Skigebiete im Bayerischen Wald "In Südtirol zahl ich doppelt so viel"

Mit den gigantischen Skigebieten der Alpen können Großer Arber, Geißkopf und Hohenbogen nicht mithalten. Die Vorteile der Orte im Bayerischen Wald: Sie sind kindergeeignet und günstig. Der Überblick.

Daniela Blöchinger/Tourismusverband Ostbayern/dpa-tmn

Leicht verwundert - und sehr erfreut - mustert der Gast aus Berlin die Preistabelle an der Liftkasse: 23 Euro für einen Tagesskipass am Pröller, wo gibt's denn so was noch? "Fünf Tage Skiunterricht für 92 Euro, 45 Euro für eine Woche Kinderausrüstung leihen, 8,50 Euro für den Schweinebraten in der Hütte - da zahl ich in Österreich oder Südtirol ja fast doppelt so viel", sagt der Familienvater.

Natürlich ist Winterurlaub im Bayerischen Wald auch deshalb günstiger, weil das Pistennetz nicht so groß und die Berge nicht so hoch sind wie in den Alpen. Ein Trip zu Pröller und Predigtstuhl, Großer Arber, Geißkopf und Hohenbogen lohnt sich dennoch. (Hier mehr über den Reiz von Mini-Skigebieten.)

Tausend Meter überragen alle Berge, das Angebot an Abfahrten ist für Genussskifahrer ausreichend. Punkten kann der "Woid", wie die Einheimischen ihr Reich nennen, mit Kinder- und Familienfreundlichkeit, und relativ schneesicher sind seine Berge auch. Notfalls helfen eben die in Stellung gebrachten Schneekanonen.

Rund 2000 Kilometer umfasst das Langlaufstreckennetz. Wer Abwechslung sucht, dem bieten die lokalen Verkehrsämter vielerorts geführte Schneeschuhtrips, Pferde- und Hundeschlittenfahrten und manchmal auch Ski-Kiting an. In der Region Grafenau-Neuschönau helfen Profis beim Iglubau und bieten Winter-Survivaltrainings an. Die Wintersaison beginnt Mitte Dezember, offiziell Schluss ist erst Ende April. Dann verbrennt die Bergwacht auf dem Großen Arber bei einem Fest symbolisch den letzten Schnee.

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Arber bis Geißkopf: Günstige Skigebiete im Bayerischen Wald

Doch was genau bieten die Orte im Bayerischen Wald, und wie unterscheiden sie sich? Ein Überblick zu den wichtigsten Skigebieten:

St. Englmar: Langläufers Traum

Pröller und Predigtstuhl sind die Hausberge der Urlaubsregion, die mit einem Dutzend Schleppliften, gut zwölf Kilometern Piste, mehreren Skischulen mit rund Hundert Skilehrern, einem Rodelhang mit Lift und 105 Kilometern Loipen aufwarten kann. Die Region ist für Langläufer so attraktiv, dass dort ein "Nordic aktiv Langlaufzentrum" des Deutschen Ski Verbands entstanden ist. Die Abfahrtspisten sind überwiegend leicht, aber auch eine schwarz gekennzeichnete Rennstrecke gibt es. Besonders beliebt in St. Englmar ist der Nachtskilauf mit Flutlicht: Von 19 bis 22 Uhr ist er an den meisten Abenden möglich.

Großer Arber: Auf dem "König des Bayerischen Walds"

Mit 1456 Metern ist der Arber bei Bayerisch Eisenstein der höchste Berg des Bayerischen Waldes, das Sportangebot ist groß. Das Gebiet, zu dem auch die Skiarena Silberberg bei Bodenmais gehört, verfügt über eine Gondelbahn, zwei Sechser-Sessellifte, diverse Schlepplifte und Kinder-Förderbänder - genug, um stündlich 10.000 Skifahrer zu befördern. Die haben die Wahl zwischen 14 Ski- und Snowboardschulen, einem halben Dutzend Hütten und 15 Kilometer Pisten.

Weniger rasant geht es im "ArBär"-Kinderland zu, wo sich das gleichnamige Wuschel-Maskottchen um den Skinachwuchs kümmert. Wer nicht Ski laufen kann oder mag, kann den Arber und die Aussicht von ihm aber ebenfalls genießen: Nach der Auffahrt mit der Gondel geht es barrierefrei mit einem gläsernen Personenaufzug auf die Terrassen der Gipfelhütten.

Rodlerinnen am Großen Arber
Arber Bergbahn/dpa-tmn

Rodlerinnen am Großen Arber

Mitterdorf: Überdachte Zauberteppiche

Das Skigebiet bei Mitterfirmiansreut ist klein, aber fein. Es hat eine Doppelsesselbahn und fünf Schlepplifte, die acht Abfahrten und 5,7 Pistenkilometer erschließen. Es gibt eine Rodel- und Schlittenbahn sowie ein Angebot für die Kleinen: Der Zwergerl-Park liegt sonnig und windgeschützt am Fuße des Almbergs, hat eine eigene Skischule, drei überdachte Zauberteppiche sowie Wärme-, Spiel- und Ruheräume. Ganztagsbetreuung gibt es für Kinder im Alter ab zwei Jahren.

Geißkopf: Zwei Kilometer lange Rodelbahn

Betont familienfreundlich präsentiert sich auch dieser Skiberg bei Bischofsmais, der mit dem "Geißleinpark" für die Kleinen, neun autobahnbreiten Alpin-Abfahrten über acht Kilometer sowie einer zwei Kilometer langen Naturrodelbahn - eine der längsten in Deutschland - aufwartet. Es gibt zwei Funparks für Snowboarder und Freerider, auch abendlicher Flutlichtskilauf ist möglich. Etwas langsam, aber lustig ist die Bergfahrt mit dem nostalgischen Einer-Sessellift, der die Wintersportler hinauf zu Pisten mit weiteren fünf Schleppern bringt.

Hohenbogen: Längster Doppelsessellift des "Woids"

Der markante, 1079 Meter hohe Berg zwischen Furth im Wald und Waldmünchen bietet nicht nur Rundblicke bis zu den Alpen, sondern auch flotte Abfahrten auf zwölf insgesamt sechs Kilometer langen Pisten. Die werden von einem einzigen Doppelsessellift bedient. Der aber ist mit gut 1300 Metern der längste im Bayerischen Wald. Zwei Ski- und Snowboardschulen kümmern sich um Anfänger und Fortgeschrittene. Von der Mittelstation führt eine über 700 Meter lange Winterrodelbahn auf einer eigenen Trasse ins Tal.

Joachim Hauck, dpa/abl

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insgesamt 21 Beiträge
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112211 20.11.2018
1. Wissen, was man will
Man muss schon wissen, was man will. Die Gipfel mögen zwar allesamt die magische 1000-Meter-Linie überragen, aber die Täler sind auch nicht so weit von dieser Höhenlinie entfernt. Die Abfahrten sind daher eher kurz und überschaubar. Das wiederum macht diese Gebiete vor allem für Familien mit kleinen Kindern interessant. Diese sind auf den Superabfahrten in Ischgl, Obertauern usw. völlig fehl am Platz. Das echte Highlight sind allerdings in den Mittelgebirgen die Möglichkeiten zum Langlauf und Schneeschuhwandern. Ist man auf dem Bergrücken angekommen und hat einen der schönen wolkenfreien Tage erwischt, kann nahezu jedes Areal in den Alpen einpacken.
Flugzeugfreak1 20.11.2018
2. Sicherlich sehr nett für ein Wochenende
aber für meinen Urlaub wäre das nichts. Ich will halt Abwechslung und möglichst lange am STück fahren, da gefallen mir die österreichischen und italienischen Gebiete einfach mehr. Es gibt auch Skigebiete mit 115 Kilometern, die nicht überlaufen oder voller Après-Ski Touris sind
philip schönfeld 20.11.2018
3.
von was ich abrate - zwar nicht Bayerischer Wald - ist Lenggries. Aus Lenggries kommen einige ehemalige Ski Weltmeister. So dachte ich, das Skigebiet muss auch was taugen. Fehlanzeige. Ein Platz in einer der wenigen Skischulen ist kaum zu bekommen. Ausverkauft. Das Skigebiet sehr "überschaubar" und Wartezeiten an den Liften im Tal lang. Auf dem Berg wiederum kaum blaue Pisten, für Kinder also nix. Mein Favorit in Deutschland? Definitiv Garmisch! Professionell und schön.
Welle68 20.11.2018
4. Predigtstuhl liegt in den Alpen
Sehr interessanter Text, es befindet sich aber ein Fehler darin. Der Predigtstuhl mit der ältesten Kabinenseilbahn der Welt befindet sich im Berchtesgadener Land, also in den Alpen. Zumindest im Sommer ist dieses Gebiet sehr zu empfehlen :-)
Sibylle1969 20.11.2018
5.
Das einzige Mittelgebirgsskigebiet in Deutschland, das den Namen Skigebiet verdient und nicht nur die Bezeichnung *Berg knapp über 1000 m mit 2-3 Liften und ein paar Pisten, die gerade mal einen Kilometer lang sind*, ist der Feldberg im Schwarzwald. Da ist’s am Wochenende allerdings abartig voll. 20 Minuten anstehen pro Liftfahrt für eine Abfahrt von 2-3 Minuten... Im Übrigen gibt es auch in den Alpen noch zahlreiche kleine Skigebiete mit nur wenigen Pistenkilometern und günstigen Preisen. Mit diesen muss man den Bayerischen Wald vergleichen, nicht mit den Sankt Antons dieser Welt.
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