Streik in Frankfurt: Lufthansa streicht am Montag 140 Flüge
Flugreisende müssen sich wegen neuer Streiks am Flughafen Frankfurt wieder auf lange Wartezeiten und Flugausfälle einstellen. Nach dem Abbruch der Tarifgespräche lassen die 200 Vorfeld-Mitarbeiter seit Sonntagabend die Arbeit ruhen. Erst am Donnerstagmorgen soll der Ausstand beendet werden.
Frankfurt am Main - Der Arbeitskampf auf Deutschlands größtem Flughafen ist in die zweite Runde gegangen: Nachdem die Tarifgespräche mit dem Flughafenbetreiber Fraport am Freitagabend geplatzt waren, hat die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) die etwa 200 Vorfeld-Mitarbeiter erneut zum Streik aufgerufen. Der Arbeitskampf begann am Sonntagabend um 21 Uhr und soll zunächst bis Donnerstag früh 5 Uhr dauern.
Am bestreikten Frankfurter Flughafen wird am Montag etwa jeder neunte Flug ausfallen. Nach Angaben des Airportbetreiber Fraport wurden insgesamt 148 von 1286 Verbindungen wegen des Arbeitskampfes gestrichen. Die Lufthansa kündigte an, am Montag etwa 140 Verbindungen innerhalb von Deutschland und Europa zu streichen. Rund 80 Prozent der Flüge fänden aber planmäßig statt, darunter alle Langstreckenverbindungen.
Fraport nennt Streik "völlig überzogen"
Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport kritisierte den Arbeitskampf scharf: Die neuen Streiks seien "völlig überzogen und nicht nachvollziehbar". Er forderte die GdF auf, "ihre hohen Forderungen im zweistelligen Prozentbereich zu überdenken, die Streikmaßnahmen zu beenden und das gute Angebot anzunehmen", das eine Angleichung an die Münchner Tarife darstelle.
Die Gewerkschaft gab der Arbeitgeberseite die Schuld am Scheitern der Verhandlungen: GdF-Sprecher Matthias Maas sagte, das Fraport-Angebot sei schlechter gewesen als das vor der Schlichtung vorgelegte und habe die etwa hundert Angestellten der sogenannten Vorfeld-Aufsicht gar nicht mehr enthalten. Die Gewerkschaft sei "wütend", sagte Maas und sehe den Schlichterspruch als Grundlage für eine Einigung.
GdF berät Montag über härteren Arbeitskampf
In dem Tarifkonflikt geht es um Gehälter, Arbeitszeiten und Zulagen für 200 Beschäftige der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und Verkehrszentrale. Das von den Verhandlungen betroffene Personal ist eine kleine Berufsgruppe, die aber eine zentrale Rolle am Flughafen einnimmt. Sie weist Flugzeugen ihre Parkpositionen zu oder lotst sie dorthin.
Beide Seiten sehen sich auch für einen längeren Arbeitskampf gut gerüstet. Der Flughafenbetreiber weist darauf hin, dass an den bisherigen Streiktagen mehr als 80 Prozent der Flüge stattgefunden hätten, bei internationalen Flügen habe es überhaupt keine Einschränkungen gegeben.
Die Gewerkschaft verweist dagegen auf die gut gefüllte Streikkasse - "Wir halten das mehrere Wochen durch", sagte der GdF-Tarifvorstand Markus Siebers der "Süddeutschen Zeitung". Am Montag will sich der Bundesvorstand der GdF zu einer Sondersitzung treffen. Dabei soll auch beraten werden, ob der Arbeitskampf mit härteren Maßnahmen geführt werden soll.
Bislang hat der Flughafenbetreiber Fraport nach eigenen Angaben aufgrund des Streiks bislang knapp sieben Millionen Euro Verlust gemacht. "Sollte es dabei bleiben, dass wir 80 Prozent oder mehr Flüge abfertigen, dann verlieren wir jeden Streiktag ungefähr eine Million Euro", sagte ein Fraport-Sprecher auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE.
Die Lufthansa gab bislang keine genauen Zahlen im Zusammenhang mit dem Ausstand in Frankfurt bekannt. Eine Sprecherin bestätigte aber einen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich.
nck/dpa/dapd
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