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11. September 2018, 04:45 Uhr

Segelkunstflieger in Ausbildung

Auf in den Sturzflug

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Ja, ich gebe es zu, es ist still geworden im Segelflug-Blog. Doch jetzt gibt es spektakulär Neues zu berichten: Looping, Rolle, Aufschwung, Turn - ich werde Kunstflugpilot!

Warum es still geworden ist? Nein, keine Sorge - ich habe nicht aufgehört mit dem Segelflug. Natürlich hat sich bestätigt, was ich während der Ausbildung geahnt habe: dass es schwer ist, Segelfliegen und Familie unter einen Hut zu bringen. Und ohne das große Verständnis meiner Freundin und die Toleranz von Teilen meines Vereins hätte ich meinen Traum vom Fliegen wohl schon begraben müssen.

Der Grund für die lange Sendepause aber ist ein anderer: Es liegt daran, dass ich langsam, aber sicher mehr und mehr in das Nerd-Universum Segelflug abgedriftet bin. Die Themen, die mich inzwischen beschäftigen, sind normalen Menschen kaum noch zu vermitteln. Ich merke das immer, wenn Kollegen Small Talk machen wollen und angesichts des blauen Himmels vor den Fenstern anteilnahmig fragen: "Heute wäre bestimmt gutes Segelflugwetter, oder?"

"Nein" ist oft meine Antwort. Dann schaue ich in überraschte Gesichter. Wenn ich aber versuche, zu erklären, was eigentlich gutes Segelflugwetter ausmacht und warum blauer Himmel nicht automatisch Segelfliegers Traum ist, erkenne ich schnell, dass mir nach Nerdistan eigentlich niemand folgen kann und will.

Jetzt aber gibt es ein Thema, bei dem auch ich Neuling bin und kein Experte: Segelkunstflug. Die Welt auf den Kopf zu stellen, mit einem Affenzahn auf die Erde zu zu sausen und kurz danach wieder steil in den Himmel zu schießen, von den G-Kräften in den Sitz gedrückt zu werden oder beim Rückenflug in den Sicherheitsgurten zu hängen - das nehme ich mir jetzt vor.

Fasziniert hat mich die Himmelsakrobatik ohne Motor schon immer. Zigmal habe ich mir die eindrucksvoll inszenierte Dämmerlicht-Show von Segelkunstflug-Weltmeister Johan Gustafsson angeschaut:

Segelkunstflug ist, wie Segelflug allgemein, im Vergleich zu motorisiertem Fliegen eine Spur anspruchsvoller. Es gibt kein Triebwerk, das den Flieger, zur Not auch senkrecht, in den Himmel zieht. Beim Segelkunstflug zieht entweder ein Schleppflugzeug oder eine Höhenseilwinde das Flugzeug auf eine Ausgangshöhe, von der aus der Kunstflieger dann seine Figuren fliegt.

Der Flug findet meist in dafür festgelegten Lufträumen statt. Diese müssen für den Zeitraum des Segelkunstfluges bei der Flugsicherung beantragt werden und werden dadurch anderen Piloten gemeldet, damit sie diese Zonen umfliegen können.

Kunstflüge finden fast immer in sogenannten Boxen meist in der Nähe eines Flugplatzes statt. Das sind sozusagen imaginäre Würfel mit einer Kantenlänge von meist 1000 Metern, innerhalb derer der Kunstflieger seine Figuren fliegt. In einer Höhe von 400 Metern, in einigen Ausnahmen auch 200 Meter muss der Pilot sein Programm beendet haben.

Segelkunstflug ist eine sehr spaßbetonte Form von Energiemanagement: Es geht darum, mit Lageenergie geschickt umzugehen. Einerseits muss eine bestimmte Geschwindigkeit am Anfang einer Figur anliegen, damit man genug "Schwung" hat, sie zu Ende zu bringen.

Andererseits darf man auch nicht mit zu viel Speed durch die Gegend ballern. Weil es das Flugzeug überlasten könnte. Vor allem aber, weil der aerodynamische Widerstand im Quadrat mit der Geschwindigkeit wächst. Im Klartext: Wer herumheizt, vernichtet Höhe - dann ist der untere Rand der Box erreicht, bevor das Programm zu Ende geflogen ist.

Aber es gibt einen weiteren Aspekt, den ich beim Segelkunstflug interessant finde: den Sicherheitsgewinn. Es ist ähnlich wie beim Fahrsicherheitstraining für Autofahrer. Dort lernen die Teilnehmer, wie sie ihr Auto im Grenzbereich bewegen. Wie sie sich verhalten, wenn das Heck ausbricht, Bremsen blockieren, Reifen beim Aquaplaning wegrutschen. Danach können sie ihr Auto besser beherrschen.

Alle meine Fliegerkollegen, die eine Kunstflugberechtigung haben, bestätigen das für die Fliegerei. Sie sagen, dass man nach dem Kunstfluglehrgang anders fliegt, dass das zusätzliche Wissen und Können mehr Sicherheit gibt. Genau dieser Gedanke ließ meine Freundin mich ermuntern, einen Lehrgang zu machen. Und ja: Mehr Sicherheit will ich auch. Und habe mich beim Förderverein Segelkunstflug in Bayern für einen Lehrgang angemeldet.

Und werde davon in den nächsten Tagen hier im Blog im Kunstflug-Tagebuch berichten.

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