich eine halbe Stunde später auf dem Heimweg war und die ersten Regentropfen wieder auf meiner Windschutzscheibe zerplatzten, war ich richtig erleichtert.

Lehrstunde mit Ruck

Eine Woche später hatte ich mehr Glück mit dem Wetter. Nach dem Alpenflug im März war dies mein erster Flug in diesem Jahr auf meinem neuen Heimatflughafen im Westen Hamburgs. Und er bescherte mir gleich eine bleibende Erinnerung.

Beim Start klappte alles wunderbar, und auch in der Luft war mir die ASK 21 sofort vertraut. Selbst bei der Landung dachte ich, alles liefe wie am Schnürchen. Obwohl es ein paar Seitenwindböen gab, die meine volle Konzentration erforderten. Erst als ich ein paar Meter über dem Boden den Abfangbogen einleiten wollte, dämmerte mir, dass etwas nicht stimmte.

Während sonst schon eine minimale Bewegung am Steuerknüppel reicht, um das Flugzeug abzufangen, musste ich diesmal richtig ziehen, um den Sinkflug aufzuhalten. Und dann ging alles ganz schnell: Während sonst das Ende des Abfangbogens in sanftes Ausschweben mündet, sackten wir diesmal aus rund zwei Metern Höhe durch und plumpsten förmlich auf den Boden.

Was war passiert? Ich hatte offensichtlich während des Landeanflugs Stück für Stück die Fahrt aus dem Flugzeug gezogen, bis kurz vor dem Aufsetzen die Strömung abriss. Mein Dank gilt deswegen meinem Fluglehrer. Statt mir zuzurufen, dass ich drücken und Fahrt aufnehmen soll, hat er cool einfach hinter mir gesessen, die Lage beobachtet - und mich machen lassen. Er hätte die Situation mit einem Wort abwenden können. Und den Lerneffekt damit halbiert.

Denn dieser Moment hat sich mir eingebrannt: Dieses Gefühl, in der Luft zu stehen, aus dem Cockpit nach rechts unten auf das Gras der Piste zu gucken, mit Schrecken festzustellen, dass wir noch nicht aufgesetzt haben und dann herunterzufallen - das werde ich nie vergessen.

Beim nächsten Landeanflug hat es mit der Geschwindigkeit dann auch perfekt gepasst.

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9 Leserkommentare
Sergeij 22.04.2014
fortyplus 22.04.2014
Papierleschweizer 22.04.2014
gleichgesinnter 22.04.2014
ReinhardHasch 23.04.2014
Fascipilot 23.04.2014
DeutscherimAusland 23.04.2014
h_schairer 23.04.2014
specialsymbol 23.04.2014

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